„Intrigen und Machtmissbrauch“ Delmenhorster Ratsfrau tritt mit markigen Worten ab

Meine Nachrichten

Um das Thema Delmenhorst Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Eva Sassen gehört dem Rat der Stadt Delmenhorst ab sofort nicht mehr an. Archivfoto: Thorsten KonkelEva Sassen gehört dem Rat der Stadt Delmenhorst ab sofort nicht mehr an. Archivfoto: Thorsten Konkel

Delmenhorst. Die etwas andere Ratsfrau Eva Sassen hat am Dienstagabend dem erfahrenen Polit-Haudegen Paul Wilhelm Glöckner Platz gemacht. Auch zum Abschied aus dem Rat scheute sie markige Worte nicht.

Ein knappes Jahr vor der Kommunalwahl am 11. September 2016 hat Eva Sassen vom Bürgerforum am Dienstagabend – wie angekündigt – den Rat der Stadt Delmenhorst verlassen und den Stab an Paul Wilhelm Glöckner weitergereicht. In einer letzten kurzen Rede gab sie mit sehr deutlichen Worten ihre Wahrnehmung der hiesigen Kommunalpolitik wieder.

„Ich war immer wieder erstaunt – bis zuletzt“

Gleich zu Anfang sagte sie: „Ich habe in keiner Phase meines Lebens von so vielen Intrigen, Lügen, von so viel Hinterhältigkeit und Machtmissbrauch erfahren, wie in diesen neun Jahren.“ Und weiter: „Ich war immer wieder erstaunt – bis zuletzt.“

Ein roséfarbener Blumenstrauß war vorbereitet und Ratsvorsitzender Gerhard Berger (SPD) wollte ihn mit kurzen Dankesworten übergeben. Da meldete Sassen an, dass sie noch etwas zu sagen hätte, worauf Berger meinte: „Du möchtest reden, wie immer. Wir werden das vermissen.“

Abschied von „Delmenhorster Bühne“

Die scheidende Ratsfrau verglich die politische Delmenhorster Bühne mit einem Theater, dessen erstes Schauspiel den Namen „Abriss“ trage. Als Kulissen zählte sie das Delfina, die Delmehalle, die Delmeburg, das Hotel am Stadtpark, den gestutzten Schornstein der Volkshochschule und das Obstkorb- Gebäude auf.

In der Rubrik „Fehlgeleitete Gutachterauswahl und falsche Personalentscheidungen“ verwies sie auf die Tätigkeit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO für das Klinikum, auf die Wahl von Gerd Linderkamp zum Ersten Stadtrat, auf den früheren Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, Martin Balkausky, auf den früheren Klinikum-Geschäftsführer Dr. Peter Stremmel sowie auf Stadtwerke-Chef Hans-Ulrich Salmen. Letzterem lastete sie die Graftversumpfung, den Verfall von Bahnhofsvordächern und des Parkhauses an und meinte: „Ausgerechnet ihm wird so viel angedient!“

„Bürgerwidrige Entscheidungen“ angeprangert

Im Theater-Jargon kam Sassen schließlich auf das „moderne Gastspiel ,Bürgerwidrige Entscheidungen‘“ zu sprechen. Sie nannte hier die Hotelnachnutzung, Umlegungsverfahren, „unverantwortliche Haushaltsentscheidungen“, die Schließung der Frauenklinik am Klinikum und „unzählige Verkehrsplanungsentscheidungen gegen den Bürgerwillen“.

Ungeachtet dieser Aufzählungen verabschiedete sich Sassen ohne Groll und verwies allgemein auch auf „schöne Momente“. Dem Rat rief sie zu: „Lasst los vom Streben nach Macht und Ansehen!“ An die Bürger appellierte sie: „Mischt euch ein!“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN