Wohnblöcke in Delmenhorst Stadt lehnt Wollepark als Flüchtlingsheim ab

Die ersteigerten Blocks im Wollepark kommen nicht als Flüchtlingsunterkunft infrage. Symbolfoto: Thomas BreuerDie ersteigerten Blocks im Wollepark kommen nicht als Flüchtlingsunterkunft infrage. Symbolfoto: Thomas Breuer

Delmenhorst. Die Stadt ist auf der Suche nach Flüchtlingsunterkünften, will aber die kürzlich ersteigerten Wohnblöcke Am Wollepark 1 bis 5 abreißen. Dieser vermeintliche Widerspruch wurde nicht nur im dk von Leserbriefschreibern angeprangert, sondern auch aus der Politik von Ratsfrau Eva Sassen. „Sie sind so marode, dass man sie nicht einfach sanieren kann“, machte der zuständige Fachbereichsleiter Fritz Brünjes klar.

Im Planungsausschuss am Dienstag zeichneten Brünjes, und Ulrich Ihm, Fachdienstleiter Stadtplanung, ein deutliches Bild vom Zustand der Gebäude.

Fenster und Sanitäranlagen zerstört

Wie Ihm berichtete, sind die Fenster in den oberen Stockwerken zerstört. Die Räume seien voll von Taubenexkrementen und -kadavern. Die sanitären Einrichtungen und Küchen seien zerstört, die Heizungen abmontiert, teilweise sogar Stromkabel aus der Wand gerissen. Hinzu kommen Wasserschäden. Gefährlich sei zudem, dass die Stahlverankerungen der Fassadenelemente bereits rosten.

Sanierungskosten liegen über Neubaukosten

Zur Ermittlung der Abrisskosten hat es laut Ihm eine gemeinsame Begehung mit der GEWOBA gegeben, ein Gutachten zu möglichen Sanierungskosten gibt es nicht. Ein solches Gutachten würde eine Summe in fünfstelliger Höhe kosten. Dies sei nicht zu rechtfertigen, wenn es bereits einen politischen Beschluss zum Abriss gibt. Eine Sanierung würde sich laut Ihm lohnen, wenn sie weniger als 700 Euro pro Quadratmeter kostet. „Die Sanierungskosten liegen oberhalb der Kosten eines Neubaus“, ist sich Ihm beim Wollepark sicher.

Politik denkt zunächst Aufschub an

„Auch in größter Not müssen wir Ruhe bewahren. Es bringt nichts, marode Bausubstanz für viel Geld wieder herzurichten“, sagte Ausschussmitglied Gerhard Berger (SPD) zu den Gedankenspielen, ein Flüchtlingsheim einzurichten. Auf der Tagesordnung stand das Thema am Dienstag, damit die Politik Gelder für den Abriss freigibt. „Wir haben Probleme damit, jetzt Mittel bereitzustellen, bevor wir wissen, was in Delmenhorst passiert“, meinte Piraten-Fraktionschef Andreas Neugebauer mit Blick auf den klammen Haushalt der Stadt und weitere Belastungen durch den Zuzug von Flüchtlingen oder die Zuschüsse ans Klinikum. „Dieser Wohnblock ist gefährlich“, sagte Volker Wohnig (Linke), dennoch sei es schwierig, über die Gelder zu entscheiden.

Zwei Drittel der Abrisskosten aus Fördertöpfen

„Wir haben jetzt das Geld für den Abriss“, sagte Brünjes zu dem Gedanken, den Abriss deshalb aufzuschieben. Zwei Drittel der geschätzten Kosten von 1,3 Millionen Euro werden aus Fördertöpfen bereitgestellt. Diese Fördermöglichkeit sei aber zeitlich begrenzt. Ihm gab zudem zu bedenken, dass die Gebäude jährlich einen fünf- bis sechsstelligen Betrag an Unterhaltungskosten verschlingen. Der Ausschuss stimmte schließlich für die Bereitstellung der Gelder. Der Verwaltungsausschuss muss die Entscheidung noch bestätigen.


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