Themenkonzert zu Verfemter Musik „Verbotene Melodien“in Delmenhorster Apostelkirche

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Bezieht Stellung: Stefanie Golisch singt „verfemte Musik“.Foto: Kay MichalakBezieht Stellung: Stefanie Golisch singt „verfemte Musik“.Foto: Kay Michalak

Ihre Musik war verboten, obwohl sie im Grunde harmlos war: Am Sonntag singt die Bremer Sängerin Stefanie Golisch in der Apostelkirche Stücke, die im Dritten Reich als verfemt galten.

Delmenhorst. Es sind Titel, die harmlos klingen, die jedoch der Zensur unterlagen: „Ein Freund, ein guter Freund“ oder „Das ist der schönste Tag in meinem Leben“ sind Lieder aus der Feder „verbotener Komponisten“, wie es die Sprachregelung im Dritten Reich war. Diesen und anderen Titeln wird nun am morgigen Sonntag neues Leben eingehaucht. Dann wird die Bremer Sängerin Stefanie Golisch ab 17 Uhr in der Kirche Zu den Zwölf Aposteln mit ihrem Programm „Was Goebbels nicht hören wollte“ beliebten Evergreens, Operettenmelodien und Schlager singen.

Auch leichte Musik war verboten

„Uns ist aufgefallen, dass es relativ viele Liederabende mit Komponisten Verfemter Musik gibt, die eher schwermütige Lieder komponiert haben“, sagt Golisch. „Doch es gab auch leichte Musik, bei der kaum zu glauben ist, dass sie ebenfalls verboten war. Darauf möchte ich aufmerksam machen .“

Schicksale, die Menschen zerbrachen

Lebensschicksale zu bestimmten Komponisten wie Friedrich Holländer, Hugo Hirsch oder Literatgen wie Berthold Brecht will die Sängerin ebenfalls vorstellen. Einige Stücke wurden eigens vom Regisseur und Dramaturg Uwe Hoppe für Golischs Programm geschrieben und komponiert. „Es werden auch Künstler vorgestellt, die an ihrer Situation im Dritten Reich zerbrochen sind“, sagt Golisch. Allzu traurig soll der Liederabend aber nicht werden. „Die Besucher sollen mitsingen, und fröhlich mit Musik im Herzen nach Hause gehen“, sagt sie. Denn dies sei das stärkste Mittel, um Frieden zu bringen, so die Sängerin und spielt auf aktuelle Krisen in Kriegsgebieten im Nahen Osten an. „Im Grunde stelle ich ein Anti-Kriegsprogramm vor. Als Künstlerin beziehe ich Stellung“, sagt Golisch.

Geschichte aufarbeiten

Diese „Aufarbeitung der Geschichte“, wie sie beschreibt, soll jedoch nicht anklagend sein. „Viele Besucher meiner Konzerte, die selbst im Dritten Reich aufgewachsen sind, empfinden die Musik als befreiend, sie können ihr Schweigen brechen“, berichtet sie von bisherigen Erfahrungen.

Gesangsstudium in Dresden und Italien

Golisch, die im vergangenen Jahr an gleicher Stelle Lieder zum Thema „Lilli Marleen“ vortrug, studierte Gesang in Dresden und Italien. Heute singt sie an Opernhäusern in ganz Europa, ist in Musicalproduktionen zu hören und gibt zudem regelmäßig Liederabende. Ihre Spezialität sind nach eigener Aussage themenbezogene Konzerte.


Stefanie Golisch tritt am Sonntag um 17 Uhr in die Düsternorter Kirche Zu den Zwölf Aposteln an der Breslauer Straße auf. Im Vorverkauf sind Karten für 10 Euro im Musikhaus Spula, der Buchhandlung Jünemann, im evangelischen Kirchenbüro und der Drogerie Kerckhoff zu kaufen. Preis an der Abendkasse: 12 Euro. fred

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