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Halterin lässt Katze zurück Katzenmutter in Delmenhorster Praxis „entsorgt“

Von Heike Bentrup

Gemgin Ak mit den vier Katzenbabys. Rechts im Hintergrund die von der Notoperation noch benommene Katzenmutter. Foto: Heike BentrupGemgin Ak mit den vier Katzenbabys. Rechts im Hintergrund die von der Notoperation noch benommene Katzenmutter. Foto: Heike Bentrup

Delmenhorst. Weil ihr die Kosten für die Behandlung zu hoch waren, hat eine Frau eine gebärende Katzenmutter bei der Tierärztin zurückgelassen. Das Tier musste notoperiert werden.

Für Aufregung und Kopfschütteln hat am Mittwochvormittag eine Unbekannte in der Tierarztpraxis von Dr. Angelika Hoffmann an der Bismarckstraße in Delmenhorst gesorgt. Die Frau war mit einer Box erschienen, in der sich eine Katzenmutter und zwei frisch geborene Kätzchen befanden. Die Geburt eines dritten Katzenbabys war bereits in vollem Gange.

„Die Frau hat gesagt, sie wolle die Katze ohnehin nicht mehr behalten“, berichtet Gemgin Ak, in der Praxis Auszubildender zum tiermedizinischen Fachangestellten. Außerdem könne sie für die Behandlungskosten des Tieres nicht aufkommen, da sie zu Hause drei Kinder zu versorgen habe.

Katze musste notoperiert werden

Auch eine Ratenzahlung komme nicht in Frage. Zum Entsetzen des Praxis-Teams habe die Unbekannte schließlich verlangt, dass das Tier eingeschläfert werden soll. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass sie auch für diese Kosten nicht aufkommen würde.

„Es war einfach unglaublich“, sagt Gemgin Ak. Nachdem die Frau einige Telefonate geführt habe, sei sie verschwunden. Die Box mit der Katzenmutter blieb in der Praxis zurück.

Dann musste laut Ak alles ganz schnell gehen. „Obwohl wir parallel gerade eine andere Notoperation hatten, musste bei der Katzenmutter ein Kaiserschnitt vorgenommen werden.

Beim Röntgen hatte sich herausgestellt, dass sich noch zwei Babys in ihrem Bauch befanden“, schildert der Auszubildende den Ablauf der Ereignisse. Von den insgesamt fünf Kätzchen konnte das Praxis-Team vier retten.

Noch keine neue Bleibe für das Tier

Zwischen Behandlungen und weiteren Operationen hat Tierärztin Dr. Angelika Hoffmann den Nachmittag am Telefon mit der Suche nach einer Bleibe für die Katzenmutter und deren Nachwuchs verbracht. Schließlich können die jungen Katzen erst in einigen Wochen von der Mutter getrennt und in liebevolle Hände vermittelt werden. Wo die Tiere unterkommen können, stand bis zum Nachmittag noch nicht fest.

Dr. Hoffmann kann über das Vorgehen der Tierhalterin nur den Kopf schütteln. „Bedauerlicherweise ist das kein Einzelfall“, berichtet sie. Und auch Gemgin Ak kann sich noch gut an einen anderen Fall erinnern, bei dem ein Yorkshire-Terrier in der Praxis zurückgeblieben war. „Glücklicherweise konnten wir den Hund in liebevolle Hände vermitteln“, sagt der Praxismitarbeiter.

Für ihn sei es unverständlich, dass sich immer wieder Menschen Tiere zulegten, ohne sich offenbar der Verantwortung und auch der damit verbundenen Kosten bewusst zu sein.