dk-Serie: Die Spezialisten Max Wildfeuers Eisenwarengeschäft ist Institution

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Der Chef Max Wildfeuer (links) und sein langjähriger Mitarbeiter Klaus-Dieter Hämmerling stehen im Eisenwarengeschäft mit vielen Tipps zur Stelle, wenn der Kunde Hilfe braucht.Foto: Marco JuliusDer Chef Max Wildfeuer (links) und sein langjähriger Mitarbeiter Klaus-Dieter Hämmerling stehen im Eisenwarengeschäft mit vielen Tipps zur Stelle, wenn der Kunde Hilfe braucht.Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Das Eisenwarengeschäft Max Wildfeuer besteht seit 37 Jahren. Und ein Ende der Ära ist trotz der Konkurrenz aus dem Internet nicht abzusehen.

Er ist ein Bayer, wie er im Buche steht. Der Wildfeuer Max kann und will seine Herkunft gar nicht verbergen, dabei hat der den Bayerischen Wald bereits 1962 verlassen. Zunächst Richtung Sauerland – und dann, vor mittlerweile 37 Jahren, zu den Fischköppen nach Delmenhorst. Seitdem führt er das Geschäft für Eisenwaren und Werkzeuge an der Oldenburger Straße 205, das vom ersten Tag der Übernahme an schlicht Wildfeuer heißt, wie das Mannsbild, das Tag für Tag hinter dem Verkaufstresen steht.

Tochter könnte Geschäft übernehmen

71 Jahre alt ist Max Wildfeuer inzwischen. „Natürlich denke ich ans Aufhören“, sagt er. Aber das muss nicht heute oder morgen sein, auch wenn es im Kreuz gehörig zwickt. Wildfeuer hängt an seinem Geschäft. Er hofft, dass seine Tochter eines Tages den Laden übernimmt. Bis dahin ist Wildfeuer da und verkauft „von der kleinsten Schraube bis zu ordentlichen Maschinen“ alles, was der Handwerker braucht.

Wildfeuer selbst hat einst Tischler gelernt. „Ich bin vom Fach, ich weiß, wovon ich rede“, das ist ihm wichtig. Und das Reden gehört zum Geschäft, denn der Kunde kommt und will Beratung. Ein Tipp fürs Dübeln hier, ein Hinweis für den richtigen Gebrauch des Klebers da: Wer den Laden betritt, der hört sie, die Poesie des Do it yourself, die Codes, die für Menschen mit zwei linken Händen ewig ein Rätsel bleiben, dem Handwerker aber die Welt sind. „Ich brauche drei Achter“, heißt es da. Und schon werden drei Schrauben über den Tresen gereicht, der Kunde ist glücklich. Hier muss nicht en gros gekauft werden, Wildfeuer liefert passgenau.

Hoher Männeranteil unter den Kunden

Den Anteil der Männer unter den Kunden in seinem rund 170 Quadratmeter großen Geschäft schätzt er auf „gut 80 Prozent“. Es sind viele ältere Semester darunter, den Jungen fehle oft das Know-how. Manchmal schauen auch ältere Damen ins Geschäft. Ein Leben lang habe der Gatte alles rund ums Haus geregelt, all sein Wissen für sich behalten und mit ins Grab genommen. „Wenn jetzt die Pumpe im Brunnen ausfällt, braucht die Frau Rat.“ Wildfeuer und seine vier Angestellten beraten gern. Was den Chef aber derart ärgert, dass sein bayerisch noch ein wenig intensiver wird, sind Kunden, die sich ausführlich beraten lassen, um dann bei der Konkurrenz im Internet zu bestellen. Überhaupt das Internet: „Da sind die Preise kaputt gemacht worden“, sagt der Chef. Es seien weniger die Baumärkte, die ihm das Leben schwer machen, es sei der Preisverfall durchs Netz. „Die Kunden schaufeln sich ihr eigenes Grab. Irgendwann gibt es die kleinen Geschäfte nicht mehr, die, die Rat wissen und sich Zeit für den Kunden nehmen.“ Das ärgert ihn, auch deshalb macht er trotzig weiter. „Irgendeiner muss ja noch bleiben.“ Auch wenn er seit 50 Jahren im Berufsleben steht und seit fast 40 Jahren sein eigener Chef ist: Der Wildfeuer Max arbeitet gern. Er liebt die Fachgespräche oder den Schnack über Fußball. „Dass der Schweinsteiger jetzt in Manchester kickt, schmerzt schon“, sagt der Bayern-Fan. Die HSV-Elf aus Uwe Seelers Zeiten kann der Bayer auch auswendig aufsagen, so wie er jeden Dübel, jede Schraube, jede Zarge persönlich zu kennen scheint.


„Dass es die noch gibt!“ Erstaunen und Anerkennung sind mitunter die Reaktionen, wenn vor Ort gewachsene kleinere Unternehmen erfolgreich im Konzert der Großen mitspielen. Wie schaffen sie das? Mit welchen Leistungen punkten sie? Diesen Fragen spürt in unregelmäßigen Abständen unsere Serie „Die Spezialisten“ nach.

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