Bluttat bei Hochzeit Messerstecherei in Delmenhorst – neues Strafmaß steht an

Von Frederik Grabbe

Vor dem Landgericht Oldenburg wird das Urteil gegen einen 33-jährigen Oldenburger neu verhandelt. Er hat im Streit bei einer Hochzeit vor zwei Jahren einen heute 24-Jährigen schwer verletzt, indem er ihn ein Messer in die Schläfe rammte.  Symbolfoto: Michael GründelVor dem Landgericht Oldenburg wird das Urteil gegen einen 33-jährigen Oldenburger neu verhandelt. Er hat im Streit bei einer Hochzeit vor zwei Jahren einen heute 24-Jährigen schwer verletzt, indem er ihn ein Messer in die Schläfe rammte. Symbolfoto: Michael Gründel

Delmenhorst/Oldenburg. Bei einer jesidischen Hochzeit wurde Dakhil M. durch einen Messerstich schwer verletzt. Der Täter wurde zu sieben Jahren Haft verurteilt. Der BGH kippte das Urteil. Über das Strafmaß wird nun neu entschieden.

Delmenhorst/Oldenburg. „Rakan, warum hast du mir das angetan?“ Dakhil M. (24) wirkt wie ein gebrochener Mann, als er am Mittwoch vor dem Landgericht Oldenburg spricht. M. war im Dezember 2013 nach einem Streit bei einer jesidischen Hochzeit in einem Gemeindezentrum an der Elsflether Straße schwer verletzt worden, als Rakan H. (33) ihm ein Tomatenmesser in die linke Schläfe gerammt hatte. M. ist nun laut Ersturteil schwerbehindert, hat gravierende Gedächtnisschwächen und Wortfindungsstörungen.

Über das Strafmaß muss neu befunden werden

H. war im August 2014 vom Landgericht wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Bundesgerichtshof (BGH) jedoch kippte das Urteil im vergangenen März. Jetzt muss das Landgericht über das Strafmaß neu befinden.

Schaden des Hochzeitspaares geht nicht aufs Konto des Täters

Die Kammer hatte bei seiner Strafzumessung einen Schaden für das Brautpaar einbezogen. Durch die Tat, heißt es in der Verhandlung sinngemäß, seien dem Paar Geldgeschenke entgangen. Die Kosten der Hochzeit von rund 20000 Euro habe es selbst tragen müssen. Dass sich dies aufs Strafmaß des Angeklagten auswirke, sei unzulässig, urteilte der BGH.

„Ich bin wie eine Leiche“

Dies alles erscheint vor dem Landgericht als juristisches Klein-Klein, wenn Dakhil. M. von seinem heutigen Leben erzählt: Nach Wochen im Krankenhaus und einem mehrmonatigen Aufenthalt in einem Rehabilitationszentrum wohnt er heute weitgehend isoliert bei seinem Bruder in Ludwigsburg. „Ich bin wie eine Leiche, ich kann fast gar nichts alleine machen“, spricht M. seine weitgehende Abhängigkeit von seinem Bruder an. Wie der Täter ist M. irakischer Jeside, seine Familie befinde sich mehrheitlich im Irak, sagt M. aus. Er sei extrem vergesslich, könne seit der Tat nicht mehr lesen oder schreiben und traue sich nicht aus dem Haus aus Angst vor der Familie des Angeklagten.

Opfer lehnt Entschuldigung ab

H., der sich in der U-Haft laut Bericht der JVA Oldenburg vorbildlich verhält, sagt, er bereue die Tat und bittet um Entschuldigung. Dies versagt ihm das Opfer jedoch.

Über das Strafmaß für H. wird am Montag, 17. August, 9 Uhr, entschieden.