Standesamt in Delmenhorst seit 1876 Stadt verweigerte anfangs Amtszimmer im Rathaus


Delmenhorst. Ein Standesamt gibt es in Delmenhorst seit 1876. Lange Zeit musste der Standesbeamte seinen Dienst in den eigenen vier Wänden verrichten.

Beurkundungen über Geburten, Heiraten und Sterbefälle sind bis Ende des 19. Jahrhunderts kirchliche Aufgaben gewesen. Erst ab 1875 wurde im Deutschen Reich ein ziviles Register eingeführt, das sogenannte Standesamt. Damit war der in der Neuzeit immer stärker aufgekommene Gedanke, Kirche und Staat voneinander zu trennen, in diesem Bereich verwirklicht worden. In Delmenhorst hat es damit mancherlei Schwierigkeiten gegeben.

Zwar verfügte das Reichsgesetz überall die Einrichtung derartiger Ämter, doch sollten die Kosten hierfür allein von den Gemeinden getragen werden. Da niemand aber gern neue Ausgaben übernehmen wollte, wurde mancherorts dieses neue Amt einfach den Bürgermeistern oder Ortsvorstehern übertragen.

In Delmenhorst rangen sich die Verantwortlichen dazu durch, einen Außenstehenden als Standesbeamten einzusetzen. Hermann Töbelmann, Ratsherr und Kaufmann, wurde gewählt und der Kaufmann Christian-Hermann Schmidt zu seinem Stellvertreter ernannt. Die Amtsgeschäfte sind ab dem 1. Januar 1876 in der Wohnung von Töbelmann, dort wo heute die Ludwig-Kaufmann-Straße und die Oldenburger Straße aufeinandertreffen, vorgenommen worden.

Standesbeamter erhielt jährliche Pauschalsumme von 375 Mark

Denn Beamte waren Töbelmann und sein Stellvertreter nun zwar geworden, doch dachte die Stadt nicht daran, ihnen die dazu notwendigen Räume zur Verfügung zu stellen. Selbst als der erste Delmenhorster Standesbeamte die Stadtverwaltung darum bat, ihm doch „zwei auf dem Rathaus befindliche Zimmer zu standesamtlichen Zwecken gegen eine jährliche Vergütung von 50 Mark einzurichten“, ging der Stadtrat nicht darauf ein.

Töbelmann musste daher weiter im eigenen Haus beurkunden. Dafür hat er anfangs eine Pauschalsumme von 375 Mark pro Jahr bekommen, wovon er auch noch seinen Stellvertreter abzufinden hatte. Für den Publikumsverkehr bestand damals nur eine beschränkte Besuchsmöglichkeit. In der Zeit von 8 bis 9 Uhr an den Werktagen konnten Todesfälle angemeldet werden. Für die Beurkundungen von Geburten und Eheschließungen war die Zeit von 10 bis 12 Uhr an Dienstagen und Freitagen reserviert.

Standesamt seit 1914 im neuen Rathaus beheimatet

Da mit dem einsetzenden Bevölkerungszuwachs durch die Errichtung der großen Fabriken die Arbeit ständig anwuchs, bewilligte der Rat 1879 eine Zulage von 100 Mark. Im ersten Jahr hatte der Beamte immerhin schon 225 Geburten, 57 Eheschließungen und 157 Sterbefälle amtlich registrieren müssen.

Nach dem Tode Töbelmanns im Jahre 1889 übernahm Sohn Johannes seine Funktion. Da ihm aber keine Schreibhilfe bewilligt wurde, kündigte er bald, sodass noch im selben Jahr Kaufmann Heinrich Segelken das Amt übernahm und die Geschäftsräume dadurch in die Bahnhofstraße verlegt wurden.

Räumlich vollzogen sich noch mancherlei Änderungen. 1908 ging es in die Große Kirchstraße, dann 1909 in die soeben fertiggestellte Sparkasse Am Knick. Erst mit dem Neubau des Rathauses fand das Standesamt ab 1914 seine endgültige Heimstatt.