Raffaela Silvestri Lieber Azubi in Delmenhorst als arbeitslos in Italien

Von Alexander Schnackenburg

Schritt in die Zukunft: Weil sie in ihrer Geburtsstadt Neapel keine Job-Perspektive für sich sah, zog Raffaela Silvestri (rechts) nach Delmenhorst. Hier hat sie eine Ausbildung im Friseurhandwerk bei Intercoiffure Marc Hanisch in Stickgras begonnnen. Foto: A. SchnackenburgSchritt in die Zukunft: Weil sie in ihrer Geburtsstadt Neapel keine Job-Perspektive für sich sah, zog Raffaela Silvestri (rechts) nach Delmenhorst. Hier hat sie eine Ausbildung im Friseurhandwerk bei Intercoiffure Marc Hanisch in Stickgras begonnnen. Foto: A. Schnackenburg

Delmenhorst. In ihrer süditalienischen Heimat sah sie keine Zukunft für sich. Raffaela Silvestri (21) ließ ein Studium in Italien sausen. Dafür lernt sie jetzt in Delmenhorst Friseurin.

Raffaela Silvestri hätte in Italien studieren können. Doch die 21-jährige Neapolitanerin entschied sich dagegen, obwohl sie in ihrem bereits erlernten Beruf, jenem der Tourismus-Managerin, keine Arbeit fand. Sie entschied sich, noch einmal ganz von vorn anzufangen, in einem fremden Land und in einer fremden Sprache. Raffaela lebt jetzt in Delmenhorst, hat eine Ausbildung zur Friseurin bei Intercoiffure Marc Hanisch begonnen.

Zu hohes Risiko

Für ein Studium in der Heimat hätte Raffaela, wie sie berichtet, analog zum deutschen BAföG, einen Kredit aufnehmen müssen. Das Risiko aber erschien ihr zu groß: „Was wäre gewesen, wenn ich nach dem Studium wieder keine Arbeit gefunden hätte?“, fragt sie rhetorisch. Raffaelas Vertrauen in die italienische Wirtschaft und persönliche Karrierechancen in der Heimat ist gebrochen, ihr Interesse daran, ein Handwerk zu lernen, zumal das des Friseurs, hingegen groß. Schon als Kind, erinnert sie sich, habe sie es geliebt, Haare zurechtzumachen, bei Puppen wie bei ihr nahestehenden Menschen.

Bereits 155 internationale Azubis vermittelt

So war es denn auch kein Zufall, dass Raffaela bei ihren Recherchen im Internet schließlich auf die Initiative „MobilPro“ stieß, mittels derer das Bundesministerium für Arbeit und Soziales sowie die Bundesagentur für Arbeit zugleich der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa entgegentreten und deutschen Unternehmen zu Auszubildenden aus Nachbarländern verhelfen. Die Firma L´Oréal und der Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks, die sich mit Beginn des Jahres der Initiative angeschlossen haben, haben bereits jetzt auf diese Weise 155 internationale Azubis an deutsche Friseursalons vermittelt, teilt L´Oréal mit – so auch Raffaela Silvestri an Marc Hanisch. Ihr Bruder Pasquale fängt parallel zu ihr bei einem Bremer Salon an.

Neu aber reizvoll

„Wir sind unheimlich gespannt und freuen uns mächtig“, sagt Melanie Hanisch über ihren „Fang“ aus Italien. Hanisch ist diejenige im Salon ihres Mannes, die sich am intensivsten um die neue Auszubildende kümmern wird. „Das ist neu für uns“, erklärt sie, „aber reizvoll“. In den vergangenen Jahren sei es immer schwerer geworden, überhaupt Auszubildende zu finden. So recht verstehen kann Hanisch das nicht. Sie mag ihren Beruf, findet, dass das Handwerk allgemein und der Beruf des Friseurs im Besonderen zu Unrecht auf verhaltenes Interesse beim Nachwuchs stießen.

Gute Chancen

Auch seien die Karrierechancen für junge Friseure besser als oft kolportiert, könnten Friseure doch auch in die Visagistik und ins Maskenbildnis wechseln oder auch in die Industrie. Ein eigener Salon lasse sich ebenfalls mit erträglichem Kapitalaufwand eröffnen. Ob in Deutschland oder in Italien.