Werner Garbas verabschiedet sich Delmenhorsts Stadtarchivar geht bald in den Ruhestand

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Stadtarchivar Werner Garbas in seinem Elemant: Er bewahrt alte Zeitungsartikel ebenso wie Grundrisse, Bau- und Stadtpläne, bedeutungsschwangere Dokumente und Fotos. Foto: Alexander SchnackenburgStadtarchivar Werner Garbas in seinem Elemant: Er bewahrt alte Zeitungsartikel ebenso wie Grundrisse, Bau- und Stadtpläne, bedeutungsschwangere Dokumente und Fotos. Foto: Alexander Schnackenburg

Delmenhorst. Mit Stadtarchivar Werner Garbas zieht sich demnächst eine Persönlichkeit der Stadt zurück. Delmenhorst verdankt ihm neben einem gut geführten Archiv eine Reihe von Publikationen.

Es scheint ihm beinahe peinlich zu sein: Dass es um ihn geht, nur am Rande um jene Stadt, um die sich für ihn sonst (fast) alles dreht – Delmenhorst. Werner Garbas ist kein Selbstdarsteller, sondern ein Fachmann, der sich vorzugsweise im Hintergrund aufhält. Seit 1981 sammelt der Stadtarchivar alles im Wasserturm, was später einmal für andere, die sich mit Delmenhorst befassen, von Interesse sein könnte. Er rettet, wie er sich ausdrückt, „die Vergangenheit für die Zukunft“: alte Zeitungsartikel ebenso wie Grundrisse, Bau- und Stadtpläne, bedeutungsschwangere Dokumente und Fotos. Vieles davon hat er über die Jahre in Ausstellungen und Bildbänden bestechend anschaulich für die breitere Öffentlichkeit aufbereitet. Im April 2016 wird sich Delmenhorsts emsiger Stadtarchivar in den Ruhestand verabschieden.

„Letzter Akt“ ist noch nicht fertig

Bis dahin möchte Garbas noch seinen „letzten Akt“, die Stadtchronik der Jahre 1991 bis 2006, fertigstellen. Seine voraussichtlich letzte Ausstellung hängt derweil bereits an den Wänden der Volksbank. Sie trägt den Titel „Delmenhorst – Stadtbild im Wandel der Zeit“ und ist noch bis Mitte November zu sehen. Garbas beschreibt in dieser Schau anhand alter Fotos, die er neueren gegenüber stellt, vor allem die Entwicklung Delmenhorsts in den Jahren 1867 bis 1930, jener Zeit, die er als „Blüte des Wachstums unserer Stadt“ charakterisiert. Gleichwohl beleuchtet der Archivar hier auch die Entwicklung Delmenhorsts nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Zufall hilft bei der Berufswahl

Obwohl Garbas im Jahr 1953 nicht nur in Delmenhorst geboren worden ist, sondern auch am hiesigen Max-Planck-Gymnasium sein Abitur machte und mithin die gesamte Jugend in Delmenhorst verbrachte, war es doch eher einem Zufall geschuldet, dass er im Dezember 1981 das Amt des Stadtarchivars antrat. Denn im Grunde, erinnert er sich, habe er nach seinem Abitur „nur“ deshalb eine Ausbildung zum Diplom-Archivar am Staatsarchiv Bremen sowie der Archivschule in Marburg absolviert, weil er zu diesem Zeitpunkt nicht so recht gewusst habe, was er machen wolle.

Prädestiniert für die Stelle

Allerdings muss er in der Folge sehr überzeugend gearbeitet haben: Kollegen und Bekannte aus Delmenhorst wiesen ihn darauf hin, dass Delmenhorst einen Stadtarchivar suchte. Und da der damals gerade einmal 28-jährige auch der Stadt wie prädestiniert für die verantwortungsvolle Position erschien, hatte Garbas mit seiner Bewerbung umgehend Erfolg.

Gut aufgestelltes Archiv

Heute dankt ihm Delmenhorst neben einem - trotz bescheidener Mittel - gut aufgestelltem Archiv eine Reihe von Publikationen, etwa über den Delmenhorster Fotografen Friedrich Kunde (1923-2003) sowie mehrere Bildbände und Chroniken zur Stadtgeschichte. Besonders verdient hat sich Garbas für Delmenhorst zudem durch die akribische Aufarbeitung der NS-Geschichte unserer Stadt gemacht. In der Folge betreute er im Juni 2003 zehn ehemalige Zwangsarbeiter aus der Ukraine, welche die offizielle Entschuldigung Delmenhorsts für das Unrecht annahmen, das ihnen neben 6000 weiteren Zwangsarbeitern widerfahren war. Um sie, fast 50 Jahre nach Kriegsende, zu rehabilitieren, legte Werner Garbas seine Zurückhaltung gern ab.


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