Spedition „Roland Logistik“ Von Delmenhorst auf in den Weltmarkt

Von Alexander Schnackenburg

Ein 32-jähriger Mann von Welt: Der Spediteur Houssan Ammar wurde im Libanon geboren und ist in Ganderkesee aufgewachsen. Foto: Alexander SchnackenburgEin 32-jähriger Mann von Welt: Der Spediteur Houssan Ammar wurde im Libanon geboren und ist in Ganderkesee aufgewachsen. Foto: Alexander Schnackenburg

Delmenhorst. Houssan Ammar hat bereits eine erstaunliche Karriere gemacht. Er führt das Unternehmen „Roland Logistik“ und hat Beziehungen in die halbe Welt.

Kein Flughafen kann mithalten. Auf einem Schild am Eingang heißt die „Roland Logistik“ an der Delmenhorster Mühlenstraße den Gast gleich in 17 Sprachen willkommen. Die offensichtlich weltgewandte Spedition, erst voriges Jahr aus der insolventen „Roland-Spedition“ hervorgegangen, hat sich auf komplizierte Aufträge spezialisiert, auf „spezielle Länder“, wie Inhaber Houssan Ammar sich ausdrückt. Ammar, im libanesischen Beirut geboren und seit seinem vierten Lebensjahr in Ganderkesee aufgewachsen, blickt schon jetzt, obwohl erst 32-jährig, auf eine geradezu fabelhafte Karriere zurück – die sich auf Internationalität gründet.

Drähte nach Nahost

Vor 14 Jahre, nach seinem Realschulabschluss und einem weiteren Schuljahr auf der höheren Handelsschule, heuerte Ammar als Lehrling bei der Roland-Spedition an. Nur drei Jahre später, erinnert er sich, schickte die Geschäftsführung den frischgebackenen Speditionskaufmann nach Libyen, um dort ein Kontaktnetz für den Betrieb aufzubauen. Es glückte dem des Arabischen mächtigen Mann binnen vierer Wochen offenbar so überzeugend, dass ihn die Spedition zehn weitere Jahre in der libyschen „Filiale“ beschäftigte. Von Tripolis aus dehnte er für seinen Arbeitgeber das eigens geschaffene Netzwerk nach und nach auf den gesamten arabischen Raum aus. Zwar lebt Ammar seit dem Ausbruch der Arabischen Revolution im Jahr 2012 wieder in Deutschland, hat aber trotz aller Unruhen die Drähte nach Nahost gehalten.

Patent gesichert

Weil die Geschäfte der „Roland-Spedition“ aber nicht nur infolge der Arabischen Revolution, sondern auch wegen der gestörten Handelsbeziehungen mit Russland immer schlechter liefen, musste die Firma im März 2014 Insolvenz anmelden. Ammar sicherte sich aus der Insolvenzmasse den Roland und das Patent, gründete die „Roland Logistik“, in der heute auch sein Bruder und seine Schwester tätig sind. Acht Mitarbeiter aus der „Roland-Spedition“ konnte er zudem „mitnehmen“. Seither setzt der Spediteur auf Multi-Nationalität: Jeder, der bei ihm arbeite, spreche mindestens eine Fremdsprache, sagt er. Deutsch, Englisch, Kurdisch, Russisch, Arabisch und Persisch lauten die Sprachen, die in der Spedition zu hören sind. Doch das ist Ammar noch nicht genug. Erst kürzlich hat er eine deutsch-türkische Auszubildende eingestellt, schon sucht er nach Mitarbeitern, die Spanisch und Französisch sprechen.

Rat für junge Menschen

Jungen Menschen mit Migrationshintergrund möchte Ammar vor allem Eines mit auf den Weg geben: „Der Schulabschluss ist gar nicht so wichtig. Nutzt Eure Kenntnisse anderer Sprachen und Kulturen!“ Aktuell baut Ammar, der schon mehr Länder gesehen hat als mach 60-jähriger Reiseveranstalter, Handelsbeziehungen mit Kolumbien auf, seinem letzten Reiseziel.


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