Gastgeschenk vom US-Präsidenten Obama schenkt Merkel Kunst von einem Delmenhorster

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Sherman Oaks / Delmenhorst. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat vor einigen Wochen ein Gastgeschenk von US-Präsident Barack Obama bekommen. Es war ein Kunstwerk eines ehemaligen Delmenhorsters.

Als der Anruf aus Washington kam, dachte der Künstler zunächst an einen Witz. Seit 1954 lebt er in Kalifornien, seine Erinnerungen an Delmenhorst sind jedoch unverblasst.

Merkel bekommt Gemälde

Kunstgalerien, Fotoclub, eine reichhaltige Kulturszene – Delmenhorst ist eine Stadt mit künstlerischer Vielfalt. Von dem Talent, dass in Delmenhorster Fingern schlummert, kann sich mittlerweile auch die Bundeskanzlerin ein Bild machen – im wahrsten Sinne. Bei einem Besuch Angela Merkels bei US-Präsident Barack Obama in Washington bekam die Kanzlerin vor ein paar Wochen ein Gemälde des Künstlers Karl Dempwolf geschenkt.

Dempwolf malt jeden Tag

Seit über 60 Jahren lebt er in den USA, geboren wurde er 1939 in Delmenhorst, wo er auch einen Teil seiner Kindheit verbrachte. 1954 ging es mit den Eltern – den Vater zog es beruflich über den Großen Teich – und den beiden Geschwistern nach Kalifornien. Dempwolf, der unter anderem am Art Center College of Design in Los Angeles studierte und auch als Lehrer, Fotograf und preisgekrönter Dokumentarfilmer tätig war, wohnt in Sherman Oaks, nahe Los Angeles. Der 75-Jährige malt jeden Tag, verewigt gern Landschaften in Öl und zeigt seine Werke hauptsächlich in Galerien in Kalifornien, aber auch New York.

Ein Witz?

Im Januar kam dann der Anruf aus Washington. Eine Vertreterin vom State Department Protocol hatte Bilder von Dempwolf im Internet gesehen. Ob er denn auch etwas von der Gegend um San Diego habe? Mitarbeiter von Obama seien auf der Suche nach einem Gemälde als Geschenk für eine „internationale Person“. Um welche Person es sich handelt, das wurde ihm zunächst nicht mitgeteilt; nur, dass noch weitere Künstler kontaktiert wurden. „Ich dachte sofort, dass jemand einen Witz macht“, erzählt Dempwolf. „Ich sagte mir, sei nur vorsichtig, das riecht irgendwie nicht richtig. Aber nach reichlicher Untersuchung fand ich es doch glaubwürdig.“

Rahmen musste getauscht werden

Ein Gemälde von San Diego hatte Dempwolf nicht im Angebot, dafür schickte er unter anderem eines von Point Lobos an der kalifornischen Küste mit dem Titel „Cypress Veil“ (Zypressen-Schleier). Nachdem die Entscheidung gefallen war, schickte er es mit selbst gebautem Rahmen nach Washington. Doch der kam wieder zurück. „Das Geschenk sollte einen Rahmen des Weißen Hauses haben, damit es an Präsident Obama erinnert und nicht an den Maler“, erklärt Dempwolf. Wo es nun hängt, das weiß er nicht.

Aufgewachsen am Blücherweg

Dempwolfs Erinnerungen an Delmenhorst sind auch nach so vielen Jahrzehnten unverblasst. Zur Schule ging er in Düsternort, das Wohnhaus war am Blücherweg. Nach einer kurzen Zeit in Bayern kehrte die Familie nach Delmenhorst zurück. „Die Brodas auf der anderen Seite hatten Kühe, dort habe ich immer Milch gekauft“, erinnert sich der Künstler an die Zeit nach dem Krieg. Im Sommer abkühlen in der Delme, das Schwimmabzeichen in der Mili („Mit grünen Algen im Gesicht für alle Teilnehmer“) – zufrieden war man mit wenig, sagt Dempwolf.

Auch heute noch hält er stetig Kontakt mit seinen Delmenhorster Bekannten. Viermal schaffte er es zum Klassentreffen seiner ehemaligen Mitschüler aus Düsternort. Und er ist sich sicher: „Ich werde gewiss noch einmal teilnehmen.“ Vielleicht dann ja auch mit einem Gemälde als Geschenk.


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