Wer erwischt wird, zahlt 60 Euro Blindflug mit Handy am Steuer

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Delmenhorst. Immer häufiger sind Autofahrer mit Mobiltelefon am Ohr unterwegs. Wer ertappt wird, muss zahlen und erhält einen Punkt in Flensburg.

Nur kurz noch mal eine WhatsApp-Nachricht beantworten, mit Freunden telefonieren oder schauen, was per Facebook gerade eben gepostet worden ist – immer mehr Menschen sind inzwischen mit dem Handy am Steuer unterwegs und werden zum großen Unfallrisiko im Straßenverkehr. ADAC-Experten wie Heiko Recker aus Bremen vom Fachbereich Verkehr glauben auch, dass viele Unfallverursacher vor dem Crash noch auf ihre Mobiltelefone geschaut haben. Allerdings: „Exakt nachweisbar ist das nicht“, informiert André Wächter, Pressesprecher der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land. „Liegt ein Handy nach einem Unfall auf dem Boden des Fahrzeugs, kann es ja auch vom Sitz heruntergefallen sein.“

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen will das allerdings genauer wissen und kündigt an, künftig nach Unfällen Handys einzukassieren, um festzustellen, ob während der Fahrt telefoniert oder eine SMS eingetippt wurde. Davon habe auch Recker gehört. Das sei rechtlich aber überhaupt noch nicht abgesichert, sagt er.

„Fakt ist, dass die Ablenkung enorm groß ist“, weiß Wächter. Beim Eintippen von SMS-Nachrichten gebe es abwechselnd kurze Blicke auf die Straße, dann wieder aufs Handy. Da sei man bei hohem Tempo mehr als hundert Meter quasi wie im Blindflug unterwegs, so der Delmenhorster. Das unterstreicht auch Recker: „Wer beispielsweise bei Tempo 50 nur fünf Sekunden den Blick aufs Handy und nicht auf die Straße richtet, fährt in dieser Zeit 70 Meter blind“. Anhand derartiger Aussagen möchte der ADAC aufklären und ein Bewusstsein dafür schaffen, wie schnell etwas passieren kann, wenn man sich vom Geschehen auf der Straße ablenken lässt.

Wer mit dem Handy am Steuer erwischt wird, kann sich auf eine Geldstrafe in Höhe von 60 Euro einstellen. Darüber hinaus gibt es einen Punkt in Flensburg. Gezielte Kontrollen, um Autofahrer beim Telefonieren am Lenkrad zu ertappen, gebe es allerdings nicht, informiert Wächter. „Das kontrollieren wir während des normalen Einsatzes.“ Das heißt: per Blitzer und auch dann, wenn man zufällig sieht, wie Fahrer mit Handy am Ohr auf Tour sind. „Und wenn wir nicht gerade in einem wichtigen Einsatz sind, werden die Fahrzeuge auch angehalten.“ Ansonsten werde das Autokennzeichen notiert. Dann folge der Bußgeldbescheid per Post. Und falls der Autofahrer abstreiten sollte, am Steuer telefoniert oder gesimst zu haben, könne es sogar bis vors Gericht gehen, wo die Polizeibeamten als Zeugen aussagen würden.

Konkrete Zahlen, wie viele Kraftfahrer in der Region mit Handy am Steuer erwischt wurden und wie viele an Unfällen beteiligt waren, könnten weder Wächter noch Recker nennen. Und ob eher Frauen oder Männer während der Fahrt telefonieren oder simsen, führe eher ins Reich der Spekulation. Es ist aber zumindest bekannt, dass 2011 laut Kraftfahrt-Bundesamt fast drei Viertel derjenigen, die gegen das Handyverbot am Steuer verstießen, Männer waren.


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