EU-Zuwanderer in Delmenhorst Vielschichtige Probleme im Delmenhorster Wollepark

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Vielschichtige Probleme: In den Häusern Am Wollepark 11 und 12 leben Bewohner unter schwierigen Bedingungen.Foto: Martina I. MeyerVielschichtige Probleme: In den Häusern Am Wollepark 11 und 12 leben Bewohner unter schwierigen Bedingungen.Foto: Martina I. Meyer

Delmenhorst. Volle Müllcontainer, überbelegte Wohnungen, dubiose Beschäftigungsverhältnisse und Verständigungsprobleme. Die Probleme im südlichen Wollepark sind vielschichtig. Der Stadt sind die Hände gebunden.

Volle Müllcontainer, beschmierte Hauswände, heruntergekommene Waschbetonfassaden mit den wenig einladenden Hauseingängen zu den Gebäuden Am Wollepark 11 und 12. Dazwischen Menschen, die nicht erkannt werden wollen und selbst anonym nicht über ihre persönlichen Schicksale berichten mögen. Einige von ihnen sitzen auf weißen Plastikstühlen und kaputten Bänken auf den kärglichen Resten der einstigen Rasenflächen in der Sonne und schütteln bei der Frage nach einem Gespräch nur abwehrend den Kopf.

Zumeist in ihrer bulgarischen Heimat verfolgte Roma, sind sie im Zuge der EU-Freizügigkeit in der Hoffnung auf ein besseres Leben nach Deutschland gekommen. Größtenteils ohne jegliche Kenntnisse der deutschen Sprache, der Gesetze und der Gepflogenheiten. Das birgt sozialen Sprengstoff.

Kein Anspruch auf Sozialleistungen

„Viele von ihnen sind als Tagelöhner in dubiosen Beschäftigungsverhältnissen tätig, sie leben zum Teil vom Kindergeld und haben keinen Anspruch auf Hartz IV, andere Sozialleistungen oder aber auf Lebensmittel der Tafel“, berichten Beobachter. Der Beirat des Nachbarschaftszentrums Wollepark, aus der Gemeinschaftsinitiative Soziale Stadt (GiSS) hervorgegangen, hatte die Zustände bereits im Herbst vergangenen Jahres angeprangert.

Von Zwangsprostitution war da in einem der Protokolle unter anderem die Rede. „Der Polizei sind hier keine Fälle von Zwangsprostitution bekannt“, berichtete Polizeisprecherin Jennifer Koch auf Anfrage. Nicht bestätigt hat sich laut einer anderen Quelle auch der seinerzeit geäußerte Verdacht auf Fälle von Tuberkulose bei schulpflichtigen Kindern.

Demgegenüber wird berichtet, dass viele der Bewohner in dubiosen Arbeitsverhältnissen ausgebeutet werden. Entsprechenden Hinweisen wird nach Worten von Polizeisprecherin Koch nachgegangen. „Die Menschen sind mit den Gesetzen nicht vertraut und wissen nicht, wie sie sich dagegen wehren können“, heißt es von anderer Seite.

Viele Kinder bleiben der Schule fern

Hinzu komme oftmals ein fehlender Krankenversicherungsschutz, was die zum Teil schon erheblichen Schuldenprobleme noch größer werden lasse. Außerdem würden viele der Kinder nicht in die Schule geschickt, da es für die meisten der dort lebenden Menschen darum gehe, was sie am nächsten Tag essen können. Unter diesem Aspekt sei das Bildungssystem zweitrangig.

Wie aus den Protokollen des GiSS-Beirates weiter hervorgeht, sind zahlreiche Wohnungen in den beiden Häusern überbelegt. So sei davon auszugehen, dass die Zahl der tatsächlich dort lebenden Menschen ein Vielfaches der seinerzeit 150 gemeldeten Bewohner übersteigt. Von stundenweise vermieteten Matratzen ist die Rede.

Eine Handhabe, gegen diese Missstände vorzugehen und den Betroffenen zu helfen, haben die beteiligten Akteure, darunter Stadt sowie die Diakonie als Träger des Nachbarschaftsbüros nicht. „Der Stadt sind die Hände gebunden, da sie auf Wohnungen im Privatbesitz nicht zugreifen kann“, sagt Rathaussprecher Timo Frers. Die öffentlichen Flächen im Bereich des Wolleparks, über die von städtischer Seite verfügt werden könne, seien hingegen mittlerweile alle beplant.

Schwieriger Zugang zu den Menschen

Hinzu komme, dass es äußerst schwierig sei, Zugang zu den Menschen zu bekommen. Hier setzt das von der Diakonie getragene Nachbarschaftszentrum Wollepark an. Seit Anfang Februar ist die gebürtige Bulgarin Diana Dineva für die Betreuung der EU-Ausländer im Wollepark zuständig. Sie vermittelt Hilfs- und Beratungsangebote.

„Das ist vor dem Hintergrund der fehlenden rechtlichen Handhabe eine Herausforderung, aber es in der kurzen Zeit auch schon viel passiert“, sagt Ruth Steffens, Geschäftsführerin des Kriminalpräventiven Rates (KPR), der als beratendes Mitglied im GiSS-Beirat vertreten ist. Sie zolle der Arbeit des Nachbarschaftsbüros größten Respekt.

Trotz der jetzt begonnenen Intensivierung der Arbeit mit den EU-Ausländern steht den Bewohnern der Gebäude Am Wollepark 11 und 12 in Kürze möglicherweise schon die nächste Unbill ins Haus. Aufgrund von Zahlungsrückständen durch die Wohnungseigentümer droht ihnen eine Unterbrechung der Trinkwasserversorgung.

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