Zivilcourage-Preis für Kathrin Lohmann Jahnz entschuldigt sich bei Tochter von Todespfleger-Opfer


Delmenhorst. Kathrin Lohmann ist am Freitag als Angehörige eines Opfers des Todespflegers Niels H. mit dem Delmenhorster Zivilcouragepreis geehrt worden. Mit ihr wurden drei weitere Personen ausgezeichnet.

„Frau Lohmann, Sie hatten leider recht.“ Sichtlich bewegt war Oberbürgermeister Axel Jahnz am Freitag, als er zusammen mit Jörn Stilke, Leiter der Polizeiinspektion Delmenhorst/Oldenburg-Land/ Wesermarsch den Zivilcourage-Preis des Kriminalpräventiven Rates der Stadt an Kathrin Lohmann übergab. Zusammen mit ihr wurden im Rathaus drei Delmenhorster Bürger ausgezeichnet.

Lohmann war es, die den Fall um den Todespfleger Niels H. erst ins Rollen brachte: 2003 war ihre Mutter Brigitte A. (61) Patientin im Klinikum Delmenhorst. Nach dem Tod der Mutter hatte Lohmann stets ein ungutes Gefühl. Erst fünf Jahre später liest die Frau aus Berne einen Zeitungsartikel, dass der Delmenhorster Krankenpfleger in einem anderen Fall wegen Mordversuchs verurteilt wurde. Zusammen mit ihrer Anwältin Gaby Lübben stellt sie Strafanzeige. 2009 wird der Leichnam Brigitte A.‘s exhumiert. In ihrem und vier weiteren Körpern lassen sich Spuren des Medikaments nachweisen, das Niels H. seinen Opfern gespritzt hatte. Erst 2014 beginnt die Verhandlung gegen den Krankenpfleger, der mittlerweile zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden ist . Aufgrund dieses Prozesses werden nun 174 weitere Todesfälle untersucht. Die ersten Gräber wurden am Donnerstag geöffnet .

Ein Weg voller Leiden

Für ihre Hartnäckigkeit wurde Lohmann vor rund 75 Gästen – darunter auch Angehörige von Niels H.‘s Opfern – mit dem Zivilcourage-Preis der Stadt ausgezeichnet. „Sie haben immer wieder Gerechtigkeit gefordert, haben einen Weg voller Leiden hinter sich. Dafür gebührt ihnen allergrößter Respekt“, sagte Jahnz in seiner Rede.

„Eine Entschuldigung fehlt bis heute“

Ende Februar hatte sich am Tag der Urteilsverkündung im Fall Niels H. der Vorsitzende Richter des Landgerichts Oldenburg für die Pannen und Verzögerungen der Staatsanwaltschaft bei den Angehörigen entschuldigt. Der Stadt Delmenhorst trage sie nichts nach, sagte Lohmann beim Verlassen des großen Sitzungssaals. „Aber eine Entschuldigung vom Klinikum Delmenhorst fehlt bis heute noch. Es wäre eine menschliche Geste gewesen.“

„Noch steht ein schwerer Kampf bevor“

Eine Entschuldigung hatte Axel Jahnz zuvor in seiner Rede ausgesprochen: „Nicht alle haben sich bei ihnen entschuldigt. Ich tue es in aller Form.“ Auch wenn es schwer falle über die Taten Niels H.‘s zu sprechen, müssten diese aufgearbeitet werden. Mit Blick auf die noch vorzunehmenden Exhumierungen sagte Lohmann: „Noch steht ein schwerer Kampf bevor.“ Das Preisgeld, der Zivilcouragepreis ist mit 250 Euro dotiert, werde sie dem Opferschutzbund Weißer Ring spenden. Die Auszeichnung widme sie ihrer verstorbenen Mutter.

Preis nicht ohne Diskussionen

Als „unglaublich wichtig“ bezeichnete Lohmanns Anwältin Gaby Lübben die Verleihung des Preises. „Sie hat von 2008 bis 2014 alleine gekämpft und sich von der Oldenburger Staatsanwaltschaft nicht abwimmeln lassen. Sie ist hartnäckig geblieben.“ Dies sei für eine Person, die nichts mit der Justiz zu tun hat, „sehr beachtlich.“ „Sehr schade“ fand es Lübben hingegen, dass Lohmann bei der Preisverleihung kein Platz gewährt worden sei, um ein paar Worte zu sagen. Ohnehin spricht die Anwältin von „Diskussionen“ im Vorfeld der Preisverleihung: Nicht jeder sei mit dem Zivilcourage-Preis für Kathrin Lohmann einverstanden gewesen. Lübben lobte Jahnz’ Rede: „Seine Worte haben wir ihm wirklich abgenommen.“

Der Preis für Zivilcourage wird vom Kriminalpräventiven Rat (KPR) der Stadt Delmenhorst unter dem Motto „Hinschauen und nicht wegschauen“ gestiftet. Die Nominierungen spricht die Stadt aus, der Oberbürgermeister, der KPR und die örtliche Polizeiinspektion legen die Preisträger fest.


„Respekt und Hochachtung“ sprach Oberbürgermeister Axel Jahnz auch den Delmenhorster Bürgern Katrin Stubbe, Christian Kiel und Steven Amarteifio aus. Sie haben geholfen, als bei einem Unfall an der Stedinger Straße im Mai 2014 eine Frau schwer verletzt wurde. Die Radfahrerin prallte mit dem Wagen eines Pkw-Fahrers zusammen und wurde von dem Fahrzeug überrollt. Unter dem Wagen eingeklemmt war die schwer verletzte Frau halbwegs bei Bewusstsein, als Stubbe dem Verkehrsopfer zu Hilfe eilte. Sie sprach ihr gut zu, hielt ihre Hand und schilderte parallel per Handy Rettungskräften die Situation am Unfallort. Kiel und Amarteifio hoben zusammen mit 13 anderen Personen die Front des Wagens hoch, damit das Unfallopfer nicht erstickte. Nach zehn Minuten traf der Rettungsdienst ein. Der Frau geht es heute wieder gut.

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