Neue Wirtschaftsförderungsgesellschaft „Mehr als 200 Anfragen für Baugrundstücke in Delmenhorst“

Von Thomas Breuer

Axel Langnau sieht großes Potenzial für seine Stadt. Aber er sagt auch, dass man die Kräfte bündeln muss, um möglichst viele Ziele zu erreichen. Foto: Thomas BreuerAxel Langnau sieht großes Potenzial für seine Stadt. Aber er sagt auch, dass man die Kräfte bündeln muss, um möglichst viele Ziele zu erreichen. Foto: Thomas Breuer

Delmenhorst. Delmenhorst setzt künftig auf eine Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Aufgaben und Ziele gibt es reichlich für das neue Konstrukt. Dessen Geschäftsführer Axel Langnau äußert sich dazu im dk-Interview.

dk: Aus dem Stadtmarketing und der städtischen Wirtschaftsförderung erwächst dieser Tage die neue Delmenhorster Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Was wird dadurch besser?

Axel Langnau: Ein Vorteil sind kürzere Wege, sodass wir wesentlich flexibler und schneller entscheiden und auch durchsetzen können. Wir sind von der Politik legitimiert, bestimmte Aufgaben wahrzunehmen. Ein weiterer Vorteil ist, dass wir laut verbindlicher Auskunft des Finanzamtes vorzugssteuerabzugsberechtigt sind und der Leistungsaustausch zwischen der Stadt und der Gesellschaft steuerfrei ist. Wir haben also keine Verteuerung, sondern eine Besserstellung.

Schön und gut, aber was will die neue Gesellschaft denn inhaltlich nach vorne bringen?

Zum Beispiel ein verbessertes Wohnortmarketing. Wir brauchen neues Bauland insbesondere für Einfamilienhäuser, damit Interessenten nicht an der Stadt vorbeiziehen. Wir wollen damit dem demografischen Wandel entgegenarbeiten und viel mehr Aufmerksamkeit für dieses Vorhaben erzielen. Zurzeit liegen mehr als 200 Anfragen für Baugrundstücke vor.

Über 200 Besserverdiener also, denen die Stadt kein Angebot machen kann.

Das Baugebiet Adelheide mit rund 70 Bauplätzen war in neun Monaten ausverkauft, acht Grundstücke kamen dann noch einmal nach. Politik und Verwaltung ist bekannt, dass wir die Ausweisung von Bauland brauchen. Wie bekannt, erfolgt zurzeit die Beplanung des Baugebiets Langenwisch an der Langenwischstraße und wird der Politik zur Entscheidung vorgelegt. Was Baulandentwicklung und -vermarktung betrifft, muss ein Umdenken stattfinden. Ein interessantes Gebiet ist nach wie vor Piekmoor im Stadtosten, auch wenn man hier schon beinahe von einer unendlichen Geschichte sprechen kann.

Parallel sollen neue Gewerbeflächen entstehen, zum Beispiel auf dem Pultern-Areal. Ist das angemessen, wo doch der benachbarte Gewerbe- und Technologiepark (GUT) in Stickgras noch viele Lücken aufweist?

Zum GUT kann ich sagen, dass wir Reservierungen vorliegen haben und bei zwei weiteren Flächen mit den Interessenten kurz vor dem Abschluss stehen. Bevor ein Bebauungsplan für Pultern steht, werden sicherlich noch weitere vier oder fünf Jahre ins Land gehen. Perspektivisch wird bis dahin das GUT voll vermarktet sein.

Mit Blick auf das Selbstverständnis der Delmenhorster muss man generell einwerfen: Wer anspruchsvolle Ziele erreichen will, muss erst einmal von sich selbst überzeugt sein.

Natürlich ist wichtig, wie wir selber über Delmenhorst reden und uns wahrnehmen – und wie wir künftig auftreten wollen. Wir haben eine tolle Stadt, meine Familie und ich leben hier gerne. Das gilt auch für viele andere. Wir haben ein sehr gutes kulturelles Angebot, Möglichkeiten der Naherholung und gute Einkaufsmöglichkeiten, auch in der Innenstadt. Dies alles gilt es nach vorne zu bringen.

Da dürfte keiner widersprechen, aber so einfach ist das ja nicht.

Ja, das ist richtig. Wir werden jetzt zunächst mit externer Unterstützung konzeptionell ein Standortmarketing vorbereiten und festlegen, welche Maßnahmen wir angehen wollen. Außerdem wird im neuen 15-köpfigen Beirat des Fördervereins der örtlichen Wirtschaft darüber geredet, was für Delmenhorst gut und notwendig sein könnte. Wir haben doch Dinge, mit denen wir auftreten können. Was wir haben, müssen wir als Ganzes präsentieren. Bisher machen wir viele einzelne Sachen in Delmenhorst, aber wir müssen sie zusammenführen.

Das kann man getrost auf die City übertragen. Wer macht das ab wann unter dem Dach der Wirtschaftsförderungsgesellschaft?

Das Anforderungsprofil für den Citymanager wird der Aufsichtsrat der Wirtschaftsförderungsgesellschaft diskutieren und festlegen. Wenn alles gut läuft, können wir die Stelle im März ausschreiben und hoffentlich spätestens in der zweiten Jahreshälfte besetzen.

Und dann muss noch einmal definiert werden, wie weit die Innenstadt reicht, ob das Jute-Center auch dazugehören darf.

Die Innenstadt, die es zu stärken gilt, definiert sich durch das Einzelhandelskonzept bis zum Bahnhof. Dem Jute-Center als Nebenzentrum zur Innenstadt wurde der Boden bereitet, dass es zukunftsträchtig wirken kann.

Keine Werbung für Delmenhorst ist in Teilen der Anfang der Oldenburger Straße mit Häusern in schlechtem Zustand und Läden, die mit Brettern vernagelt sind.

Ja, solche Häuser finden wir nicht nur an der Oldenburger Straße, sondern auch im weiteren Stadtgebiet. Hier erinnere ich an den Spruch: Eigentum verpflichtet. Man kann auf die Eigentümer zugehen und Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen. Hierbei sollten alle möglichen Mittel ausgeschöpft werden, um das Stadtbild zu verbessern.


Axel Langnau (49), der die Geschäfte der neuen Wirtschaftsförderungsgesellschaft führen wird, ist gebürtiger Delmenhorster, verheiratet und zweifacher Vater. Nach einer Ausbildung als Bankkaufmann und einer Zeit als Berufssoldat kam er 1997 zur Stadtverwaltung. Dort baute er ab 2003 das Beteiligungsmanagement auf und wechselte 2007 zur Wirtschaftsförderung. Seit Juni 2013 ist er dort Fachbereichsleiter. Bereits im Dezember 2012 übernahm er die Geschäftsführung des Stadtmarketings.