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Özoguz-Referat abgesagt Geplanter Islam-Vortrag spaltet FDP in Delmenhorst

In der FDP Delmenhorst brodelt es wieder einmal. Foto: dpaIn der FDP Delmenhorst brodelt es wieder einmal. Foto: dpa

Delmenhorst. Ein für Mittwoch, 18. Februar, im Hotel Thomsen geplanter Islam-Vortrag des Referenten Dr. Yavuz Özoguz droht für die FDP in Delmenhorst zur Zerreißprobe zu werden. Inzwischen ist er abgesagt worden.

Ein für Mittwochabend im Hotel Thomsen geplanter – und am Dienstag abgesagter – Islam-Vortrag des Delmenhorsters Dr. Yavuz Özoguz, Vorsitzender der Organisation „Islamischer Weg“, wird für die örtliche FDP zur Zerreißprobe. Und nicht nur das: Inzwischen haben sich auch Bezirks- und Landesvorstand der Partei eingeschaltet und tragen die Absage mit.

Das Bestreben des FDP-Kreisvorsitzenden Tamer Sert und seines Stellvertreters Claus Hübscher, Özoguz im örtlichen Kommunalpolitischen Arbeitskreis der Liberalen ein Forum zu bieten, wird als schädigend für die Partei und unvereinbar mit ihren Grundsätzen angesehen. Die FDP aber stehe für Buntheit und Toleranz, stellte Landesvorsitzender Stefan Birkner klar.

Besuch bei Ahmadinedschad

Özoguz betreibt im Internet die Seite „Muslim-Markt“. Hübscher und er besuchten im Frühjahr 2012 mit einer Reisegruppe den politisch geächteten damaligen iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad. Am Ende der kontroversen öffentlichen Debatte über diese Begegnung, die bundesweit für Aufsehen sorgte, gab Hübscher seine Kandidatur für den Landtag auf.

Dass der Vortrag am Mittwoch nicht stattfinden kann, kommentierte Hübscher Dienstagnachmittag mit den Worten: „Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.“ Er denke daran, die Veranstaltung nachzuholen, „vielleicht in einem anderen Rahmen“.

Nicht mit Grundsätzen vereinbar

Die Absage des Vortrags erfolgte Dienstagmittag nach einem Gespräch zwischen FDP-Vorstandsmitglied Thomas Heisig und Gastronom Olaf Thomsen. Heisig hatte sich zuvor mit seinen Vorstandskollegen Rastherr Axel Konrad und Oliver Otto schriftlich von der Veranstaltung distanziert. Thomsen sagte auf Nachfrage: „Wir haben das Haus voller Gäste und brauchen keinen zusätzlichen Trubel.“ Außerdem sei man von Sert und Hübscher nicht über den Charakter der Veranstaltung informiert worden.

Von Hübscher lediglich als „nicht unumstrittener langjähriger Delmenhorster Muslim“ bezeichnet, haben die FDP-Vorstandsmitglieder Axel Konrad, Thomas Heilig und Oliver Otto gegenüber Özoguz deutlich größere Vorbehalte. „Nach unserer Überzeugung ist diese Veranstaltung nicht mit den Grundsätzen der FDP vereinbar“, teilte Konrad zunächst am Dienstagvormittag schriftlich mit. Man distanziere sich von dem geplanten Vortrag. Auch die Ratsfraktion, der Konrad angehört, habe damit „nichts, aber auch gar nichts“ zu tun.

Rechte bei Facebook umgehend eingeschränkt

Heisig kritisiert vor allem, dass mit dem Vortrag einer „extrem allein stehenden Meinung“ Raum gewährt worden wäre. Anders zu bewerten sei aus seiner Sicht ein Diskussionsforum mit Vertretern verschiedener Richtungen.

Laut Konrad ist dem Vortrag in einer Vorstandssitzung zugestimmt worden, bei der er, Heisig und Otto verhindert gewesen seien. Sert konterte in einer ersten Stellungnahme, zumindest Heisig und Otto hätte er „seit zwei Jahren nicht bei Vorstandssitzungen gesehen“. Sie würden nichts tun, „aber wenn es um Populismus geht, sind sie in der ersten Reihe.“ Beiden sei ab sofort das Recht entzogen, im Namen der FDP auf Facebook zu posten. Am 26. Februar trifft sich die FDP zum Kreisparteitag.

Für die Jüdische Gemeinde lobte Vorsitzender Pedro Benjamin Becerra die Absage. Es sei eine Katastrophe, wenn Vertreter einer demokratischen Partei mit Personen sympathisierten, „die unser Wertesystem nicht akzeptieren“.


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