Überraschende Rettung Atlas-Werk in Delmenhorst hat doch Zukunft

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Der Atlas-Standort in Delmenhorst wird aller Voraussicht nach erhalten bleiben. Foto: Martina I. MeyerDer Atlas-Standort in Delmenhorst wird aller Voraussicht nach erhalten bleiben. Foto: Martina I. Meyer

Delmenhorst. Der Maschinenbauer Atlas sieht offenbar gute Chancen für den Erhalt des Delmenhorster Werkes. Das wurde jüngst der Belegschaft mitgeteilt. Bislang hieß es, 2015 sei Schluss für den Standort.

Die Mitarbeiter der Atlas Maschinen GmbH in Delmenhorst werden voraussichtlich ihren Standort an der Stedinger Straße nicht verlieren. Die Geschäftsführung hat Anfang der Woche die Belegschaft per Mail und Aushang darüber informiert, dass man von dem geplanten Aus im Herbst 2015 abrückt. „Wir haben die Schließung als aktives Projekt zur Seite gelegt“, bestätigte Geschäftsführer Brahim Stitou auf dk-Nachfrage.

Laut Stitou stehen die Chancen sehr gut, dass der Delmenhorster Standort dauerhaft eine Zukunft hat. Dafür müsse aber die Auslastung und Produktivität des Werkes noch erhöht werden, neue Produkte an die Stedinger Straße geholt werden. Im Gespräch ist unter anderem die Fertigung der Zwei-Wege-Bagger. Bislang werden in Delmenhorst Krane hergestellt. Stitou forderte die Mitarbeiter auf, sich nach fünf Jahren nun endlich hinter das Management zu stellen, und setzte damit einen kleinen Seitenhieb in Richtung Betriebsrat.

Der Gesamtbetriebsrat hat unterdessen die Nachricht mit großer Freude aufgenommen. „Das ist ein positives Signal. Wir haben immer gesagt, dass der Erhalt des Standortes machbar ist“, sagte Holger Rigbers, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrates. Der Betriebsrat hatte sich aktiv gegen die Schließung eingesetzt und eine Unterschriftenaktion sowie eine Mitarbeiterbefragung initiiert.

Sowohl Geschäftsführung als auch Betriebsrat sehen Atlas auf dem richtigen Weg. Das Geschäftsjahr 2014 soll trotz schwieriger Marktsituation zufriedenstellend verlaufen sein. „Wir haben das Ergebnis verbessern können“, kommentierte Stitou knapp. Atlas sei schneller und innovativer geworden, die Geschäftsführung hätte eine Reihe von Initiativen eingeleitet. Atlas scheint derzeit wieder Rückenwind zu haben und Boden gegenüber Mitbewerbern gutzumachen. „Der Wettbewerb fürchtet sich vor uns“, sagte Geschäftsführer Brahim Stitou.

Auch Thomas Tillmann-Bramkamp, Gewerkschaftssekretär der IG Metall, ist erleichtert über die Wende. Die Unsicherheit für die Mitarbeiter habe nun ein Ende. „Wir sehen die Entscheidung als Bestätigung der Arbeit von Gewerkschaft und Betriebsräten“, so Tillmann-Bramkamp. Der Gewerkschaftssekretär fordert nun, dass es bei Atlas auch wieder Neueinstellungen geben müsse. Das Unternehmen dürfe auch nicht verpassen, Fachkräfte auszubilden und langfristig an sich zu binden. Die Atlas Maschinen GmbH beschäftigt an drei Standorten rund 420 Mitarbeiter, in Delmenhorst sind es derzeit 76, in Ganderkesee rund 190 und in Vechta etwa 150.

Die Geschäftsführung hatte im Juli 2014 angekündigt, den Delmenhorster Standort zu schließen. Die Kranproduktion sollte nach Vechta verlagert werden, die Delmenhorster Mitarbeiter dort unterkommen. Die Entscheidung galt als endgültig. Im Oktober 2014 wurde das Vorhaben überraschend um neun Monate aufgeschoben, mit Rücksicht auf die betroffenen Familien, die sonst in „arger Bedrängnis“ wären, so die Geschäftsführung. Siebentausend Bürger hatten sich zuvor in einer Unterschriftenaktion Mitte Oktober für den Erhalt aller drei Atlas-Standorte eingesetzt. Gewerkschaft und Betriebsrat bedankten sich für die Unterstützung.


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