Pergament-Fragmente der Huder Mönche Textbruchstücke berichten über das Leben im Kloster

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Hude/Oldenburg.Einen ungewöhnlichen Einblick in die Geschichte des Klosters Hude bietet das neue Oldenburger Jahrbuch. Ein Aufsatz wertet fragmentarische Pergament-Dokumente aus.

Die imposanten Backsteinruinen des Zisterzienserklosters Hude zeugen von einer einst blühenden Klostergemeinschaft. Im Jahre 1232 gegründet, erlebte die Abtei nach der Niederlage der Stedinger Bauern in der Schlacht bei Altenesch 1234 durch reiche Landschenkungen einen baldigen Aufschwung. Die Herstellung von Ton- und Webwaren sowie eine eigene Ziegelei bildeten ihre wirtschaftliche Grundlage. Mehr als zwei Jahrhunderte lang wurden die Oldenburger Grafen im Kloster Hude begraben. Die Blütezeit endete in der Zeit der Reformation, 1536 wurde das Kloster aufgelöst.

Übrig geblieben von der Hochzeit der Zisterzienserabtei sind eindrucksvolle Reste der alten Bausub-stanz. Über die Geschichte des Klosters berichten zudem rund 380 Urkunden aus dem 13. bis 16. Jahrhundert, die das Niedersächsische Landesarchiv in Oldenburg aufbewahrt. Ansonsten herrscht Fehlanzeige bei der schriftlichen Überlieferung: Es liegen weder zeitgenössischen Chroniken vor, noch ein Totenbuch oder Rechnungsbücher.

Dennoch lassen weitere Schriftstücke, die zusammen mit den Urkunden überliefert sind, Rückschlüsse auf das Leben hinter den Klostermauern zu. Es handelt sich um Pergamentfragmente, die zu Schutzhüllen für die zerbrechlichen Wachssiegel der klösterlichen Urkunden zusammengenäht worden waren. Um 1840, mehr als 500 Jahre nach ihrer Entstehung, schnitten Oldenburger Archivare diese Schutzhüllen auf und ermöglichten seitdem eine wissenschaftliche Erforschung des als Fragmenta Hudensia bezeichneten Bestands an Textbruchstücken. Einen ausführlichen Überblick über diese sich als kleiner historischer Schatz erweisenden Schnipsel aus der Schreibstube der Huder Mönche gibt der Historiker Söhnke Thalmann in seinem 17-seitigen Aufsatz „Klostergeschichte(n) aus dem Papierkorb“ im neuen Oldenburger Jahrbuch. Angereichert mit einer Reihe von Abbildungen von Fragmenten aus der Zeit um das Jahr 1300, stellt der Autor zahlreiche Beispiele der Entstehung dieser als Makulatur verworfenen Urkunden und Briefe vor.

Das Oldenburger Jahrbuch wird jährlich vom Oldenburger Landesverein für Geschichte, Natur- und Heimatkunde herausgegeben und vereint Fachbeiträge zu den Themenschwerpunkten Geschichte, Kunstgeschichte, Archäologie und Naturkunde. Die im Oldenburger Isensee Verlag erscheinende Publikation ist im Buchhandel zum Preis von 24,80 Euro erhältlich. Der neue Band 114 beleuchtet neben den Fragmenta Hudensia unter anderem die „Arisierung“ jüdischen Eigentums am Beispiel der Oldenburgerin Rosalie Israels.


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