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30.12.2014, 22:00 Uhr LEITARTIKEL ZUM JAHRESENDE

Delmenhorst darf nicht verzagen

Ein Kommentar von Michael Korn



Delmenhorst. Zum Jahresausklang hat es die Delmenhorster noch einmal eiskalt erwischt: Die Hundehaltung wird teurer, Grundstückskosten und damit die Miete auch, das Daddeln in der Spielothek kostet künftig mehr und die Unternehmer müssen ebenfalls tiefer in die Tasche greifen.

Die teils drastischen Steuererhöhungen sind das eine, was zum bevorstehenden Jahreswechsel aufs Delmenhorster Gemüt drückt. Auf uns alle, auch in Vereinen, Schulen und Sozialverbänden, wird nämlich noch eine empfindliche Sparwelle zurollen, weil die Stadt anders ihre dramatische finanzielle Notlage nicht in den Griff bekommt. Die Musikschule hat es bereits schwarz auf weiß, wie stark sie den Rotstift ansetzen muss. Weitere Institutionen kommen auch noch dran, so viel ist sicher.

Das andere sind die strukturellen Rahmenbedingungen, die schwer auf den städtischen Schultern lasten. Denn wir wechseln ins Jahr 2015 mit einem Haufen Problemen und Herausforderungen, die es in dieser geballten Form in den Vorjahren nicht gegeben hat: Mit DLW und Atlas kränkeln zwei große traditionsreiche Betriebe vor Ort, das ehemalige Karstadt/Hertie-Haus ist trotz anderslautender Ankündigungen des Vermarkters noch immer weit von einer Investorenlösung entfernt, der Flüchtlingszuzug birgt zusätzlichen sozialen Sprengstoff in unserer ohnehin strukturschwachen Stadt und die Rettung der Graft ist noch immer nicht unter Dach und Fach, geschweige denn finanzierbar – die Liste ließe sich leider fortsetzen. Im Gegensatz dazu leisten wir es uns, mal eben 3000 bis 4000 Euro für einen Streitschlichter auszugeben, der die ins Wanken geratene Hasberger Dorfidylle wieder ins Lot bringen soll. Und das, nur weil sich gutsituierte Grundbesitzer und befangene Ortspolitiker nicht über die Anzahl zusätzlicher Bauplätze im Dorf einigen können!

Dennoch dürfen wir in Delmenhorst keinesfalls verzagen – diese Stadt hätte es nicht verdient. Die durchaus vorhandenen positiven Ansätze müssen gerade im außerordentlich schwierigen Jahr 2015 in eine zukunftsorientierte Strategie münden: Die Krankenhäuser schließen sich mittelfristig zu einem starken regionalen Klinikstandort zusammen, die Innenstadt wird weiter aufgemöbelt, das Jute-Center will investieren, der ehemalige Schandfleck Pultern steht vor einer Neugestaltung, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing können in professionelleren Strukturen durchstarten. Delmenhorst muss endlich selbst seinen angemessenen Platz als Mittelzentrum mit seiner unschlagbaren, vorteilhaften Nähe zu den Metropolen Bremen und Oldenburg finden – dann muss einem vor 2015 und auch vor den Folgejahren nicht bange werden.


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