Angeklagter kooperationsbereit „Brücke“ soll jugendlichen Wodka-Dieb unterstützen

Von Helmuth Riewe

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Delmenhorst. Nach dem Diebstahl einer Flasche Wodka hat die Staatsanwaltschaft für einen 19-Jährigen eine Bewährungsstrafe von einem halben Jahr gefordert. Eine solche Härte mochte das Jugendschöffengericht nicht an den Tag legen.

Der Diebstahl einer Flasche Wodka im Wert von 11,99 Euro hat einen 19-jährigen Delmenhorster erheblich in die Bredouille gebracht. Der Heranwachsende war bereits im Januar wegen mehrerer Diebstähle vom hiesigen Jugendschöffengericht unter die Aufsicht eines Bewährungshelfers gestellt worden. Den Wodkadiebstahl in einem Delmenhorster Einkaufszentrum vom Mai 2014 nahm die Staatsanwaltschaft nun zum Anlass, um gegen den Heranwachsenden eine Jugendstrafe von sechs Monaten zu beantragen, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden könne. Doch die Richter bewiesen Augenmaß: Auf Anregung des Bewährungshelfers verurteilten sie den 19-Jährigen, nun ein halbes Jahr lang an einer pädagogischen Maßnahme der Hilfsorganisation „Brücke“ teilzunehmen. Damit folgten die Richter dem Grundsatz, dass es sich beim Jugendstrafrecht vor allem um ein Erziehungsrecht handelt.

Nach dem Geständnis des Angeklagten hatten der Bewährungshelfer sowie die gesetzliche Betreuerin dem Gericht die erheblichen Entwicklungsdefizite des 19-Jährigen dargelegt, zugleich aber dessen Bereitschaft zur Kooperation hervorgehoben. Infolge gesundheitlicher Probleme sowie einer Lernbehinderung sei der 19-Jährige leicht beeinflussbar, stellte der Bewährungshelfer fest. Bisherige Bemühungen, dem Angeklagten einen Arbeitsplatz zu verschaffen, seien nur bedingt erfolgreich gewesen. Immerhin habe es der 19-Jährige aus eigenem Antrieb geschafft, sich einen 450-Euro-Job zu besorgen.

Dies sei bemerkenswert, da der Heranwachsende bisher nur bedingt in der Lage sei, seine eigenen Angelegenheiten zu regeln. Daher sei ihm inzwischen auch eine Berufsbetreuerin an die Seite gestellt worden. Eine gezielte Unterstützung durch die „Brücke“ könne den erforderlichen Schub geben, um den Angeklagten in Zukunft von Straftaten fernzuhalten.

Diesen pädagogischen Argumenten mochten sich weder die Richter noch der Verteidiger entziehen, die konsequent den Vorschlag einer „Brücke“-Weisung unterstützten. Doch selbst nach der Urteilsbegründung mochte der Staatsanwalt von seiner harten Haltung nicht abrücken. Der sofortigen Rechtskraft des Urteils verweigerte er seine Zustimmung.


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