Zahl steigt dramatisch an Immer mehr Rentner in Delmenhorst von Armut betroffen

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Delmenhorst. Die Zahl der Delmenhorster Senioren, die von Altersarmut betroffen sind, steigt dramatisch an. Allein in den vergangenen fünf Jahren hat sich der Anteil um 60 Prozent erhöht. Aktuell beziehen vor Ort 1463 Menschen über 65 Jahren Sozialleistungen.

Der Anteil der Seniorinnen und Senioren in der Stadt, die auf Leistungen zur Grundsicherung angewiesen sind, steigt stetig an. Derzeit beziehen 1463 Delmenhorster im Alter von über 65 Jahren finanzielle Hilfen, um ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können. Den Großteil stellen mit 794 Betroffenen die Frauen. 669 der Leistungsbezieher sind Männer. Hinzu kommen 317 Menschen in Pflegeheimen. Auch sie können ihre Lebenshaltungskosten nicht oder nicht vollständig tragen und sind daher auf staatliche Sozialleistungen angewiesen sind.

„Die Fallzahlen sind in den vergangenen fünf Jahren um etwa 60 Prozent gestiegen und werden auch weiter ansteigen“, sagt Stadtsprecher Timo Frers mit Hinweis auf eine entsprechende Prognose des Fachdienstes Wirtschaftliche Hilfen und Beratungen. Schon allein aufgrund des demografischen Wandels sei mit einer zunehmenden Zahl von Senioren zu rechnen, deren Renten nicht zum Leben reichten.

Diesen Trend belegt auch der aktuelle, vom Sozialpsychiatrischen Verbund der Stadt herausgegebene Sozialpsychiatrische Plan. Demnach verzeichnete die Verwaltung im Jahr 2007 noch 780 Fälle im Bereich der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, wobei der größte Teil der Leistungsbezieher seinerzeit von Altersarmut betroffen war. Nur vier Jahre später, im Oktober 2011, registrierte die Stadt bereits 1009 Fälle und somit eine Steigerung von fast 30 Prozent. Im Dezember des selben Jahres war die Zahl der von Altersarmut betroffenen Delmenhorster bereits auf 1034 angestiegen, im Januar 2012 wurden 1042 Fälle gemeldet, in denen die Stadt Senioren mit Grundsicherungsleistungen unterstützte.

Für die Betroffenen ist die prekäre finanzielle Situation mit erheblichen Einschränkungen verbunden. So geht es für sie nicht nur um die Versorgung mit Lebensmitteln, Bekleidung und Dingen des täglichen Bedarfs, sondern auch um bezahlbaren barrierefreien Wohnraum. Und gerade daran mangelt es nach wie vor in der Stadt. Entsprechend wird auch im Sozialpsychiatrischen Plan erneut die Forderung nach Schaffung von barrierefreien und kostengünstigen Wohnungen erneuert. Ebenso geht es um die eingeschränkten Möglichkeiten zur Teilhabe am gesellschaftlichen, kulturellen oder politischen Leben.

Wenngleich die Altersarmut vor Ort erheblich zugenommen hat, so liegt die Stadt laut dem niedersächsischen Landesamt für Statistik mit 229 Leistungsbeziehern pro 10 000 Einwohner noch hinter Osnabrück (243), Wilhelmshaven (248) und Hannover (268).


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