1954 erste Ampelanlage Missglückte Ampel-Premiere an der "Todeskurve" in Delmenhorst

Eine "Todeskurve" wird entschärft: Im April 1954 sind die Arbeiten für den Ausbau an der Einmündung der Arthur-Fitger-Straße in die Bismarckstraße im Gange. Am 1. Juni 1954 ging hier die erste Ampel in Delmenhorst in Betrieb.Eine "Todeskurve" wird entschärft: Im April 1954 sind die Arbeiten für den Ausbau an der Einmündung der Arthur-Fitger-Straße in die Bismarckstraße im Gange. Am 1. Juni 1954 ging hier die erste Ampel in Delmenhorst in Betrieb.
Hermann Weizsäcker

Delmenhorst. Ampeln, die den Verkehr regeln, gibt es seit 100 Jahren in Deutschland. Wo stand die erste in Delmenhorst?

Die Ampel kann in Deutschland in diesem Jahr auf eine hundertjährige Geschichte zurückblicken. Gemeint ist natürlich nicht die politische Farbkombination Rot-Gelb-Grün, die die Bundesrepublik unter Führung von Bundeskanzler Olaf Scholz erst seit Dezember 2021 regiert. Vielmehr geht es um die erste Lichtsignalanlage, die im Jahr 1922 auf dem Stephansplatz in Hamburg aufgestellt wurde. Und die allerdings nur der Regelung des Straßenbahnverkehrs diente. Zwei Jahre später folgte auf dem Potsdamer Platz in Berlin der – optisch noch nicht wirklich den heutigen Anlagen ähnelnde – Ampelturm, der nun den gesamten, anschwellenden Verkehr auf dem zentralen Platz in der pulsierenden Metropole regelte.

"Bei Rot brauch' ich doch nicht zu halten"

Im beschaulicheren Delmenhorst sollte es da noch eine ganze Weile dauern, bis auch hier eine erste Lichtsignalanlage errichtet wurde. Immerhin, der wirtschaftliche Aufschwung der 1950er Jahre brachte eine stetige Zunahme des Verkehrsaufkommens mit sich. Am 1. Juni 1954 feierte die Ampel in Delmenhorst Premiere. Als Standort war die als „Todeskurve“ berüchtigte und durch den Wochen zuvor begonnenen Ausbau zu entschärfende Einmündung Arthur-Fitger-Straße/Bismarckstraße auserkoren worden. Laut dk war es eine „mißglückte Premiere der Blinkanlage“. Das Problem: „Viele wissen das Farbenspiel der Signale nicht richtig zu deuten.“ Am Tag der Inbetriebnahme „stellten die Ordnungshüter u. a. einen radelnden Opa, der seinen Weg fortsetzte, obwohl das rote Licht aufleuchtete“. „Bei Rot brauch’ ich doch nicht zu halten“, meinte der betagte Radfahrer irrtümlicherweise – und befand sich dabei in zahlreicher Gesellschaft. So mussten vorübergehend drei Polizeibeamte eingesetzt werden, um den Verkehrsteilnehmern die Bedeutung der Lichtsignale zu erklären. Dabei hatte die Ampel doch gerade den Zweck erfüllen sollen, die Ordnungshüter zu ersetzen, damit sie sich um andere wichtige Aufgaben kümmern können.

Die erste Delmenhorster Ampelanlage war übrigens täglich nur in den Stoßzeiten von 7.30 bis 9 Uhr, 10 bis 12.30 Uhr und 16 bis 18 Uhr in Betrieb.


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