Kommt jetzt der „Todesstoß“? So reagieren Delmenhorster Gastronomen und Dienstleister auf 2Gplus

Hier nur 2Gplus – trotz Impfung oder Genesung ist ab Mittwoch für den Restaurant-, Bar- und Friseurbesuch in Niedersachsen ein zusätzlicher negativer Coronatest erforderlich. Ungeimpfte müssen draußen bleiben.Hier nur 2Gplus – trotz Impfung oder Genesung ist ab Mittwoch für den Restaurant-, Bar- und Friseurbesuch in Niedersachsen ein zusätzlicher negativer Coronatest erforderlich. Ungeimpfte müssen draußen bleiben.
Daniel Karmann/ dpa

Delmenhorst. Ab Mittwoch gelten in Delmenhorst striktere Corona-Maßnahme – auch für Geimpfte und Genesene. So denken die hiesigen Friseure und Gastronomen über die neuen Regelungen.

Hier gilt 2Gplus – diesen Satz werden die Delmenhorster ab Mittwoch, 1. Dezember, an so einigen Eingangstüren lesen. Unter anderem in Gastronomie, Beherbergungsbetrieben und bei körpernahen Dienstleistungen reicht es dann nicht mehr aus, geimpft oder genesen zu sein. Zusätzlich wird ein negatives Corona-Testergebnis verlangt. Ist das der Todesstoß für die Delmenhorster Betriebe? Zumindest komme es dem sehr nahe, so Patrick Baier, Betriebsleiter vom El Toro am Friesenpark: „2Gplus in der Gastronomie ist wie lachend in eine Kreissäge zu rennen. Man darf öffnen, aber es kommt keiner.“ Die Politik spiele mit seiner Existenz. 

Testpflicht auch für Geimpfte und Genesene

Der Inzidenzwert in der Delmestadt liegt mit 247,7 (Stand: Dienstag, 30. November) deutlich über dem Grenzwert von 100 – und am Montag, 29. November, hat auch die landesweite Hospitalisierungsrate den fünften Werktag in Folge die Grenzwerte für Stufe 2 überschritten. Damit tritt am Mittwoch die Warnstufe 2 des Niedersächsischen Warnstufensystems in Kraft – 2Gplus in nahezu allen Bereichen des öffentlichen Lebens.

„Das langsame Ausbluten der Gastronomie geht weiter", sagt Tarik Cirdi, Geschäftsführer des Riva und Vorsitzender des Dehoga-Stadtverbandes Delmenhorst. „Nach der langen Durststrecke haben wir auf Weihnachten und Silvester gehofft." Man habe Ware in großen Mengen eingekauft und zusätzliches Personal eingestellt. Und nun sei von den großen Weihnachtsfeiern in der Gastronomie – im Riva, El Toro, Steinhaus und Da Mimmo – nichts mehr übrig geblieben. „Faktisch ist das ein Lockdown", sagt der Riva-Chef. „Nur dass die Politik es nicht so nennen will." Auch Kollege Vito Mandurino vom Da Mimmo nennt 2Gplus einen „indirekten Lockdown". Bereits mit Einführung von 2G sei es deutlich schwieriger geworden, erzählt er. Doch nun stehe das Telefon gar nicht mehr still. Eine Absage folge auf die nächste.

Zu wenig Testkapazitäten

Das Problem sehen die Gastronomen unter anderem in den geringen Testkapazitäten der Stadt. Erlaubt sind nur zertifizierte Schnelltests, wie sie zum Beispiel in Apotheken oder Testzentren durchgeführt werden. Doch seit Tagen bilden sich vor den Testzentren lange Warteschlangen. „Es wird niemand zwei Stunden lang anstehen, um dann einen Kaffee trinken zu gehen", so Cirdi.

Olaf Thomsen, Geschäftsführer vom Hotel Thomsen, ärgert sich außerdem über die fehlende Planbarkeit: „Wir können keine definitiven Aussagen gegenüber unseren Gästen treffen. Was jetzt Regel ist, kann sich nächste Woche schon wieder ändern. Die Bestimmungen sind undurchsichtig und nicht nachzuvollziehen." 

Kollege Baier hofft nun sogar auf einen tatsächlichen Lockdown: „Zumindest hätte man dann Klarheit und mehr finanzielle Sicherheit durch die staatlichen Überbrückungshilfen." Cirdi rechnet ohnehin mit diversen Schließungen in den kommenden Tagen und Wochen. Die DRK-Kantine Horst wird laut Kantinenpersonal bereits ab Mittwoch kein Essen mehr vor Ort anbieten und komplett auf den Außer-Haus-Verkauf umstellt. 

Friseure zeigen sich zuversichtlich

Angesichts der verschärften Maßnahmen kommen auch bei Shain Gezgin, Geschäftsführer von Profile Haircompany in Delmenhorst, erste Sorgen auf. Da er aktuell nicht abschätzen kann, wie sich die 2Gplus-Regelung in den nächsten Wochen auf seinen Betrieb auswirkt, bangt Gezgin um das Weihnachtsgeschäft in seinem Laden. Es gibt allerdings einen Punkt, der ihn zuversichtlich stimmt: „Zum Glück haben wir tolle Kunden, die bislang kaum Termine abgesagt haben. Ich kann aktuell nur hoffen, dass das auch mit den neuen Maßnahmen so bleibt.“ 

Auch Ümit Akbulut, Geschäftsführer der Haarwerkstatt in Delmenhorst, macht sich aktuell wenig Sorgen, dass Kunden vermehrt Termine absagen könnten. „Was wir aber beobachten können, ist, dass Leute aus Angst vor einem erneuten Lockdown ihre gebuchten Termine so weit wie möglich nach vorne verlegen“, erklärt Akbulut. Ein erneuter Lockdown wäre für die Friseure der falsche Weg. „Wir sind froh, dass wir überhaupt geöffnet bleiben dürfen und versuchen jetzt das Beste aus der Situation zu machen“, so Akbulut. 

Kosmetikstudios fürchten um Kundschaft 

Ganz anders sieht es bei den Kosmetikstudios in der Umgebung aus. Viele Kunden seien bereits durch die Einführung der 2G-Regel abgesprungen, berichtet Anne Suhr, Leiterin eines Kosmetikstudios an der Bahnhofstraße. Durch die verschärften Maßnahmen befürchtet sie zusätzlich einen Rückgang der Nachfrage nach Terminen. „Dadurch ergeben sich lange Leerzeiten und trotzdem muss ich den Betrieb aufrechterhalten. Für mich ist die Lage aktuell existenzbedrohend“, so Suhr. 

Ein ähnliches Schicksal fürchtet auch Anna Lehnacker, die das Kosmetikstudio Blickfang in Ganderkesee betreibt. Noch seien ihre Auftragsbücher ganz gut gefüllt, sie habe aber Angst, dass „es viele Kunden nicht in Kauf nehmen werden, für einen Termin in einem Kosmetikstudio extra einen Test zu machen“. 

Auf den Delmenhorster Wochenmärkten greift die 2Gplus-Regel zwar nicht, aber Kunden müssen dort ab Mittwoch wieder einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das gilt laut städtischer Verfügung ausdrücklich auch für Passanten, die nicht auf dem Markt einkaufen, sondern das Gelände nur überqueren wollen.


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