Eberswalde in Brandenburg Wie Delmenhorsts deutsche Partnerstadt mit dem Coronavirus umgeht

Die Veranstaltung "Guten Morgen Eberswalde" findet seit 2007 jeden Samstag statt - während der Coronavirus-Pandemie wurde sie ins Internet verlegt.Die Veranstaltung "Guten Morgen Eberswalde" findet seit 2007 jeden Samstag statt - während der Coronavirus-Pandemie wurde sie ins Internet verlegt.
Sören Tetzlaff

Eberswalde. Für Eberswalde ist die Zeit der Coronavirus-Pandemie ebenso herausfordernd wie für Delmenhorst. Die Partnerstadt in Brandenburg hat die vergangenen Wochen mit Zusammenhalt und kreativen Lösungen gemeistert.

Die härteste Episode scheint überstanden. In Delmenhorsts brandenburgischer Partnerstadt Eberswalde hat es seit mehreren Tagen keinen bestätigten Covid-19-Fall mehr gegeben; im Landkreis Barnim, dessen Kreisstadt Eberswalde ist, wurde lediglich ein Mensch mit den Coronavirus positiv getestet.

Die Stimmung kippt

Für Lokalpolitiker Martin Hoeck (FDP) ein Grund zum Aufatmen. Gerade mal eine Hand voll aktueller Fälle gebe es in Eberswalde noch. „Das rechtfertigt die Lockerungen“, sagt er. Das würden die Bürger auch erwarten. Gerade Eltern seien in den vergangenen Wochen an ihre Grenzen gegangen, hätten teilweise ihren Jahresurlaub verbraucht und seien nun auf den schrittweisen Wiederbeginn im Kita- und Schulbereich angewiesen. Aus Gesprächen mit Bürgern berichtet er, dass die Stimmung allmählich kippt und das Verständnis für Einschränkungen sinkt:

„Sie wollen komplett alles machen, was vorher auch ging.“

Ein Bürger habe sich etwa wegen eines 50-Euro-Bußgeldes an Hoeck gewandt. Der Grund: Er hatte im April alleine auf einer Wiese gelegen.

Ungewohnte Sitzung

In seiner Funktion als Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung in Eberswalde war Hoeck in den vergangenen Wochen vor allem daran gelegen, den politischen Betrieb aufrechtzuhalten. Ende April lud er dafür die 36 Abgeordneten in die Stadthalle, wo die Mindestabstände zwischen den Tischen eingehalten werden konnten. „Das war ungewohnt, aber von meiner Position sehr gut machbar“, rekapituliert Hoeck. Bei zehn Tischreihen plus Pressetisch zog sich die Versammlung über fast 30 Meter in die Länge. „Die letzte Reihe war weit weg“, merkt er an. Mit 23 Beschlussvorlagen gab es in den 4,5 Stunden auch reichlich zu besprechen nach der Coronapause.

Bei der kommenden Versammlung an diesem Donnerstag soll außerdem die Möglichkeit diskutiert werden, die Veranstaltung per Livestream im Internet zu übertragen. Bei der Digitalisierung in der Lokalpolitik sieht Hoeck in Eberswalde noch Handlungsbedarf. Trotz Zuschüssen und Leihgeräten würden noch immer 21 Abgeordnete die Papierform nutzen. „Ich war selber erschrocken, dass noch nicht einmal 50 Prozent digital sind“, sagt Hoeck. Technisch wäre man nicht in der Lage, eine Videokonferenz zu organisieren.

Digitalisierung unerlässlich

Für den Vorsitzenden ist deshalb klar: „Wir müssen uns weiter aufstellen und vorbereiten für die Zukunft, dass wir handlungsfähig bleiben.“ Das Coronavirus habe gezeigt, dass die Präsenzform nicht immer möglich sei. Bei der Versammlung im Juni sagten drei Abgeordnete ab, weil sie zur Risikogruppe zählten. Dabei wolle auch der Bürgermeister möglichst keine Entscheidungen treffen, ohne die Politik einzubeziehen. „Deswegen ist es wichtig, dass wir tagen“, sagt Hoeck.

Großer Zusammenhalt

Dabei ist das Internet keineswegs Neuland für Eberswalde. Seit 2007 findet an jedem Samstag die Veranstaltung „Guten Morgen Eberswalde“ statt – und wurde finanziert von der Stadt seit Mitte März ins Internet verlegt. „Eberswalde ist eine starke und solidarische Stadt“, betont Sprecher Johan Bodnar und führt mehrere Beispiele an: Für bedürftige Kinder gab es kostenloses Mittagessen, im April mussten Eltern keine Kitagebühren bezahlen, über Ostern wurden Mal- und Bastelbögen für Kinder gesammelt. Händler auf dem Wochenmarkt brauchten keine Verwaltungsgebühren mehr zahlen, sämtliche Sondernutzungsgebühren wurden ausgesetzt und das Budget für die Einzelhandelsrichtlinie auf 80.000 Euro aufgestockt (2019: 30.000 Euro).

Neben Informationsangeboten der Stadt zu verschiedenen Aspekten rund um die Coronavirus-Pandemie hätten alte und neue Initiativen Unterstützung für Mitmenschen angeboten. Wichtige städtische Einrichtungen wie Zoo, Museum oder Stadtbibliothek waren bereits Ende April unter Auflagen wieder geöffnet. So habe die Stadtverwaltung geschafft, „einerseits unsere Einwohner zu schützen und andererseits das öffentliche Leben in Eberswalde bestmöglich aufrecht zu erhalten“, bilanziert Bodnar.


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