Kunden kaufen andere Waren als sonst Welche Bilanz die Delmenhorster Händler nach über einem Monat Öffnung ziehen

Filialleiter Bert Drewes verkauft bei Männer Többens by Wegmann gerade besonders häufig Jeans, Jacken und Freizeithemden.Filialleiter Bert Drewes verkauft bei Männer Többens by Wegmann gerade besonders häufig Jeans, Jacken und Freizeithemden.
Laura Nowak

Delmenhorst. Seit über einem Monat haben Geschäfte wieder geöffnet. Der Großteil der Delmenhorster Händler ist sich einig, dass ihr Umsatz noch nicht wieder auf dem normalen Niveau angekommen ist. Während die einen trotzdem ein positives Fazit ziehen, spüren andere die Zurückhaltung der Kunden deutlicher.

"Wir sind zufrieden, unsere Erwartungen wurden leicht übertroffen", sagt der Inhaber des Spielzeuggeschäfts Carl Otto, Andreas Otto. Nach der Öffnung der Läden vor mehr als einem Monat rechnete er mit weniger Kunden. Während viele Geschäftsinhaber in Delmenhorst sich trotz des geringeren Umsatzes zufrieden zeigen, spüren andere deutlich, dass die Kunden anders einkaufen als sonst. Das liegt auch an der angebotenen Ware.

Laura Nowak
Die Kunden des Spielwarengeschäfts Carl Otto haben in den vergangenen Wochen viele Puzzle gekauft, bestätigt Aushilfe Stephanie Peters.

Otto gibt dem Kundenzulauf und dem Umsatz die Schulnote Drei. "Vielleicht profitieren wir davon, dass die Kinder immer noch zu Hause sind", mutmaßt Otto. In der Krise seien Puzzles und Malen nach Zahlen besonders gefragt gewesen. Auch Spielzeug für draußen und Schulranzen seien beliebt.

Für den Anzug fehlt der Anlass

Der Umsatz des Juweliergeschäfts Buchholz zeigt laut Geschäftsführerin Annika Buchholz-Havekost eine positive Tendenz: "Die Kunden sind froh, dass sie wieder raus dürfen." Sie verhielten sich rücksichtsvoll. Eheringe würden trotz der Einschränkungen verkauft werden, da viele Paare nur die Feier verschieben würden. Lediglich die Trauringverkäufe seien ungewohnt. "Die Kunden haben sich lange darauf gefreut und dann sitzen sie mit Maske da", schildert Buchholz-Havekost.

Im Modegeschäft Männer Többens by Wegmann läuft es laut Filialleiter Bert Drewes sehr gut. Die Kunden seien vom neugestalteten Laden begeistert. "Der Start war sehr gut, aber durch die Maskenpflicht gab es einen Dämpfer", so Drewes. Das sei allerdings in der gesamten Textilbranche so. Den Kunden sei mit der Maske zu warm und beim Verkauf fehle das Persönliche. "Wenn jemand hereinkommt, muss ich erstmal gucken, wer das ist", beschreibt Drewes. Momentan kauften die Kunden vor allem Jeans, Jacken und Freizeithemden - besonders gerne von Marken. Anzüge würden dagegen seltener verkauft werden. "Das Konfektionsgeschäft leidet unter fehlenden Anlässen", sagt Drewes. Doch er ist sich sicher, dass es dafür im kommenden Jahr Nachholbedarf geben wird.

Laura Nowak
Geschäftsführerin Annika Buchholz-Havekost freut sich, dass die Kunden des Juweliers Buchholz aufeinander Rücksicht nehmen.

Kunden sollen Geschäften die Treue halten

"Wir sind alle froh, dass wir wieder aufmachen dürfen", sagt der Sprecher der Innenstadt-Kaufleute, Christian Wüstner. In manchen Bereichen wie der Textilbranche seien Kunden jedoch sehr zurückhaltend. Das Einkaufen diene vorrangig der Bedarfsbefriedigung. Der Umsatz seines Ladens Gameground ist gut, Wüstner ist nicht auf Laufkundschaft angewiesen: "Wir sind eine Zieldestination. Die Kunden kommen nur wegen uns in die Stadt." Wichtig ist ihm, dass die Kunden den Händlern vor Ort treu bleiben, damit diese die Zeit überstehen können.

Diese Erfahrung hat der Inhaber des Schuhhaus Gerdes, Marc Engels, bereits gemacht: "Unsere Stammkunden halten uns die Treue, das hat uns sehr gut gefallen." Im Laden würden die Kunden aufeinander Rücksicht nehmen. Mit dem Geschäft ist Engels nicht zufrieden. "Es geht einigermaßen", lautet sein Fazit. Die Umsatzausfälle aus März und April könnten nicht kompensiert werden. Und der Verkauf im Businessbereich sei schwieriger als sonst, da es weniger Veranstaltungen gebe.

Sportartikel und Campingzubehör verkaufen sich gut

Ein gemischtes Fazit zieht auch Julian Flocke, der Inhaber der Strudthoff-Läden. Er rechnet mit 15 bis 30 Prozent weniger Umsatz bis zum Ende des Jahres. Der Verkauf im Sportbereich verzeichne ein leichtes Plus,  Campingartikel wie Zelte seien ebenfalls beliebt.

Laura Nowak
Die Nachfrage nach Zelten bei Intersport Strudthoff ist gestiegen, berichtet auch der Auszubildende Dustin Kloka.

Anders sieht es im Lederwaren-Geschäft aus. "Reisegepäck ist schwierig. Das ist zurzeit das falsche Sortiment", sagt Flocke. Deshalb sei es minimiert worden, stattdessen setzt Flocke auf Schulranzen. Auch im Modegeschäft gebe es einen Umsatzverlust. Denn mit Mode werde etwas verkauft, das Freude mache. "Mit der Maske ist der Spaßfaktor nicht dabei", so der Inhaber. Er ist sich aber sicher, dass sich das wieder ändern werde.

Buchverkauf anfangs "wie ein kleines Weihnachten"

"Es ist fast, als wäre nichts gewesen", sagt Thalia-Filialleiterin Iduna Tiedemann. Die ersten zwei Wochen nach der Öffnung der Buchhandlung seien "wie ein kleines Weihnachten" gewesen, doch jetzt habe sich die Situation und auch der Umsatz normalisiert. Die Hygienevorgaben seien für die Kunden selbstverständlich - manchmal zu sehr. "Der Abstand wird nicht immer eingehalten", hat Tiedemann beobachtet. Der Großteil der Kunden halte sich aber an die Regeln. Reiseliteratur für Fernreisen und Geschenkartikel würden weniger gekauft werden. Dafür seien Romane, Krimis, Bücher zu Hobbys und zum regionalen Reisen sowie Rätselbücher beliebt. Auch Kinder- und Jugendbücher seien vermehrt verkauft worden. 

Laura Nowak
Besonders Romane und Krimis sind bei den Kunden in der Krise beliebt gewesen, sagt Thalia-Filialleiterin Iduna Tiedemann.

Den Umsatzverlust der vergangenen Wochen hat Zurbrüggen zwar noch nicht kompensiert, ist aber laut Hausleiter Martin Kurz auf einem guten Weg. "Die Kunden sind diszipliniert, das freut mich sehr", so Kurz. Trotz der Hygienemaßnahmen würden sie gerne durch den Laden bummeln. "Die Lust am Einkauf ist noch da", sagt Kurz. Die Kunden kaufen seinem Empfinden nach hochwertigere Möbel, Küchen und Gartenmöbel würden überproportional viel verkauft werden. Nur das Restaurant habe sich nicht rentiert, es sei seit einer Woche wieder zu und bleibe bis auf Weiteres geschlossen. 


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