Jubilar Dr. Norbert Boese Ehemaliger Oberstadtdirektor Delmenhorsts feiert 80. Geburtstag

Ein wacher Zeitgenosse und Delmenhorster sowie Hasporter aus Überzeugung: Der Sozialdemokrat Dr. Norbert Boese feiert am  Silvestertag seinen 80. Geburtstag. Foto: Marco JuliusEin wacher Zeitgenosse und Delmenhorster sowie Hasporter aus Überzeugung: Der Sozialdemokrat Dr. Norbert Boese feiert am Silvestertag seinen 80. Geburtstag. Foto: Marco Julius
Marco Julius

Delmenhorst. Dr. Norbert Boese, einst Oberstadtdirektor in Delmenhorst, feiert am letzten Tag des Jahres 2019 seinen 80. Geburtstag. Noch immer mischt er mit im politischen und kulturellen Leben der Stadt.

Der 80. Geburtstag, der ist etwas besonderes, vor allem wenn man ihn bei guter Gesundheit und klarem Verstand verbringen kann. Doch für Dr. Norbert Boese, der eben heute diesen Geburtstag in bester Verfassung feiern darf, war in den vergangenen Tagen ein anderes Thema noch viel wichtiger. Das Delmenhorster Senioren-Tennis-Turnier, bei dem er zwischen den Jahren selbstverständlich zum Racket gegriffen hat. „Dreimal in der Woche stehe ich auf dem Platz“, sagt Boese. Die Leidenschaft für den weißen Sport sagt viel aus über einen Mann, der immer in Bewegung geblieben ist – körperlich und geistig.

Von 1991 bis 2001 Oberstadtdirektor

Elf Jahre lang hat Boese als Oberstadtdirektor die Geschicke der Stadt gemeinsam mit dem damaligen Oberbürgermeister Jürgen Thölke geleitet, von 1991 bis 2001. Jahre, die Boese im Rückblick als seine beruflich glücklichsten bezeichnet. „Wir haben in der Zeit viel für die Stadt erreicht“, sagt er.

Und auch wenn diese Zeit schon etwas zurückliegt: Boese ist immer noch Teil des politischen und kulturellen Lebens der Stadt. Wach, informiert, mit der Lust versehen, seine Erfahrungen weiterzugeben, auch an die jüngere Generation. Schulen besucht er oft und wirbt dort für Demokratie und Toleranz.

Im Zweiten Weltkrieg geboren

Geboren 1939 in den Wirren des Zweiten Weltkriegs im polnischen Bydgoszcz (Bromberg), der Vater Förster, der Großvater Klempnermeister, floh er als Kind mit der Familie 1945 nach Schleswig-Holstein. Schon dabei ist wohl der Grundstein gelegt worden für Boeses späteres Wirken. Die Geschichte des Dritten Reichs und des Terrors, den die Nazis über die Welt brachten, lässt ihn bis heute nicht los. Nicht nur als langjähriger Vorsitzender des Fördervereins der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst, den er selbst ins Leben gerufen hat, setzt er sich für Verständigung und Toleranz ein – und für eine Erinnerungskultur, die die Schrecken der deutschen Geschichte als Mahnung wachhält. „Dass wir wieder jüdisches Leben in der Stadt haben, ist ein Glücksfall“, sagt Boese. Das Miteinander der Konfessionen ist ihm besonders wichtig.

Zur Person

Dr. Norbert Boese
Dr. Norbert Boese, geboren 1939 in Bydgoszcz (Bromberg), hat Rechts- und Staatswissenschaften in Kiel und Berlin studiert. Von 1968 bis 1973 war er Leiter des Rechtsamts der kreisfreien Stadt Neumünster. In der Zeit von 1973 bis 1991 war Boese Stadtkämmerer und Stadtdirektor in der kreisfreien Stadt Wilhelmshaven, von
1991 bis 2001 dann Oberstadtdirektor in Delmenhorst. Seine Promotion hat er in Kiel abgelegt. Thema der Dissertation: Kommunales Wahlrecht in Schleswig-Holstein von 1867-1920. Boese lebt mit seiner Frau Erika in Hasport. Das Ehepaar hat zwei Kinder und ein Enkelkind.

KPR ins Leben gerufen

Nicht ohne Stolz spricht er auch von der Gründung des Kriminalpräventiven Rates der Stadt (KPR), der heute als Kommunaler Präventionsrat aktiv ist und den Boese vor 25 Jahren entscheidend mit auf den Weg gebracht hat. „Wir mussten damals handeln. Delmenhorst hatte nach Frankfurt am Main die höchste Kriminalitätsrate, das Image der Stadt war ramponiert.“ Das Wirken des KPR begleitet Boese bis heute aktiv. 

„Es ist eine Erfolgsgeschichte. Die Stadt ist sicherer geworden."

Stichwort Erfolgsgeschichte: Mit der SPD verbindet man diesen Begriff schon seit geraumer Zeit nicht mehr. Boese ist dennoch treuer und bekennender Sozialdemokrat, „mit Freude“, wie er betont. Seit 1961 hat er das Parteibuch, im Ortsverein Hasport-Annenheide mischt er noch mit. „Ich habe als SPD-Mitglied in all den Jahrzehnten natürlich Höhen und Tiefen mitgemacht. Aber ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass wir eine linke Volkspartei brauchen, die für Gerechtigkeit und Ausgleich sorgt.“ Dass er auch der Delmenhorster Sozialdemokratie verbunden ist, versteht sich von selbst. Das bedeute aber nicht, dass er sich ständig zu Wort melde. „Es kommt nicht immer gut an, wenn die Altvorderen meinen, immer alles besser zu wissen“, sagt er und lächelt. In der ersten Reihe muss er nicht mehr stehen.

Blick auf den Hasportsee

Langeweile kommt im Hause Boese auch so nicht auf. Mit Ehefrau Erika lebt er in Hasport, vom Arbeitszimmer kann er auf den See blicken, den er unzählige Male mit Rauhaardackel Emil umrundet hat. „Emil ist der beste Motivator, den es gibt. Der treibt mich vor die Tür und auf ausgedehnte Spaziergänge“, sagt der Sport-Fan, der in diesen Wochen mit Werder Bremen leidet.

Seine Arbeit als Rechtsanwalt in einer Bremer Kanzlei will Boese im neuen Jahr ganz zurückfahren. Er möchte Zeit gewinnen für die Ideen, die ihn noch umtreiben. In die Forschung rund um das Dritte Reich etwa will er tiefer einstiegen. Erst einmal wird aber gefeiert. Der Jahreswechsel und der 80. Geburtstag sind der Gründe genug.



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