Hans Scheibner in Delmenhorst Kultsatiriker rechnet im Kleinen Haus mit Weihnachtsirrsinn ab

Von Jasmin Johannsen

Er zieht den vorweihnachtlichen Wahnsinn gekonnt durch den Kakao: Hans Scheibner gastierte im Kleinen Haus.  Foto: JohannsenEr zieht den vorweihnachtlichen Wahnsinn gekonnt durch den Kakao: Hans Scheibner gastierte im Kleinen Haus. Foto: Johannsen

Delmenhorst. Konsum Stress bei der Geschenkesuche, Senioren, die an der Kasse beim Bäcker die Nerven strapazieren: Hans Scheibner stimmt mit überspitzten Geschichten aus dem Alltag über die weniger besinnlichen Seiten von Weihnachten aufs Fest ein. Und das kam ziemlich gut an.

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind, auch Hans Scheibner zieht zum Jahresende durch das Land. Der Kultsatiriker bringt allerdings keine Geschenke, sondern rechnet mit dem Wahnsinn rund ums große Fest gründlich und vor allem bissig ab. Mit Ehefrau Petra Verena Milchert und Tochter Raffaela Scheibner gastierte der 83-Jährige am Sonntagabend auch in Delmenhorst. Vor rund 130 Zuschauerinnen und Zuschauern stellte die Familie das „schrecklich gemütliche“ Weihnachtsprogramm „Oma gibt nicht auf“ vor.

Feinsinnig, ironisch und zeitweise schwarzhumorig

An der Oma nahm sich wohl auch Scheibner ein Beispiel, denn eigentlich hätte die Jubiläumsausgabe im vergangenen Jahr seinen Abschied von den kultigen Weihnachtsvorstellungen bedeuten sollen. So zumindest hatte es das Kabarett-Urgestein angekündigt. Dass es nun aber doch in die 26. Runde ging, freute das Delmenhorster Publikum sichtlich. Gewohnt feinsinnig, ironisch und zeitweise schwarzhumorig zog Scheibner das weltpolitische Treiben der vergangenen elf Monate und vor allem die „Weihnachtsgefühlduselei“ durch den Kakao. Mit Erfolg – aus den Zuschauerreihen erntete er damit viel Applaus. 

"Weihnachten sollte ausfallen"

Denn eigentlich, so zeigte sich Scheibner überzeugt, sollte Weihnachten ausfallen. „Und zwar unverzüglich“, betonte der Satiriker. Zu viel Konsum, ein viel zu großer Schaden für die Umwelt und – trotz besinnlicher Zeit – viel zu viel Stress. Gut, dass das frohe Fest dennoch jedes Jahr aufs Neue steigt. Findet Scheibner in den Wochen rund um Weihnachten doch immer wieder Inspiration für seine skurrilen Geschichten.

Es ist die Komik des Alltags, die der Satiriker in seinen Programmen besonders pointiert in Szene setzt. Der morgendliche Besuch beim Bäcker zum Beispiel, wenn fix für das weihnachtliche Überraschungsfrühstück mit der Familie die Brötchen besorgt werden sollen, in der Reihe vor einem aber „scheintote“ Omas aus ihren Portmonees auch noch die letzten Cent-Stücke hervorkramen und Unentschlossene erst einmal jedes einzelne Gebäck vor dem Kauf genauestens begutachten müssen. Oder wenn „internetfremde“ Senioren dank des vertrackten Online-Bankings „die Todesstrafe für die ganze Hamburger Sparkasse“ fordern. 

Kurze überspitzte Geschichten aus dem Alltag

Es sind diese kurzen, überspitzen Geschichten aus dem Alltag, die den Saal ganz besonders zum Lachen bringen. Aber auch die musikalischen Passagen, stets durch Ehefrau Petra und Tochter Raffaela vorgetragen, amüsieren das Publikum dank in Reimen verpackter politischer Aktualität.

Natürlich durfte auch bei diesem Weihnachtsprogramm die namensgebende Oma nicht fehlen, die gehörigen Trubel in die besinnliche Zeit bringt. Dieses Mal konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer die resolute Helene Kreienbohm in vier Akten bei ihrem abenteuerlichen Ausbruch aus dem „Edelgefängnis“ – auch bekannt als Seniorenresidenz – begleiten.

Dass Scheibner sich, ebenso wie seine erfundene Oma, nicht so schnell zur Ruhe setzt und das Weihnachtsprogramm auch noch eine 27. Ausgabe erlebt, darauf hofft nach diesem unterhaltsamen Abend wohl auch das Delmenhorster Publikum.


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