Personalmangel in Delmenhorst Rathaus verzeichnet nie dagewesenen Bedarf an neuen Arbeitskräften

Die Stadtverwaltung in Delmenhorst braucht dringend mehr Arbeitskräfte. Archivfoto: Frederik GrabbeDie Stadtverwaltung in Delmenhorst braucht dringend mehr Arbeitskräfte. Archivfoto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. Die Stadtverwaltung verzeichnet einen nie dagewesenen Bedarf an neuen Arbeitskräften. Das ist jetzt bei den Haushaltsberatungen für das neue Jahr deutlich geworden. Das Rathaus hat sich gestiegenen Anforderungen durch neue Gesetze und einer Verrentungswelle zu stellen.

Die Stadtverwaltung in Delmenhorst verzeichnet eine Rekordanmeldung für neue Stellen. Wie der Fachbereichsleiter für Zentrale Dienste, Hero Mennebäck, bei den Beratungen des Sozialausschusses zum Haushalt 2020 am Donnerstag darlegte, sind aus den verschiedenen Fachbereichen insgesamt 83 neue Stellen angemeldet worden – so viele wie nie zuvor.

Schon seit einiger Zeit beklagt insbesondere der Personalrat der Stadt einen Fachkräftemangel. Lange Bearbeitungszeiten bei Baugenehmigungen oder für den Elterngeldantrag, eingeschränkte Öffnungszeiten in den Jugendhäusern oder Verzögerungen bei Schulsanierungen waren beispielsweise zuletzt im Sommer als Probleme aufgrund einer dünnen Personaldecke zu Tage getreten.

Mehr Stellen haben auch Folgen auf die Kosten für die Stadt

Mennebäck machte nun deutlich, dass 83 neue Stellen durchaus ihre Berechtigung hätten: "Der große Stellenbedarf in der Verwaltung ist absolut anerkannt." Allerdings beliefen sich die jetzigen Anmeldungen auf die Größe eines "kleinen bis mittelgroßen Fachbereichs". Abgesehen von der nötigen Büroausstattung und dem Raumbedarf, habe das Folgen für die Finanzkraft der Stadt – und zwar auf Jahre hinaus. Um tatsächlich jedem Fachbereich gerecht zu werden, so Mennebäck, schlägt die Verwaltung aktuell im Stellenplan vor, 41 zusätzliche Stellen zu schaffen. Also etwa die Hälfte von dem Bedarf, den die Fachbereiche sehen. Diese Zahl kann sich durch die aktuellen Beratungen allerdings noch ändern.

"Deutlicher Mehraufwand" durch neue Gesetze

Dass neue Posten geschaffen werden müssen, hat auch in neuen Gesetzen seinen Grund: Wie Ina Meyer-Dereschewitz vom Personalrat in der Sitzung beispielhaft darlegte, ist im Sachbereich Grundsicherung, also die Stelle, die sich zum Beispiel mit der Vergabe von Sozialhilfe befasst, darum ein "deutlicher Mehraufwand" entstanden. Die Bearbeitung von neuen Fällen sei aufwendiger und komplexer geworden. "Hinzu kommt der stetige Anstieg der Fallzahlen unter anderem weil die geburtenstarken Jahrgänge jetzt auch verstärkt die Grundsicherung benötigen." Bereits jetzt verzeichne man mehrere Überlastungsanzeigen. Hat eine Kraft einen Richtwert von 120 Fällen zu bearbeiten, ist das tatsächliche Arbeitsaufkommen laut Meyer-Dereschewitz mehr als das doppelt so hoch. Fünf neue Stellen sieht der Personalrat vor diesem Hintergrund in der Grundsicherung als angebracht an, der Sozialausschuss bewilligte am Ende zwei.

Kampf gegen Personalmangel bleibt akutes Thema

Das Thema Personalmangel wird die Stadt noch auf einige Zeit begleiten: Wie Mennebäck im Sommer mitteilte, wird die Stadt in den kommenden fünf bis zehn Jahren etwa 350 Beschäftigte verlieren – rund 40 Prozent des gesamten Personals. Grund hierfür ist die gesellschaftliche Alterung. Geschätzt 50 Prozent der Belegschaft ist älter als 50 Jahre, hieß es im Sommer.


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