Zukunft der Grafengruft Delmenhorster Stadtkirchen-Pfarrer frustriert von politischer Entscheidung

In der Grafengruft sind Zinnsärge, in denen die Gebeine der letzten Delmenhorster Grafenfamilie ruhen, untergebracht. Archivfoto: M. JuliusIn der Grafengruft sind Zinnsärge, in denen die Gebeine der letzten Delmenhorster Grafenfamilie ruhen, untergebracht. Archivfoto: M. Julius
Marco Julius

Delmenhorst. Der Delmenhorster Stadtkirchen-Pfarrer Thomas Meyer und seine Mitstreiter sind enttäuscht. 100.000 Euro hatten sie beantragt, um die Grafengruft neu zu gestalten. Doch die Summe, die nun fließen soll, sei zu gering, um eine echte Hilfe zu sein.

Der Frust sitzt tief bei Stadtkirchen-Pfarrer Thomas Meyer. „Wir haben uns von der Stadt und der Politik eine Initialzündung erhofft. Herausgekommen ist ein Rohrkrepierer.“ Warum Meyer so enttäuscht ist? Einen Zuschuss von 100.000 Euro hatte seine Gemeinde beantragt, um die Grafengruft unterhalb der Stadtkirche herauszuputzen, mit einem Ausstellungsraum zu versehen und barrierefrei zu gestalten. Die Nachricht, dass der zuständige Fachausschuss jetzt in den Haushaltsberatungen einem Zuschuss in Höhe von „nur“ 15.000 Euro auf den Weg bringt, trifft Meyer und seine Mitstreiter für die Gruft, dem „Juwel der Stadt“ mit „stadt- und kulturhistorischer und von touristischer Bedeutung“, wie der Pfarrer nicht müde wird zu betonen.

Pfarrer kritisiert fehlende Wertschätzung

„Seit Jahren reden wir uns den Mund fusselig. Diese Summe hilft uns keinen Schritt weiter“, sagt Meyer. „Zahlen sprechen eine Sprache“, sagt der Pfarrer, der sich mit der Aufstellung eines Haushalts schon aus Berufsgründen auskennt. Und die Summe, die nun im Raum steht, spricht für den Pfarrer eine deutliche: „Sie zeigt, dass wir keine Lobby haben. Sie ist das Gegenteil von Wertschätzung. Sie bedeutet eine Geringschätzung der bisher geleisteten Arbeit der Stadtkirchen-Gemeinde und des Heimatvereins“, betont der Kirchenmann, der sich besonders bei Friedrich Hübner, Herta Hoffmann, Barbara Stollberg und Johannes Mitternacht für ihren Einsatz bedankt.

„Wir sind in Vorleistung gegangen, haben unter anderem über Konzerte, Lesungen und Führungen Geld eingesammelt für das Projekt. Ich habe die Vertreter des Rates zu einer Führung eingeladen, mündlich und schriftlich. Gemeldet hat sich nur die SPD. Wir haben eine Planung vorgelegt, eine Finanzierung vorgestellt.“

Charme eines Heizungskellers

Die Pläne für die Aufwertung der Grafengruft, die aktuell tatsächlich den Charme eines Heizungskellers versprüht, hat Meyer mit seinem Team längst heruntergefahren. Statt der ursprünglich einmal angedachten 300.000 Euro wolle man mit 200.000 Euro auskommen. An die 20.000 Euro hat die Gemeinde selbst gesammelt. Zudem hat Meyer zahlreiche Anträge bei Stiftungen eingereicht. „Mit einer größeren Summe hätte die Stadt auch ein Signal an diese Stiftungen senden können .“

Macht seinem Unmut Luft: Stadtkirchen-Pfarrer Thomas Meyer. Foto: Marco Julius

Meyer ist auch verärgert über die mangelnde Transparenz der Entscheidung. Und tatsächlich ist in keiner öffentlichen Sitzung über die Höhe des Zuschusses debattiert worden, die Entscheidung wurde auch in der Haushaltsdebatte nicht erläutert. „Und dabei ist das Thema nicht neu, wir werben seit Jahren für eine angemessene Präsentation der Grafengruft.“ Ein höherer Zuschuss wäre auch für die Landeskirche ein Signal gewesen, über eine Zuwendung nachzudenken. Davon ist Meyer überzeugt. Er erinnert aber auch daran, dass in der Gruft die sterblichen Überreste der Herrscher der Stadt – nicht die von Bischöfen –  liegen.

Jetzt muss Meyer bei den Stiftungen nachjustieren, weil dort meist ein Eigenanteil gefordert ist, den es jetzt in der Höhe nicht geben wird, wenn der Rat nicht noch anders entscheidet.

Das Projekt Grafengruft will Meyer bei aller Frustration nicht ganz aufgeben – aber er will es, nach der für ihn enttäuschenden Entscheidung,  dennoch schnell vom Tisch haben, weil es zu viel Kraft und Energie binde, die die Kirche an anderer Stelle brauche.

Ausstellungsraum soll dennoch kommen

„Wir werden im kommenden Jahr, parallel zur Sanierung des Kircheninnenraumes, auch die Grafengruft angehen. Das eigene Geld, die 15.000 Euro von der Stadt, die Summe X von Stiftungen. Vielleicht haben wir dann 50.000 Euro zusammen. Es wird definitiv einen Ausstellungsraum geben. Wie weit wir mit dem Geld kommen, müssen wir sehen.“ Danach sei man mit dem Thema aber durch, weitere Anstrengungen seitens der Stadtkirche werde es nicht geben. Ob es zur Eröffnung im letzten Quartal 2020 den Lifter gibt, der einen barrierefreien Zugang ermöglichen soll, ist offen. „Selbst finanzieren können wir ihn sicher nicht. Aber wir haben einen Antrag bei der ,Aktion Mensch’ gestellt.“ Bei allem Frust gilt auch für den Pfarrer: Die Hoffnung stirbt zuletzt.


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