Yu-Gi-Oh-Turnier in Delmenhorst Fantastische Gefechte im Jute-Center

158 Spieler waren bei dem Turnier im Jute-Center dabei. Auch für Christian Wüstner eine grandiose Zahl. Foto: Kai Hasse158 Spieler waren bei dem Turnier im Jute-Center dabei. Auch für Christian Wüstner eine grandiose Zahl. Foto: Kai Hasse

Delmenhorst. Ein Yu-Gi-Oh-Spiel ist für Außenstehende kompliziert zu verstehen. Ein Vergleich mit Skat ist ...mindestens kühn, angesichts von 10.000 unterschiedlichen Spielkarten. Aber ein Anfang. Ein Regionalturnier hat nun in Delmenhorst stattgefunden.

Christian Wüstner ist selbst ein wenig verdattert. 158 Leute! So viele! 158 Yu-Gi-Oh-Spieler haben sich am Samstag im Jute-Center eingefunden, um bei dem durch Wüstner, den „gameground“-Besitzer in der Delmenhorster Innenstadt, ausgerichtetet Regionalentscheid in diesem Spiel mitzumachen. Anfangs hatte er nur mit 80 gerechnet, dann trudelten bereits mehr als 130 ein, und nun hat er 158 da im großen Saal, die sich gegenüber sitzen und bunte Karten mit fantastischen Wesen darauf gegeneinander ins Feld schicken.

Es ist kompliziert

Was Yu-Gi-Oh ist, ist gerade den älteren Besuchern des Jute-Centers, die neugierig in die Halle hereinlugen, nicht so leicht erklärt. „Die spielen Karten“ ist nicht falsch, aber wohl etwas kurz gegriffen. Bao Dinh, 33, einer der Spieler, versucht ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen: Man wählt eine Strategie, mit der man mit seinen eigenen Karten die Karten des anderen übertrumpfen kann. Dazu hat man eine Auswahl dieser Karten, üblicherweise in einer Art Set, mit der man eine für diese Sorte der Karten typische Strategie verfolgt. So inetwa. „Es ist kompliziert“ räumt er selbst ein. Und bunt ist es. Die Sets, oder die Themen, die diese Karten haben, drehen sich jeweils um eine Art Fantasiegestalten-Gruppe: Drachen, Dinosaurier-Wrestler, Geister, eine Liste von 10.000 Karten, sie nicht jeder alle kennt. Bei Dinh sind es Samurai. Bei seinen Nachbarn sind es „Cyber-Drachen“. Also ist das so wie Skat mit Fantasy-Figuren statt Pik, Kreuz, Herz und Karo? Naja. Grob. So ähnlich.

Also nicht leicht zu begreifen. Und ungleich variantenreicher als normale Spielkarten. „Und natürlich ist die Artwork sehr reizvoll“, sagt Dinh.

Imaginäre Schlachten in den Köpfen

Im Saal sitzen sich die Spieler an langen Tischen gegenüber, raunen sich die Effekte ihrer Karten entgegen, es riecht nach Schweiß und exotischen Früchten, manche haben einen seltsamen Hut auf, und zwischen ihnen toben – auf dem Spielbrett nur erahnbar und ungleich heftiger in ihren Köpfen – imaginäre Schlachten fantastischer Welten, basierend auf einer japanischen Fernsehserie aus den späten 90er Jahren. Damals waren einige der Spieler hier noch nicht mal geboren.

Teilnehmer Daniel Schumitz und Lea Kollhorst mit ihren Karten und Decks während des Turniers. Foto: Kai Hasse

Frauen sucht man hier fast vergebens. Eine halbe Handvoll ist dabei. Lea Kollhorst zum Beispiel, die von ihrem Freund Daniel Schumitz für das Spiel gewonnen wurde. Beide sind Anfang 20. Er spielt gern die Strategie der „Cyber-Drachen“, sie schickt „Marinzessen“ ins Feld, eine Art Prinzessinnen aus dem Meer. Ja, hat mit der Wirklichkeit nix zu tun, macht aber Spaß, sagen sie. Er hat im Kindergarten angefangen, dann aufgehört, und nun wieder angefangen. Für sie waren die Karten ganz neu, hat aber Gefallen an dem bunten Fantasy-Spiel gefunden. Dass sie als Frau fast alleine ist, möge daran liegen, dass Mädchen die Drachen, Dinos und Samurai wohl intuitiv erst als Jungs-Spielzeug ansehen. Und manche, die es versuchen, engagieren sich weniger als Jungs. „Es ist schwer, sich reinzufinden“, sagt sie.

Das werden die älteren Spaziergänger im Jutecenter wohl auch denken. Aber sie freuen sich: „So viele junge Leute“, sagen sie, „und sie unterhalten sich.“ Na bitte. Was Skat kann, kann Yu-Gi-Oh wohl auch.


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