Info-Abend im Familienzentrum Villa Wie Kinder richtig mit digitalen Medien umgehen

Eltern-Medien-Trainer Mario Mohrmann informierte im Familienzentrum Villa über Chancen und Risiken der Digitalen Medien. Foto: Niklas GolitschekEltern-Medien-Trainer Mario Mohrmann informierte im Familienzentrum Villa über Chancen und Risiken der Digitalen Medien. Foto: Niklas Golitschek

Delmenhorst. Digitale Medien sind für manche Eltern eine fremde Welt. Dabei tragen sie die Verantwortung, dass ihre Kindern sicher im Internet unterwegs sind und die Gefahren, sagt Eltern-Medien-Trainer Mario Mohrmann.

Digitale Medien als Chance und Risiko – für Kinder und Jugendliche führt an ihnen kaum mehr ein Weg vorbei. Ob die Eltern wollen oder nicht. Genau deshalb sei es so wichtig, zu wissen, womit sich die Kinder beschäftigten, betonte Mario Mohrmann bei seinem Vortrag „Digitale Welten – Was nutzt ihr Kind?“ am Donnerstagabend im Familienzentrum Villa. Mohrmann ist Eltern-Medien-Trainer bei der Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen.

Am verständlichsten ließ sich das an der Video-Plattform YouTube erklären. Jeden Tag würden dort Videos mit einer Gesamtdauer von rund 65 Jahren hochgeladen. „Das ist gar nicht alles filterbar“, mahnte Mohrmann, sich nicht auf automatisierte Filter der Dienste zu verlassen. Zumal YouTube in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen festhalte, dass die Nutzer volljährig sein müssten und so die rechtliche Verantwortung wieder den Eltern übertrage. 

Nützliches und Verstörendes

Doch deshalb per se die Plattform abzulehnen, sei kaum zielführend. „Es gibt viele tolle Sachen“, stellte Mohrmann klar und verwies etwa auf Lernvideos, die den Schulunterricht ergänzen. „Aber es gibt auch Verstörendes.“ Deshalb lohne es sich, die Angebote gemeinsam zu erkunden. Um die Kinder zu schützen, müssten sich Eltern auskennen und den korrekten Umgang vermitteln. Denn sie müssten auch wissen, dass unterschwellig Werbung platziert werde, wenn sie die Videos ihrer YouTube-Stars ansehen: „Das muss reflektiert werden.“

Begleiten statt ablehnen, verstehen statt verbieten, interessieren statt spionieren und dennoch Grenzen setzen – so lässt sich Mohrmanns Kernbotschaft zusammenfassen. Fotos vom Essen zu verschicken oder „Selfies“ mit merkwürdigen Posen sei eben, wie Jugendliche heutzutage kommunizieren. „Wir haben selbst anders kommuniziert als unsere Eltern“, erinnerte Mohrmann, der auch Jugendschutzbeauftragter der Stadt Oldenburg ist. Dabei sollten Eltern dennoch auch einfordern, mal durch die Bilder- und Videogalerie auf dem Smartphone ihrer Kinder zu gucken; im Gegenzug könnten sie auch Einblick bei sich gewähren. „Eltern tragen die Verantwortung“, hob der Referent immer wieder hervor. Gleichzeitig sei das Handy etwas sehr Persönliches vergleichbar mit einem Tagebuch. Doch bei Gewalt, Pornografie oder gefährlichen Trends sei es die Pflicht, einzugreifen. Wichtig sei deshalb, sich immer als Ansprechpartner anzubieten, sollte das Kind schlechte Erfahrungen machen. „Das Schlimmste ist, wenn das Kind mit etwas nicht umgehen kann und sich nicht traut, es anzusprechen.“ Die meisten Probleme ließen sich lösen, wenn man schnell handele.

Warnung vor Cyber-Grooming

Explizit warnte Mohrmann vor dem sogenannten Cyber-Grooming. Gemeint sind sexuelle Anbahnungs-Versuche über Online-Chats, teilweise unter falscher Identität. „Kinder rechnen nicht damit, dass sich andere jünger machen“, sagte er. Sie müssten für dieses Thema sensibilisiert werden und wissen, mit einem solchen Moment umzugehen. Dafür ließen sich Strategien entwickeln, wie den Chat zu verlassen, das Gerät auszuschalten oder die Eltern zu kontaktieren.

Technisch sei es den Eltern kaum möglich, die Kinder einzuholen. „Aber wir können den Umgang damit zeigen“, fasste Mohrmann zusammen. Schließlich schicke man das Kind auch nur ins Schwimmerbecken, wenn es auch schwimmen könne.


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