Hehlerware in Delmenhorst Peinlich berührter Angeklagter gibt alles zu

Von Ole Rosenbohm

Irgendwann knickte der Angeklagte vor dem Landgericht doch ein. Symbolfoto: Jörn MartensIrgendwann knickte der Angeklagte vor dem Landgericht doch ein. Symbolfoto: Jörn Martens

Delmenhorst. Der 29-jährige Angeklagte hatte seine Taten erst im März vor dem Amtsgericht Delmenhorst bestritten, am Mittwoch, 6. November, in zweiter Instanz lange auch vor dem Landgericht Oldenburg. Aber nicht lange.

 Eloquent, sicher und durchaus glaubwürdig erscheinend schilderte der Mann aus Hannover, dass er nichts gewusst hatte von den Diebstählen, aus denen die von ihm im Frühjahr 2017 in Delmenhorst für kleines Geld gekauften Elektronikartikel, der Quad und die 30 Qualitäts-Bohrmaschinen stammten. Zwei Stunden ging das so – dann brach er ein, gab alles zu. Gerade noch rechtzeitig für eine deutliche Reduzierung seiner Strafe.

Verfahrensverkürzung durch Geständnis

In erster Instanz war der Mann wegen dreifacher gewerbsmäßiger Hehlerei zu einem Jahr und vier Monaten Bewährungsstrafe verurteilt worden, nach der Berufungsverhandlung in Oldenburg bleiben noch elf Monate auf Bewährung. Zudem verringerte das Landgericht die 3000 Euro Geldauflage um die Hälfte. Er habe durch sein umfassendes Geständnis erheblich zur Verfahrensverkürzung beigetragen, begründete der Vorsitzende Richter. Persönlich angefasst, weil die Wahrheit so spät ans Licht kam, gab er sich nicht: Angeklagte dürfen lügen vor Gericht.

Der Angeklagte griff bei Heißer Ware gerne zu

Auf die Spur des 29-Jährigen war die Polizei nach der Festnahme dreier Delmenhorster gekommen, seit 2018 verurteilt wegen schweren Bandendiebstahls. Die drei waren unter anderem in ein Elektronikgeschäft in Delmenhorst eingebrochen und hatten den Quad vom Gelände eines Autohauses entfernt. Heiße Ware, aber der 29-Jährige griff gerne zu: einen großen Fernseher und fünf Navigationsgeräte für 700 Euro, den Quad für 500, die 30 Bohrmaschinen für 2000 – jeweils nur ein Bruchteil des tatsächlichen Werts. Nichts von dem Diebesgut ist noch vorhanden. Neben der Geldstrafe muss der Angeklagte 17500 Euro zahlen, den Gegenwert des Taterlangten.

Richter war nicht überzeugt

Der 29-Jährige hatte zunächst für jeden Kauf eine Erklärung parat. Die Bohrmaschinen etwa hätte er nur vermittelt, die Navis nie gesehen. Er wollte sogar Zeugen präsentieren, die ohne sein Geständnis an einem Fortsetzungstermin auch sicher gehört worden wären. Nur den Richter überzeugte er nicht: Zu viele Zufälle sah dieser in einer zwischenzeitlichen Einschätzung und klärte auf, dass sich ein Geständnis aufs Strafmaß erheblich auswirken würde. Dieses folgte kleinlaut nach einer Beratung mit seinem Anwalt: Alle Vorwürfe seien korrekt, hieß es jetzt. Auch wenn der Angeklagte die Fragen des Richters – offensichtlich peinlich berührt – gar nicht mehr so sprachfertig und nunmehr meist nur noch nickend beantwortete.


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