170 Besucher in der Markthalle Dialog der Religionen in Delmenhorst stößt auf starke Resonanz

„Hava Nagila“: Der Seniorenchor der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst mit Rabbinerin Alina Treiger (r.) sorgte bei der interreligiösen Begegnung in der Delmenhorster Markthalle für Stimmung. Foto: Dirk Hamm„Hava Nagila“: Der Seniorenchor der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst mit Rabbinerin Alina Treiger (r.) sorgte bei der interreligiösen Begegnung in der Delmenhorster Markthalle für Stimmung. Foto: Dirk Hamm
Dirk Hamm

Delmenhorst. Wie unterschiedlich die Hochzeitsbräuche bei Christen, Muslimen und Juden sind, davon war am Donnerstag bei einem interreligiösen Nachmittag in der Delmenhorster Markthalle einiges zu erfahren. Rund 170 Gäste sorgten für strahlende Gesichter bei den Vertretern der Religionsgemeinschaften.

Das Miteinander der verschiedenen Religionen in der Stadt gedeiht prächtig. Dafür lieferte gestern Nachmittag eine interreligiöse Begegnung mit buntem Programm und spannenden Informationen in der Markthalle einen beeindruckenden Beleg. Die christlichen und muslimischen Gemeinden sowie die jüdische Gemeinde hatten gemeinsam eingeladen. Das Echo hat die Veranstalter in den Worten von Thomas Meyer, Pastor an der Stadtkirche, „happy“ gemacht: Rund 170 Menschen kamen in die Markthalle, um über die Grenzen einzelner Glaubensrichtungen hinweg ein Zeichen für den Dialog der Religionen zu setzen.

Ganz im Zeichen des Austauschs der verschiedenen Religionen stand die Markthalle am Donnerstagnachmittag. Rund 170 Gäste waren gekommen. Foto: Dirk Hamm

„Das ist unglaublich“, zeigte sich Pedro Benjamin Becerra, 1. Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Delmenhorst, hellauf begeistert von der Resonanz auf die Veranstaltung, die in dieser Form erstmals vom interreligiösen Kreis in der Stadt Delmenhorst auf die Beine gestellt wurde. Denn diesmal stand nicht allein die Kultur im Vordergrund, dem Nachmittag unter dem Motto „Begegnung schafft Frieden“ und mit Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ wurde das Thema „Paare unter Gottes Segen“ vorangestellt.

Mut zur individuellen Begegnung

Der Gedanke dahinter: Mögen die Riten und Bräuche im Einzelnen auch noch so unterschiedlich sein, geheiratet wird in allen Religionen. Somit bieten die verschiedenen Hochzeitsbräuche eine gute Grundlage, um etwas vom jeweils anderen zu lernen. Und idealerweise dabei auch rege ins Gespräch zu kommen. Das war jedenfalls der Wunsch, den Thomas Meyer in seinen Begrüßungsworten formulierte: „Der Sinn dieser Begegnung ist, dass wenn nachher Kaffee und Kuchen geholt werden ein kleines bisschen Mut da ist, sich zu einem Menschen hinzusetzen, den man noch gar nicht kennt.“

Ehepaare berichten

Nacheinander berichteten dann drei Ehepaare von den jeweiligen religiösen Hochzeitsbräuchen bei Muslimen, Juden und Christen. Hüseyin und Nuray Seren aus Delmenhorst, die vor 21 Jahren nach islamischem Brauch den Bund der Ehe geschlossen haben, erzählten etwa, dass sowohl Braut als auch Bräutigam bei der Hochzeitszeremonie dreimal gefragt werden, ob sie den jeweils anderen als Ehepartner annehmen, woraufhin jedes Mal eine laut und deutlich vorgebrachte Antwort erfolgt. Nuray Seren, die als pädagogische Mitarbeiterin an zwei Grundschulen tätig ist, hob hervor, dass für muslimische Brautpaare die Zustimmung der Eltern „immens wichtig“ sei.

Siebenmal um den Bräutigam herum

Das Ehepaar Graumann aus Oldenburg gewährte Einblicke in die jüdischen Hochzeitsriten. Dabei war etwa zu erfahren, dass die Braut siebenmal im Uhrzeigersinn um den Bräutigam herumgeführt wird. Damit zeige sie an, dass sie die Hochzeit freiwillig eingeht. Bekannt war den meisten in der Halle sicherlich der Brauch, dass der Mann mit dem Schuh ein Glas zertritt. 

Der Baldachin, Chuppa, spielt eine wichtige Rolle bei Hochzeiten nach jüdischer Tradition. Darüber berichtete in der Markthalle das Ehepaar Graumann, das nach 35 Jahren weltlicher Ehe vor fünf Jahren auch nach jüdischem Ritus geheiratet hat. Foto: Dirk Hamm

Wie besonders stimmungsvoll jüdische Hochzeiten sind, davon gab der Seniorenchor der jüdischen Gemeinde mit Rabbinerin Alina Treiger als Vorsängerin eine Kostprobe: Bei „Hava Nagila“ klatschten die Gäste mit. Eine Koranrezitation und eine Darbietung des Calypsochors von St. Marien stimmten jeweils auf die Schilderungen des muslimischen und des christlich-ökumenischen Paares ein.


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