Stühlerücken im Stadtrat Delmenhorst AfD-Nachrückerin verlässt als erste Handlung die Fraktion

Um die Sitze der AfD im Delmenhorster Stadtrat ist Bewegung gekommen. Symbolfoto: dpaUm die Sitze der AfD im Delmenhorster Stadtrat ist Bewegung gekommen. Symbolfoto: dpa

Delmenhorst. Zwei Austritte hat die AfD Delmenhorst im Stadtrat zu verkraften. Einer der beiden hat sich noch nicht offiziell bei der Stadt abgemeldet, und die Nachrückerin des Anderen setzte sich gar nicht erst zu der Fraktion.

Oberbürgermeister Axel Jahnz hat, das ist kein Geheimnis, wenig Sympathien für die AfD. Sein Händeschütteln für die Nachrückerin der AfD in den Stadtrat fiel so auch eigentümlich distanziert aus. Damit war sie, Elvira Jurk, 35, in den Stadtrat aufgenommen. Als Nachfolgerin des auf eigenen Wunsch ausgeschiedenen Jürgen Kühl. Und dann überraschte Jurk alle.

Nicht auf einer bestimmten Schiene

"Ich  werde mein Mandat fraktionslos und parteilos ausführen", sagte sie. Sie werde als Politik-Neuling viele Fragen haben und bitte um Unterstützung. In der Markthalle guckten viele erstaunt. Jurk setzte sich in die AfD-Reihe im hinteren Bereich des Rates, aber in einiger Entfernung zu den Politikern der Partei. Sie sei, sagte die frisch gebackene Politikerin in einer Besprechungspause, kein Mensch, der sich auf eine bestimmte Schiene drängen lasse. Angetreten war sie allerdings im Herbst 2016 zur Kommunalwahl dennoch als Kandidatin der AfD und heimste 340 Stimmen ein. Sich aufstellen zu lassen, dazu habe sie damals Jürgen Kühl animiert, für den sie auch direkt nachrückte. Kühl selbst wiederum hatte die AfD und den Rat im Sommer verlassen – nach eigenen Angaben, weil er eine andere Haltung in der Flüchtlingspolitik hat und lokale Themen vermisste. Laut dem damaligen Fraktionschef Lothar Mandalka hingegen habe er zu oft gefehlt und sei deshalb kritisiert worden.

Beschäftigung mit vielen sozialen Projekten

Jurk sagt, sie selbst habe sich mit der Partei AfD noch nie getroffen. Kühl habe in ihr eine gute Kandidatin gesehen, weil sie lange in Delmenhorst lebe und viel bewege – sie selbst sagt, sie liebe die Stadt und beschäftige sich als Sozialpädagogin mit vielen sozialen Projekten. Dazu gerate sie auch durch ihre Arbeit als Russisch-Übersetzerin beim Sozialamt.

Zwei fraktionslose Ratsmitglieder

Jurk ist damit – derzeit – die zweite fraktionslose Ratsfrau neben Antje Beilemann, die sich mit der Gruppe SPD&Partner überworfen hatte und dann ihr ehrenamtliches Bürgermeisteramt und den Stadtratsvorsitz niederlegte und obendrein die Fraktion verließ. Auch von seiner Fraktion distanziert hatte sich bei der Ratssitzung AfD-Mitglied Lothar Mandalka – zumindest räumlich. Er ließ zwei Plätze zwischen sich und den drei übrigen anwesenden Mitgliedern frei. Das will er auf Nachfrage unserer Zeitung nicht kommentieren. "Ob ich bleibe, entscheiden andere", sagte er nur. Bemerkenswert dabei: Der zweite der AfD, der neben Jürgen Kühl sein Ratsmandat niedergelegt hatte, Rainer Kutz, hat seinen Rücktritt nach wie vor noch nicht schriftlich bei der Stadt gemeldet. Erst dann würde eine Nachfolge gesucht werden. Nachrückerinnen hatte die Partei drei – jetzt nur noch zwei. 


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