Erinnerungen an Pionierzeit Wohnheim Fichtenstraße in Delmenhorst feiert 25-jähriges Bestehen

Carsten Sauerwein leitet das Wohnheim an der Fichtenstraße von Beginn an. Foto: Marco JuliusCarsten Sauerwein leitet das Wohnheim an der Fichtenstraße von Beginn an. Foto: Marco Julius

Delmenhorst. Carsten Sauerwein hat die Zeit noch genau vor Augen, als das Wohnheim Fichtenstraße im November 1994 von den ersten acht Patienten bezogen wurde. Annähernd 25 Jahre ist das jetzt her. Ein Rückblick.

Carsten Sauerwein hat die Zeit noch genau vor Augen, als das Wohnheim Fichtenstraße im November 1994 von den ersten acht Patienten bezogen wurde. Annähernd 25 Jahre ist das jetzt her. „Wir sind am 1. November 1994 in einer gewissen Pionierstimmung gestartet“, sagt Sauerwein, damals wie heute Leiter im Einrichtungsverbund des Bezirksverbandes Oldenburg, Träger des Heimes, das von der Stiftung Kloster Blankenburg betrieben wird.

Spannende Startphase

Eine total spannende Zeit sei das gewesen. Die Einrichtung für psychisch kranke Menschen, die einer Begleitung und Förderung bei ihrer Alltagsbewältigung bedürfen, war nämlich noch eine Baustelle, als es los ging. „Es gab viele Verzögerungen bei den Bauarbeiten. Aber wir mussten nunmal starten. Es gab viel zu tun. Anfangs haben wir mit Mitarbeitern auch Nächte im Haus verbracht. Auf Isomatten, in Schlafsäcken, abends gemeinsam Pizza bestellt. Das Team war unheimlich motiviert.“

Die Zahl der Teilnehmer, wie die Bewohner der Einrichtung auch genannt werden, stieg schnell. Im März 1995 waren dann erstmals alle 30 Plätze belegt. Die Ziele, die die Einrichtung verfolgt, sind bis heute die selben geblieben. Sauerwein benennt die Kurzfassung: „Wir bieten verschiedene Möglichkeiten der Unterstützung, um unseren Bewohnerinnen und Bewohnern ein Leben in unserer Gesellschaft zu ermöglichen. Im Vordergrund steht dabei vor allem die soziale sowie die berufliche Wiedereingliederung und Verselbstständigung.“ Jeder Mensch habe ein Recht auf Teilhabe. „Natürlich auch die Menschen, die es aus der Bahn geworfen hat, die eine psychische Beeinträchtigung haben“, sagt Sauerwein. „Wir hatten und haben viele Bewohner, die ein unheimliches Potenzial haben, die nach einem halben Jahr bei uns so stabil sind, dass wir sie entlassen können“, beschreibt Sauerwein den Idealfall. 

Lebensbegleitende Einrichtung

Das Wohnheim sei mit seinem Wohn- und Therapieangebot als lebensbegleitende Einrichtung zu verstehen und solle dem sogenannten Drehtür-Effekt entgegenwirken, diesem Kreislauf, der im ungünstigsten Fall immer wieder in die Klinik führe. Es gibt Bewohner, und es sind nicht wenige, die bleiben bis ins hohe Alter an der Fichtenstraße, wo es heute sechs Wohngruppen à fünf Personen gibt, acht weitere Bewohner, die bereits selbstständiger sind, leben zudem in einer Außengruppe, ebenfalls an der Fichtenstraße. Die älteste Bewohnerin ist Mitte 70. Aufgenommen werden nur Menschen, die volljährig sind. „Wir haben heute viele Bewohner im Alter von 20 bis Ende 20 und im Alter von 60 bis 65. Das müssen wir moderieren, in den Wohngruppen versuchen wir, Altersgruppen zu bilden“, sagt Sauerwein. Das Wohnheim, das sagen die Bewohner selbst, gibt ihnen Sicherheit durch die Betreuer und die Mitbewohner.

13 Mitarbeiterstellen, verteilt auf knapp über 20 Mitarbeiter, hat das Wohnheim aktuell zur Verfügung. „Ein tolles Team“, sagt Sauerwein. „Aber so langsam macht sich auch bei uns der Fachkräftemangel bemerkbar, wenn wir Stellen ausschreiben.“

Gemeinsame Feier in der Markthalle

Sauerwein richtet den Blick aber nach vorn. Erst einmal soll nämlich das 25-jährige Bestehen gefeiert werden. Und mit ein bisschen Mathematik ist sogar eine Feier zum 60-jährigen Bestehen daraus geworden: Am Mittwoch, 20. November, 14 bis 18 Uhr, feiern in der Markthalle nämlich gleich drei Einrichtungen, die eng miteinander kooperien: Neben den 25 Jahren Fichtenstraße kommen dann noch 20 Jahre Tagesstätte Delta und 15 Jahre Solandis (Soziale Dienstleistungen im Oldenburger Land) hinzu. Wegbegleiter, Unterstützer und Interessierte sind eingeladen. Festakt, Wortbeiträge, Musik von der Band „Hobbyraum“, Speisen und Getränke – es soll eine angemessene Feier werden. Und sicher wird dann auch die Pionierzeit mit Pizza auf der Isomatte in Gesprächen lebendig.


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