Medialab Delmenhorst eröffnet Mit digitalen Angeboten werden sogar Jungs zu Leseratten

Stellten das Medienlab vor (hinten von links) Kai Ströhmer (Familienzentrum Villa), Katharina Martens (Jugendhaus Wittekindstrße), Bianca Leister (Jugendhaus Casa Blanca), Mario Berger-Naujoks (Fachdienst Jugendarbeit), (vorne von links) Eva Kowalzik und Elisabeth Kilic (Jugendhaus Sachsenstraße) sowie die Leiterin de r Stadtbücherei Anika Schmidt. Foto: Stefanie Jürgensenrina Martens (Jugendhaus Wittekindstrße), Bianca Leister (Jugendhaus Casa Blanca), Mario Berger-Naujoks (Fachdienst Jugendarbeit), (vorne von links) Eva Kowalzik und Elisabeth Kilic (Jugendhaus Sachsenstraße) sowie die Leiterin de r Stadtbücherei Anika Schmidt. Foto: Stefanie JürgensenStellten das Medienlab vor (hinten von links) Kai Ströhmer (Familienzentrum Villa), Katharina Martens (Jugendhaus Wittekindstrße), Bianca Leister (Jugendhaus Casa Blanca), Mario Berger-Naujoks (Fachdienst Jugendarbeit), (vorne von links) Eva Kowalzik und Elisabeth Kilic (Jugendhaus Sachsenstraße) sowie die Leiterin de r Stadtbücherei Anika Schmidt. Foto: Stefanie Jürgensenrina Martens (Jugendhaus Wittekindstrße), Bianca Leister (Jugendhaus Casa Blanca), Mario Berger-Naujoks (Fachdienst Jugendarbeit), (vorne von links) Eva Kowalzik und Elisabeth Kilic (Jugendhaus Sachsenstraße) sowie die Leiterin de r Stadtbücherei Anika Schmidt. Foto: Stefanie Jürgensen

Delmenhorst. Die Stadtbücherei und das medienpädagogische Zentrum werden um eine Attraktion reicher: Das Medialab. Jugendliche gerade aus bildungsferneren Elternhäusern sollen dort ihre Kompetenzen im Umgang mit neuen Medien stärken.

Sie sieht ein bisschen unscheinbar aus, die selbstgebastelte Brille aus weißem Papier. Aber wer sie richtig zusammenbaut und vor allem die mitgelieferten Linsen korrekt einsetzt, kann mit ihr großen Spaß haben. „Die VR-Brille zum Selberbasteln wird unser erstes Thema im Medialab sein“, verspricht Anika Schmidt, die Leiterin der Stadtbücherei. VR steht für virtuelle Realität. Vereinfacht gesagt: Mithilfe der Brille und einer speziellen App auf dem Smartphone lassen sich tolle Dinge erleben, beispielsweise eine Achterbahnfahrt, die sich ziemlich echt anfühlt. Ab dem 24. Oktober haben Delmenhorster Jugendliche ab 12 Jahren die Möglichkeit, jeden Donnerstag um 16 Uhr digitale Medien, Geräte, Apps und Fachliteratur kennenzulernen. Und das kostenlos. Möglich wird das durch einen Fördertopf der Stiftung Lesen, die die digitale Bildung Jugendlicher unterstützen möchte. „Wir haben uns sofort mit einem Konzept beworben, um aus diesem Topf Geräte und Fördergelder zu bekommen“, sagt Anika Schmidt.

Nicht zu viel vorgeben

Neben der Delmenhorster Stadtbücherei gibt es bisher 34 weitere Medialabs bundesweit – 100 sollen es einmal werden. Momentan ist der Delmenhorster Standort einer von neun in Niedersachsen. Die Förderung läuft bis zum Jahr 2022. „Wir konnten aus einer Grundausstattung an Materialien wählen und bekommen jährlich 1000 Euro, um Ehrenamtliche im Medialab beschäftigen zu können“, so die Leiterin der Stadtbücherei. Pro Jahr sollen künftig zwei bis drei Jugendliche mithelfen, die Teilnehmer am Medialab zu unterstützen. Ansonsten gilt das Motto: „Entdecken, tüfteln, weitersagen“. Anders als in der Schule soll im Medialab nicht zu viel vorgegeben werden, auch auf theoretische Einführungen oder Anweisungen wird verzichtet. Die Jugendlichen sollen die digitalen Welten und ihre Möglichkeiten selbst entdecken. Neben den VR-Brillen können sie beispielsweise kleine Computerspiele programmieren oder Ozobot auf Reisen schicken: Der kleine, kugelige Roboter mit Rädern kann Farben erkennen. Er lässt sich so programmieren, dass er beispielsweise auf einem schwarzen Strich geradeaus fährt und bei einem roten Punkt auf der Fahrbahn eine Drehung macht.

Extra für Jugendliche aus bildungsferneren Familien

„Die Jugendlichen sind schon jetzt begeistert und freuen sich“, sagt Kai Ströhmer vom Familienzentrum Villa, „vor allem die Jungs!“ Die Delmenhorster Jugendhäuser kooperieren bei dem Projekt, werden mit „ihren“ Jugendlichen immer abwechselnd die Angebote in der Stadtbücherei besuchen. So sollen vor allem Jugendliche erreicht werden, die aus bildungsferneren Elternhäusern kommen und denen oft das Geld für digitale Geräte fehlt. „Bei dem Angebot wird die digitale Welt mit der analogen verknüpft“, erklärt Bianca Leister vom Jugendhaus Casa Blanca. Die Jugendlichen sollen also nicht nur „daddeln“, sondern auch basteln, bauen – und lesen. „Mit solchen Angeboten lässt sich die Lesekompetenz gerade bei Jungen fördern, weil sie eben doch einmal die Bedienungsanleitung zur Hand nehmen oder etwas in Büchern oder im Netz nachlesen müssen“, sagt Kai Ströhmer.

Projekt soll nachhaltig sein

Trotz der Zusammenarbeit mit den Delmenhorster Jugendhäusern richtet sich das Medialab ausdrücklich an alle Delmenhorster Jugendlichen ab 12 Jahren – auch an die, die allein kommen. Rund 20 Plätze gibt es, jedes Thema wird an drei aufeinanderfolgenden Donnerstagen behandelt. Kai Ströhmer will in der Villa zusätzlich die passenden Themenschwerpunkte setzen, „damit das Projekt auch nachhaltig ist.“ Denn, darüber sind sich die Leiterin der Stadtbücherei und die Mitarbeiter der Jugendhäuser einig: „Es gibt eine Notwendigkeit, die digitale Welt zu verstehen, das ist heutzutage eine Schlüsselkompetenz.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN