Bewährungsstrafe für Delmenhorster Nach der Taxifahrt dem Fahrer das Messer an die Kehle gehalten

Von Ole Rosenbohm

Nach der Fahrt bedrohte der Jugendliche den Fahrer mit einem Messer. Symbolbild: imago stock&peopleNach der Fahrt bedrohte der Jugendliche den Fahrer mit einem Messer. Symbolbild: imago stock&people

Delmenhorst. Mit einem Messer bedrohte ein Jugendlicher einen Taxifahrer nach der Fahrt von Bremen nach Delmenhorst. Deshalb stand er jetzt vor Gericht. Der Taxifahrer reagierte erstaunlich gelassen.

Das Geld für die Taxifahrt von Bremen nach Delmenhorst hatte er nicht, stattdessen hielt der damals 16-Jährige vor seinem Zuhause dem Fahrer ein Messer an die Kehle und verlangte dessen Tageseinnahmen. Jetzt, ein gutes Jahr nach der Tat, wurde der Jugendliche vom Amtsgericht Delmenhorst wegen versuchter räuberischer Erpressung zu umfangreichen Betreuungsmaßnahmen und einem Jahr Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. 

Der heute 17-Jährige hatte dem Taxifahrer ursprünglich erzählt, er müsse das Geld für die Fahrt aus seiner Wohnung holen. Nach der Ankunft kam er auch tatsächlich wieder und setzte sich auf die Rückbank. Er zückte aber anstelle seines Portemonnaies das Küchenmesser.

Fahrer reagiert kaltblütig

Der Taxifahrer reagierte bemerkenswert kaltblütig. Statt in Panik zu verfallen, soll er, berichtete ein Gerichtssprecher aus der nichtöffentlichen Verhandlung, die Klinge sogleich von sich geschoben haben, dass das Messer letztlich zu Boden fiel. Der junge Fahrgast flüchtete, und noch in derselben Nacht wurde er von der Polizei verhaftet. Der Delmenhorster war angetrunken und stand unter Drogeneinfluss. Er war wohl schon während der Tat berauscht, wie das Jugendschöffengericht feststellte und in seinem Urteil würdigte.

Mehrere Urteile haben keine Ruhe gebracht

In der Verhandlung ging es zudem um weitere Taten des Angeklagten: Auf dem letzten Delmenhorster Stadtfest hatte er zwei Polizisten beleidigt, zudem konnten ihm zwei Fahrten im Auto nachgewiesen werden. Einen Führerschein besaß er als damals 16-Jähriger natürlich nicht. Gerichtsbekannt ist der 17-Jährige auch schon. Zur Ruhe hat ihn aber offenbar noch kein Urteil gegen sich bringen können. Die vom Gerichtssprecher nicht näher dargestellten Betreuungsmaßnahmen sind auf ein knappes Jahr angelegt.

Mehr Erziehungsmaßnahmen als Strafe

Entscheidend im Jugendstrafrecht ist der Erziehungsgedanke, der auch in diesem Urteil maßgebend für das Gericht war: Während ein Erwachsener entsprechend des jeweiligen Strafrahmens bestraft wird, sollen Jugendliche und Heranwachsende eher durch erzieherische Maßnahmen als durch Haft auf die sogenannte richtige Bahn gelenkt werden. Allerdings: Beteiligt sich der 17-Jährige nicht an den angeordneten Maßnahmen, würde er gegen die Bewährungsauflagen verstoßen und damit doch eine Einweisung ins Jugendgefängnis riskieren.


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