Kolumne Quergedacht: Keiner ist mehr wie Jesus

Bier? Ja! Radler? Ok! Saures Radler. Neinneinnein! Foto: Matthias Balk/dpaBier? Ja! Radler? Ok! Saures Radler. Neinneinnein! Foto: Matthias Balk/dpa

Delmenhorst. In der neuen Folge unserer stets süffigen Kolumne "Quergedacht" geht es um Wein, Radler und eine WM in Katar.

Ein Hellseher, der nicht schwarz sieht, der hat in diesen Tagen seinen Beruf weit verfehlt. Es ist, man kann das nur wiederholen, Hopfen und Malz längst verloren auf dieser einst so schönen Welt. Beispiel gefällig? Die Weltmeisterschaft in Katar, so stimmungsvoll wie ein Nachmittag bei Beerdigungskuchen und so heiß wie ein Mittagsschlaf im Backofen! Man möchte fluchen wie der zum Sprichwort gewordene Bierkutscher. Früher, da gab es zumindest noch Jesus. Der konnte von einen Augenblick auf den anderen Wasser in Wein verwandeln. Eine prima Sache zu einer Zeit, als man noch nicht an 24-Stunden-Tankstellen zu jeder Zeit leicht an Alkoholika kam. 

Aussterbende Kunst

Doch die Kunst des Verwandelns, die beherrscht heute kaum noch jemand. Und wenn irgendwer irgendwas verwandelt, dann geht es meist nach hinten los. Anders lassen sich die neuesten Nachrichten aus Bayern nicht deuten. Beim Oktoberfest ist in diesem Jahr nämlich eine Mischung zum Trend geworden, die als „saures Radler“ über den Tresen ging. Ein Bier gemischt nicht etwa mit Limonade, wie es ja gerade noch angehen mag, sondern mit, jetzt kommt es: Wasser! Und das verkauft sich! Hieß es nicht immer, wenn etwas keinen Absatz fand, das verkaufe sich wie Sauerbier? Jetzt also saures Radler als Verkaufsschlager. Das Ende ist nah. Ich will hier wirklich keinen Wasser in den Wein gießen und die Feststimmung vermiesen. Aber Wasser ins Bier? Eine Bierschorle? Was soll jetzt noch kommen? Bananensaft im Weizen? Ach, das gibt es ja auch schon längst.

Man möchte auf der Stelle dicke Tränen in sein Glas weinen, wenn einem das Bier dafür nicht viel zu schade wäre.


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