Worauf es bei ungelernten Kräften ankommt Ferienende gibt Arbeitsmarkt in Delmenhorst kräftigen Schub

Das Ferienende hat für Leben auf dem Delmenhorster Arbeitsmarkt gesorgt, berichtet die örtliche Agentur für Arbeit. Symbolfoto: Jan Woitas/dpaDas Ferienende hat für Leben auf dem Delmenhorster Arbeitsmarkt gesorgt, berichtet die örtliche Agentur für Arbeit. Symbolfoto: Jan Woitas/dpa
Jan Woitas

Delmenhorst. Von einer „kräftigen Herbstbelebung“ und einem guten Monat mit viel Bewegung auf dem Delmenhorster Arbeitsmarkt spricht die Geschäftsstellenleiterin der hiesigen Agentur für Arbeit Karin Kayser.

Zu dieser Entwicklung nach dem Ferienende tragen Schüler bei, die nach dem Abschluss nun in die Ausbildung oder an die Universität wechseln, und ausgelernte Auszubildende, die jetzt eine Arbeitsstelle antreten. „Außerdem ist nach dem Ende der Urlaubszeit auch die Zahl der Stellenmeldungen und Neueinstellungen gestiegen“, ergänzt Kayser.

In Zahlen ausgedrückt sieht der positive Trend auf dem Arbeitsmarkt in Delmenhorst und Ganderkesee so aus: Die Zahl der Arbeitslosen im Agenturbezirk Delmenhorst ist im Vergleich zum August um 309 Personen oder 6,9 Prozent gesunken. 4178 (September 2018: 4077) Frauen und Männer sind arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote liegt somit im September bei 7,5 Prozent (September 2018: 7,2 Prozent).

Gut 3600 Menschen in Delmenhorst ohne Arbeit

3606 Arbeitslose entfallen dabei auf die Stadt Delmenhorst, 572 auf die Gemeinde Ganderkesee. In der Stadt Delmenhorst sind 257 Menschen oder 6,7 Prozent weniger arbeitslos als noch im August. Bei den unter 25-Jährigen, von denen viele in eine Ausbildung starten, fällt die Verbesserung mit 10,1 Prozent weniger arbeitslos Gemeldeten noch deutlicher aus.

Die Arbeitslosenquote liegt in Delmenhorst nun insgesamt bei 9,3 Prozent. Vor einem Jahr, im September 2018, sah es allerdings noch besser aus: Damals gab es 155 Arbeitslose (4,5 Prozent) weniger als aktuell und die Arbeitslosenquote lag bei 8,8 Prozent.

Noch keine Anzeichen für abflauende Konjunktur in der Stadt

Für Geschäftsstellenleiterin Kayser überwiegen insgesamt dennoch die positiven Impulse, allen negativen Konjunktur-Prognosen zum Trotz. Da bewahrheite sich die Erkenntnis, dass der Arbeitsmarkt „zeitverzögert auf konjunkturelle Veränderungen reagiert“. Selbst frühe Anzeichen für eine abflauende Konjunktur – etwa, dass sich mehr Menschen arbeitssuchend melden – gibt es in Delmenhorst nach Kaysers Erkenntnissen bisher nicht.

Im Gegenteil verzeichnet die örtliche Arbeitsagentur eine wachsende Zahl an Beschäftigten, die in Zeiten des Fachkräftemangels die Chance für einen Jobwechsel nutzen und, so Kayser, „nach neuen Möglichkeiten für ihren Berufsweg suchen“. Stellen gibt es durchaus: Der Arbeitgeberservice berichtet im September von 671 gemeldeten offenen Arbeitsstellen, 46 verfügbare Stellen mehr als noch im August. 190 offene Stellen kamen im Monat September neu hinzu, 108 waren es im Vormonat.

Besonders viele Arbeitskräfte werden in den Bereichen Produktion und Fertigung gesucht. Die zweitgrößte Nachfrage gibt es in den Bereichen Gesundheit, Soziales, Lehre und Erziehung. Gebraucht werden aber auch Bewerber für Berufe rund um Verkehr und Logistik.

Enger Arbeitsmarkt für ungelernte Helfer

Eng ist der Arbeitsmarkt nach Beobachtung der Arbeitsagentur hingegen für Frauen und Männer, die eine Helferstelle suchen. „Nur etwa jede sechste Stelle, die uns gemeldet wird, ist eine Stelle für ungelernte Kräfte“, erklärt Karin Kayser, „und auch hier wünschen sich Arbeitgeber bestimmte Fertigkeiten und Fähigkeiten, wie etwa Führerschein, Gabelstaplerschein und Kenntnisse im Umgang mit dem PC“. Trotzdem gebe es in Delmenhorst noch Möglichkeiten für Helfer, besonders wenn sie mobil seien und entlegenere Arbeitsorte erreichen können, auch wenn der Schichtbeginn nicht zu den Fahrzeiten im öffentlichen Nahverkehr passt.

Gesunken ist auch die Zahl der arbeitslos gemeldeten Geflüchteten in der Stadt. Sie fiel um 67 auf 446 Geflüchtete ohne Arbeit – das macht 12,4 Prozent aller Arbeitslosen im Agenturbezirk aus. Weitere 577 geflüchtete Frauen und Männer, 53 mehr als im August, werden im September als arbeitssuchend geführt, weil sie aktuell Integrationskurse oder Qualifizierungsmaßnahmen absolvieren oder auch mit geringer Stundenzahl erwerbstätig sind und parallel nach einer ganzen Arbeitsstelle suchen. „Diese Steigerung ist nach der Sommerpause normal“, ordnet Geschäftsstellenleiterin Karin Kayser ein.

 Geringfügig zurückgegangen ist laut Kayser die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter. Nach den aktuellsten belastbaren Daten von Ende März sank ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr um 136 (oder 0,7 Prozent) auf 20578.

Die Lage in Niedersachsen und Bremen

Die Zahl der Arbeitslosen in Niedersachsen sank mit dem Ferienende im September auf 212807. Ein Jahr zuvor waren im September 5716 Frauen und Männer mehr ohne Arbeit. Und in diesem August, waren sogar noch 11220 Menschen mehr arbeitslos. „Im Herbst nehmen viele junge Erwachsene eine Ausbildung auf und melden sich aus der Arbeitslosigkeit ab“, erklärt Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen. Die Arbeitslosenquote fiel damit erneut auf die Tiefmarke von 4,9 Prozent, 0,2 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. Dennoch sieht Höltzen-Schoh auch „gedämpfte Konjunktursignale“, etwa die schrumpfende Zahl offener Stellen, vor allem für Ungelernte. Dass der Arbeitsmarkt besonders für Menschen ohne Berufsabschluss schwieriger geworden ist, bestätigen auch die Zahlen aus Bremen. Hier ist die Arbeitslosigkeit von August bis September um 1178 Menschen auf 35993 Arbeitslose gesunken. Die Arbeitslosenquote fiel damit um 0,3 Prozentpunkte auf 10 Prozent. Im Vergleich zum September 2018 ist das jedoch ein Zuwachs um 0,3 Prozentpunkte beziehungsweise um 1519 Arbeitslose. Für die 24255 Arbeitslosen ohne Berufsausbildung kamen laut Arbeitsagentur 1118 Helferstellen in Frage – 14,1 Prozent weniger als vor einem Jahr. 


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