Familiengeschichte von Maler und Dichter beleuchtet Auf den Spuren Arthur Fitgers und seiner Familie

Von Jasmin Johannsen

Nahmen die Geschichte der Familie Fitger in den Fokus: Friedrich Hübner (Förderverein),  Heinrich Fitger, Nachfahre von Arthur Fitgers Bruders Emil, und der Hobby-Historiker Herbert Frommeyer. Foto: Jasmin JohannsenNahmen die Geschichte der Familie Fitger in den Fokus: Friedrich Hübner (Förderverein), Heinrich Fitger, Nachfahre von Arthur Fitgers Bruders Emil, und der Hobby-Historiker Herbert Frommeyer. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. An Brauereien oder die Watergate-Affäre denkt man wohl selten, wenn der Name Fitger fällt. Dass auch die Verwandten Arthur Fitgers interessante Leben führten, zeigten Vorträge am Sonntag im Turbinenhaus.

Arthur Fitger gilt als einer der berühmtesten Söhne der Stadt und ist wohl so ziemlich jedem Delmenhorster ein Begriff. Dass seine Familienmitglieder ebenso bewegte Leben führten wie der Maler und Dichter selbst, ist aber wahrscheinlich nur wenigen bekannt. Die 31. Ausgabe des Museumfestes, das der Förderkreis Industriemuseum jährlich veranstaltet, war am Sonntag für drei Vortragende Anlass, um sich in der Turbinenhalle vor rund 25 Zuhörern der Familie Fitger aus ganz unterschiedlichen Perspektiven zu nähern.

Hanseatischen Kunstgeschmack um 1900 nachhaltig mitgeformt

Während Christine Renken, Mitglied des Bremer Theaters Interaktiwo, einen Abriss der Lebensgeschichte Arthur Fitgers präsentierte und auch auf dessen musisches Wirken einging, legte der Delmenhorster Hobbyhistoriker Herbert Frommeyer in seinem Vortrag den Fokus auf Fitgers Verwandte in Übersee. Heinrich Fitger, Nachfahre von Arthur Fitgers Bruders Emil, gab abschließend einen persönlicheren Einblick in die Herkunftsgeschichte der Familie Fitger.

Arthur Fitger hat den hanseatischen Kunstgeschmack um 1900 nachhaltig mitgeformt und bewegt wohl auch aus diesem Grund 110 Jahre nach seinem Tod immer noch viele Menschen. Herbert Frommeyer hält der Künstler und dessen Familiengeschichte schon seit längerem gefangen. Der Delmenhorster spürt alte Zeitungsberichte auf und erkundet in Archiven die Historie der Familie Fitger. Mit Erfolg: Bis ins frühe 18. Jahrhundert kann er inzwischen die Familiengeschichte zurückverfolgen. 

Vater von zehn Kindern

Begründer der Delmenhorster Dynastie sei Heinrich Fitger gewesen, berichtete Frommeyer in seinem Vortrag. Geboren in Lilienthal zog es ihn um 1800 nach Delmenhorst. „Hier führte er den Gasthof ,Zur Stadt Copenhagen’ an der Langen Straße, heute befindet sich dort die Schauburg“, erzählte Frommeyer. Der spätere Postmeister und Ratsherr war nicht nur Inhaber des Fitger-Hauses am Marktplatz, sondern auch der Großvater von Arthur Fitger und dessen neun Geschwistern.

Frommeyer, der eigens für seinen Vortag eine Ahnentafel der Familie Fitger erstellt hatte, entwirrte die kinderreichen Familienstränge und beleuchtete vor allem die Geschwister Arthur Fitgers, die als Auswanderer in den USA ein neues Leben begangen. Allen voran machte sich August Fitger – jüngster Bruder Arthurs – einen richtigen Namen in der neuen Heimat. Und zwar als erfolgreicher Bierbrauer in Minnesota.

Starkes Heimweh nach der alten Heimat

 „Das Brauereigebäude existiert auch heute noch“, erklärte Frommeyer. Inzwischen wird dort allerdings kein Bier mehr hergestellt, das Gebäude dient – malerisch am Lake Superior gelegen – als Hotel und Restaurant. August Fitger litt zeitlebens an starkem Heimweh, schrieb nicht nur regelmäßig Briefe nach Hause, sondern verewigte seine Delmenhorster Heimat auch künstlerisch. „Er gab ein Wandbild, das das Fitgerhaus darstellte, in Auftrag und zwar für seinen Saloon“, wusste Frommeyer.

Bis in die höchsten politischen Kreise führte es dagegen einen anderen Nachfahren der Fitgers, berichtete der Hobbyhistoriker. Harry Robbins „Bob“ Haldeman, Nachkomme von Solomon Henry Fitger, war in den Siebzigerjahren nicht nur Stabschef des Weißen Hauses unter Richard Nixon, sondern auch einer der „Drahtzieher in der Watergate-Affäre“, so Frommeyer. 

Auch nach jahrelangem Recherchieren sieht der Hobbyhistoriker immer noch Forschungsbedarf, wenn es um die Fitgers geht. „Meine Arbeit ist noch nicht beendet“, meinte er.

Heinrich Fitger konnte da nur zustimmen: „Sie haben schon so viel Licht und Helligkeit in unsere Geschichte gebracht, bitte machen Sie weiter.“


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