Jahrestreffen in Delmenhorst Über die Zukunft der Automobilindustrie

Geballte Kompetenz in der Metropolregion Nordwest: Bei der Jahrestagung von Automotive Nordwest bei der TCC Car Components GmbH in Delmenhorst kamen Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Institutionen zusammen, um über künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Bereich Automotive zu diskutieren. Foto: Frank GaydeGeballte Kompetenz in der Metropolregion Nordwest: Bei der Jahrestagung von Automotive Nordwest bei der TCC Car Components GmbH in Delmenhorst kamen Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Institutionen zusammen, um über künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Bereich Automotive zu diskutieren. Foto: Frank Gayde

Delmenhorst. Bei der Jahrestagung von Automotive Nordwest bei der TCC Car Components GmbH in Delmenhorst sind Vertreter aus Wirtschaft, Verwaltung und Institutionen zusammengekommen, um über künstliche Intelligenz und Digitalisierung im Bereich Automotive zu diskutieren.

Digitalisierung und künstliche Intelligenz stellen die Automobilindustrie vor große Herausforderungen. Die Branche steckt in einem Wandel vom reinen KFZ-Gewerbe zum Mobilitätsanbieter, für die Akteure vom Hersteller bis zum Händler geht es darum, den digitalen Anschluss nicht zu verlieren. Wie ihnen das gelingen kann und welche Chancen und Risiken Digitalisierung und künstliche Intelligenz mit sich bringen, wurde auf der Jahrestagung des Clusters Automotive Nordwest e.V. lebhaft diskutiert. Am Mittwoch, dem 25. September 2019, waren rund 100 Teilnehmer bei der TCC Car Components GmbH in Delmenhorst zusammen gekommen, um sich nach mehreren Vorträgen und einer Podiumsdiskussion zum Thema auszutauschen und weiter zu vernetzen.

Wichtigster Industriezweig

Hans-Georg Tschupke, Abteilungsleiter Innovation, Industrie, Digitalisierung bei der Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Europa, sprach in Vertretung für Senatorin Kristina Vogt und betonte die Herausforderungen, die die Digitalisierung mit sich bringt: „Die Automobilindustrie ist einer der wichtigsten Industriezweige im Nordwesten. Neue Mobilitätsangebote und Elektromobilität sind die Themen, die die Industrie antreiben. Die Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz spielen dabei wesentliche Rollen. Insbesondere für die große Anzahl von mittelständischen Unternehmen der Zulieferer- und Dienstleistungsindustrie bedeutet dies eine große Herausforderung.“

Sich gegenseitig inspirieren

Die Metropolregion Nordwest, die die Jahrestagung gefördert hat, wurde durch ihren 2. Vorsitzenden Harald Emigholz vertreten: „Ich finde es sehr spannend, wie sich Planungs- und Produktionsprozesse durch die Digitalisierung entwickeln. Mit der künstlichen Intelligenz kommt noch eine weitere Ebene dazu. Wichtig ist, dass wir durch Veranstaltungen wie diese immer wieder Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Verwaltung zusammenbringen und ihnen die Chance geben, voneinander zu lernen und sich gegenseitig zu inspirieren.“

Länder kooperieren

Dr. Niels Kämpny vom Niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Digitalisierung machte deutlich, dass die Länder künftig noch enger zusammen arbeiten werden: „Die Länder Bremen, Hamburg und Niedersachsen haben vereinbart, sich zu einer Norddeutschen Allianz Automotive zusammenzuschließen. Auf dieser Grundlage soll die norddeutsche Zusammenarbeit stärker als bisher themen- und projektbezogen stattfinden. Niedersachsen wird zur Unterstützung insbesondere der Automotive Cluster im Nordwesten im nächsten Jahr eine Landesagentur Automotive einrichten. Zu den Aufgaben der Landesagentur wird unter anderem die Unterstützung der regionalen Cluster bei Projekten und die Stärkung des Standortmarketings gehören. Die Landesagentur Automotive wird beim Innovationszentrum Niedersachsen angesiedelt.“

Tempo zieht an

Ralf Kross ist Leiter der Organisatorischen Einheit Digitale Fabrik und der Montageplanung bei Volkswagen in Emden. Anhand seiner Erfahrungen aus der Praxis verdeutlichte er, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf bestehende Produktions- und Planungsprozesse haben kann und wie unter anderem Infrastruktur, Kommunikation und Weiterbildung mit der Veränderungsgeschwindigkeit Schritt halten müssen.

Roland Becker, Geschäftsführer der Just Add AI GmbH und Initiator von BREMEN.AI, dem Cluster für künstliche Intelligenz, sprach darüber, wie künstliche Intelligenz funktioniert und dass sie weit mehr kann als bestehende Prozesse effizienter zu gestalten. Vielmehr geht es darum, Probleme neu zu denken und ganz anders zu lösen als bisher.

Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine

Intelligente Logistik als Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine war das Thema von Zoran Smolic, der in der Geschäftsführung der DIRKS Group die Bereiche Defence & Security und Industrial verantwortet. Er sprach über die intelligenten Systeme, mit denen man den sich verändernden technischen Anforderungen gerecht werden kann, und über die dafür notwendige Qualifizierung von Mitarbeitern.

Dr. Nils Haldenwang, Business Manager Machine Learning bei "Salt and Pepper", nahm das maschinelle Lernen als Teilgebiet der künstlichen Intelligenz in den Fokus. Nach einer Einführung ins Thema veranschaulichte er anhand von Beispielen aus der Praxis, wie viel Potenzial in dieser Technologie steckt.

Welche Herausforderungen und Chancen künstliche Intelligenz im Fahrzeugwerk mit sich bringt und wie sich die Produktkomplexität insgesamt erhöht, verdeutlichte Christian Ahrens, der unter anderem die Einführung neuer Fahrzeugprodukte im Mercedes Benz-Werk Bremen verantwortet.

Diskussion auf dem Podium

Im Anschluss an die Vorträge sprachen die Referenten in einer Podiumsdiskussion über weitere Aspekte von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz in der Automobilbranche. Die Diskussion wurde von Dr. Marian Köller aus der Geschäftsleitung der Digitalagentur Niedersachsen, die die Veranstaltung ebenfalls unterstützt hat, moderiert.

Schneller als der Mensch

Dabei ging es unter anderem um die Fehlerakzeptanz und warum man von Maschinen und künstlicher Intelligenz immer 100 Prozent Leistung und richtige Ergebnisse erwarte, während Menschen eine gewisse Fehlerquote zugestanden werde. Vom „generellen Selbstdenken“ sei die künstliche Intelligenz noch weit entfernt, aber in ihrer „trainierten Nische“ sei sie jeweils deutlich schneller und besser als der Mensch. Aber mit welchen Auswirkungen, wenn sie eine Entscheidung treffe und zum Beispiel bei einer Unterbrechung in der Logistikkette automatisch die Ware nachordere? Man müsse von Fall zu Fall den Nutzen und die Wirtschaftlichkeit künstlicher Intelligenz prüfen, so die Meinung auf dem Podium, und man könne ihr zudem Regeln „beibringen“, um bestimmte Folgen zu verhindern. Insgesamt habe sie gerade auch für die Automobilindustrie ein „riesiges Potenzial, das buchstäblich auf der Straße liege".


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