Lalelu begeistert in Delmenhorst Mit dem „King“ zum Tinder-Date

Von Jasmin Johannsen

Die komplizierten Beziehungen zwischen Männern und Frauen besingen (v.li.) . Jan Melzer, Tobias Hanf, Sanna Nyman und Frank Valet. Foto: Jasmin JohannsenDie komplizierten Beziehungen zwischen Männern und Frauen besingen (v.li.) . Jan Melzer, Tobias Hanf, Sanna Nyman und Frank Valet. Foto: Jasmin Johannsen

Delmenhorst. A-cappella auf höchstem Niveau: Die Hamburger Band Lalelu servierte am Mittwochabend im Kleinen Haus mit ihrem Programm „Die Schönen und das Biest“ eine Mischung aus Musik und Comedy.

Passen Männer und Frauen etwa doch zueinander? Kann es im Zeitalter von Dating-Apps wie Tinder und Parship überhaupt noch die große Liebe geben? Und wie sollte eine Liebeserklärung aussehen? Mit der Liebe hat sich die A-cappella-Comedy-Gruppe Lalelu ein schier unerschöpfliches Thema für das neue Programm „Die Schönen und das Biest“ ausgewählt. Auf Einladung des städtischen Kulturbüros stand das Hamburger Quartett am Mittwochabend auf der Theaterbühne und präsentierte vor knapp 440 Zuschauerinnen und Zuschauern die bewährte Mischung aus erstklassigem Gesang, eindrucksvollen Parodien und klamaukigen Sprüchen. Ein Mix, über den sich das Publikum bestens amüsieren konnte.  

15 abendfüllende Programme

Seit 25 Jahren tingelt Lalelu bereits über die Bühnen Deutschlands, in der Zeit sind 15 abendfüllende Programme entstanden und die Gruppe hat sich weit über Hamburg hinaus einen Namen gemacht. Auch das neueste Programm der aktuellen Besetzung – Sanna Nyman (Mezzosopran), Frank Valet, Jan Melzer (beide Bariton) und Gründungsmitglied Tobias Hanf (Bass) – enttäuschte nicht. Das lag zum einen an dem zweifellos großen musikalischen Talent der vier Künstler. Instrumente brauchten die Entertainer jedenfalls nicht, um den Saal klanglich auszufüllen.

Zum anderen wusste das Quarrtet auch mit seinen ironisch überspitzten Liedtexten zu punkten. Da wurde Elvis Presleys „Love me tender“ kurzerhand auf ein zeitgemäßes „Love me tinder“ umgedichtet und Jan Melzer (als „King“ stilgerecht im weißen Overall) nahm gekonnt die typischen Treffen auf die Schippe, die über Datingportale entstehen. „Love me tinder, never wisch me weg“ oder „we can drink us schön tonight” hießen da die Verse der Lalelu-Fassung des weltbekannten Superhits. Als wirkliches Highlight stellte sich die „Ballermann-Oper“ heraus, die „Party-Klassiker“ wie „Scheiss drauf! (Mallorca ist nur einmal im Jahr)“, „Zehn nackte Friseusen“ oder „20 cm (nie im Leben kleiner Peter)“ im Medley zur Arie aus Händels „Xerxes“ und anderen Opern meisterlich in ein ganz neues Licht setzte.

Schlagkräftiges "Biest"

Während sich die drei Männer der Gruppe als die „Schönen“ darstellten, nahm Sanna Nyman, die Sängerin mit den finnischen Wurzeln, zumindest für einige Minuten die Rolle des schlagkräftigen „Biests“ ein: Bei dem Lied „Männer, Frauen und Ikea“ bekam vor allem das männliche Geschlecht – ganz zur Freude der Frauen im Publikum – gründlich das Fett weg.

„Wie kommen Frauen und Männer heute eigentlich noch zusammen?“, nahm Frank Valet den Faden wieder auf. „Früher war das noch einfach, da gab es Schützenfeste und Feuerwehrbälle, aber seitdem die Menschen in die Städte gezogen sind, gibt es nur noch Probleme“, zeigte er sich überzeugt.

Loblied auf Delmenhorst

Problematisch unschön, so die Hamburger Musiker, seien auch einige von eben diesen Städten – Bremen zum Beispiel. Als hätte dieser Seitenhieb auf die Nachbarstadt das Publikum nicht schon genug belustigt, sang das Quartett zur Melodie von Ella Fitzgeralds „Lullaby of Birdland“ ein überaus witziges Loblied auf Delmenhorst und reimte: „Wenn man die Delme entlang geht, dann gibt es viel zu schauen. Aber am schönsten ist es in Düsternort, denn da gibt es die härtesten Frauen.“

Und weil der Lokalbezug immer eine sichere Bank ist, hatte Lalelu das Delmenhorster Publikum schon nach wenigen Minuten auf seine Seite gezogen. Auch wenn einige der Pointen vorhersehbar und eine Reihe Sprüche wenig subtil waren – die Zuschauer hatten merklich Spaß an der Musik-Comedy der sympathischen Künstler und klatschten bereits im ersten Teil begeistert mit.


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