Stadtgeschichte als Doktorarbeit Delmenhorster Autorin legt Buch über Gräfin Sibylla vor

Autorin Herta Hoffmann stellt mit Verleger Florian Isensee (li.) und Friedrich Hübner, Vorsitzender des Heimatvereins, ihr Buch über Gräfin Sibylla Elisabeth vor. Foto: Marco JuliusAutorin Herta Hoffmann stellt mit Verleger Florian Isensee (li.) und Friedrich Hübner, Vorsitzender des Heimatvereins, ihr Buch über Gräfin Sibylla Elisabeth vor. Foto: Marco Julius
Marco Julius

Delmenhorst. "Sibylla Elisabeth, Gräfin von Oldenburg und Delmenhorst (1576-1630) – Handlungsspielräume einer adeligen Frau in der Frühen Neuzeit“ heißt das Buch, mit dem Herta Hoffmann einen Teil der Delmenhorster Stadtgeschichte detaililert und kenntnisreich beleuchtet.

Herta Hoffmann ist sich sicher: „Gräfin Sibylla Elisabeth ist auch heute noch ein gutes Beispiel dafür, wie Frauen in schwierigen Zeiten politisch klug gehandelt haben.“ Herta Hoffmann muss es wissen. Die ehemalige Oberstudienrätin am Max-Planck-Gymnasium hat sich nicht erst mit ihrer Pensionierung im Jahr 2016 intensiv in die Geschichte der Gräfin und damit in die Stadtgeschichte Delmenhorsts eingearbeitet.

Ergebnis ist das Buch „Sibylla Elisabeth, Gräfin von Oldenburg und Delmenhorst (1576-1630) – Handlungsspielräume einer adeligen Frau in der Frühen Neuzeit“, das jetzt in der Reihe „Oldenburger Studien“ im Isensee Verlag erschienen ist. Grundlage des Buches ist die Dissertation Herta Hoffmanns an der Uni Oldenburg, der Doktortitel folgt in Kürze.

„Ich hatte schon lange die Idee, dass das Leben Sibyllas, die nach dem Tod ihres Mannes Anton II. die Grafschaft Delmenhorst regierte, weil ihr Sohn einen Vormund benötigte, mehr gewürdigt werden muss“, sagt Herta Hoffmann selbst. Sie ist in die Archive gegangen, hat die Geschichte der Grafschaft Oldenburg-Delmenhorst mit all ihren Verwicklungen aufgearbeitet, hat private Briefe der Gräfin studiert.

Weibliche Perspektive

„Noch niemand ist so tief in diesen Teil der Geschichte eingestiegen wie Herta Hoffmann“, sagt Friedrich Hübner, Vorsitzender des Heimatvereins Delmenhorst und als Berater des Buchprojekts wichtiger Ansprechpartner Herta Hoffmanns. Und auch Verleger Florian Isensee zollt seiner Autorin großen Respekt. „Herta Hoffmann schaut mit einem weiblichen Blick auf die Geschichte. Das ist eine Perspektive, die häufig vernachlässigt wird.“ Dass Isensee schon vor Beginn der großen Recherchen zusagte, aus der Doktorarbeit ein Buch zu machen, war für Herta Hoffmann „zusätzliche Motivation“.

Das wissenschaftliche Werk ist dabei keine klassische Biographie geworden, das war auch nicht das Ansinnen Herta Hoffmanns, obwohl sie Gräfin Sibylla Elisabeth so nah wie möglich kommen wollte. „Eine tiefreligiöse, kluge, empathische Frau, stets besorgt um ihre elf Kinder, die diplomatisch Strippen zieht“, sei die Gräfin gewesen. Eine Frau, die trotz schwieriger Verhältnisse und harter Schicksalschläge unverzagt und mutig als Regentin ihre Pflicht getan hat und stets dem Schicksal die Stirn bot, wie es der Verlag formuliert.

Mehr als eine Biographie

Das Buch bietet aber mehr: Es beleuchtet die Geschichte der Grafschaft Oldenburg und Delmenhorst, nimmt das Haus Delmenhorst als soziale Formation und als Herrschaftsort in den Fokus, nimmt die Rolle des Hauses Delmenhorst in der Reichspolitik zwischen Frieden und Krieg ins Visier und hat dabei besonders den 30-Jährigen Krieg im Auge. „Das ist für mich das spannendste Kapitel“, sagt Herta Hoffmann.

Die Veröffentlichung des Buches soll kein Schlusspunkt sein. Herta Hoffmann will ihre Studien fortsetzen.„Die Geschichte von Anna, viertes Kind von Sibylla, 1605 geboren, fasziniert mich. Anhand dieser historischen Figur lassen sich auch die Beziehungen zu Dänemark beleuchten, das interessiert mich“, blickt die Autorin auf künftige Projekte.

Zur Sache

Buch im Handel erhältlich
Das Buch „Sibylla Elisabeth, Gräfin von Oldenburg und Delmenhorst (1576-1630) – Handlungsspielräume einer adeligen Frau in der Frühen Neuzeit“ von Herta Hoffmann ist im Oldenburger Isensee Verlag erschienen und kostet im Buchhandel 24,90 Euro. Es ist 372 Seiten stark und beinhaltet 17 farbige Abbildungen. 


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