Nach Messerattacke Ex-Delmenhorster entzieht sich einer neuer Anklage

Ein 20-jähriger ehemaliger Delmenhorster hat nach Beratung mit seinem Anwalt seine Berufung vor dem Landgericht Oldenburg zurückgenommen. Foto: Peter Steffen dpa/lniEin 20-jähriger ehemaliger Delmenhorster hat nach Beratung mit seinem Anwalt seine Berufung vor dem Landgericht Oldenburg zurückgenommen. Foto: Peter Steffen dpa/lni

Delmenhorst. Schnell zurückgenommen hat jetzt ein 20-jähriger ehemaliger Delmenhorster nach Beratung mit seinem Anwalt seine Berufung vor dem Landgericht Oldenburg. Wohl besser so.

Hätte der jetzt in Berlin lebende Mann weiter um eine Reduzierung seiner erstinstanzlichen Strafe gekämpft, wäre er in Gefahr gelaufen, eine ganz neue Anklage mit deutlich schwerwiegenderen Folgen zu riskieren.

Erstinstanzlich hatte ihn ein Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Delmenhorst unter anderem wegen schwerer Körperverletzung zu acht Monaten Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt. Aber reichte das?, überlegte der Vorsitzende Richter in seiner Einschätzung: Kommt in diesem Fall wegen des Messerangriffs mit zwei Stichen in die Oberschenkel des Opfers und damit einhergehendem massiven Blutverlust nicht eher ein versuchter Totschlag in Betracht?

Neue Verhandlung als Option

Dieser versuchte Totschlag wäre – wenn der Vorwurf durch die Beweisaufnahme untermauert worden wäre – vor einer Jugendkammer des Landgerichts komplett neu verhandelt worden.

Die Messerattacke soll sich in der Nacht auf den 20. März dieses Jahres auf dem Zentralen Omnibusbahnhof in Delmenhorst abgespielt haben. Laut Urteil der ersten Instanz soll der 20-Jährige aus einer Gruppe von vier weiteren Heranwachsenden das vorbeikommende Opfer erst angepöbelt und dann tätlich angegriffen haben. Der junge Mann, Nebenkläger im Prozess, erlitt neben einem Nasenbeinbruch vor allem massiven Blutverlust durch die zwei Stiche in die Oberschenkel, weswegen er wenig nach der Tat zusammenbrach und anschließend drei Tage stationär im Krankenhaus behandelt werden musste.

Bereits mehrfach angeklagt

Über den Messerangriff hinaus sammelte der 20-Jährige bereits einige Anklagen – wegen Erpressung, Sachbeschädigung, Urkundenfälschung, Drogenbesitzes und einer weiteren Körperverletzung: Er nahm ein Handy an sich und gab bekannt, es nur zurückzugeben, falls der Bruder des Besitzers Schulden bezahle. Als die vom Besitzer herbeigerufene Polizei auftauchte, schleuderte er das Mobiltelefon auf den Boden, das Display zersplitterte.

In einem anderen Fall soll er bei einem Streit eine Zigarette auf dem Körper eines anderen ausgedrückt haben. Er wurde zudem mit Amphetamin erwischt und mit einer fremden Schüler-Monatskarte, auf der er ein Foto von sich selber befestigt hatte.

Die Mindeststrafe für gefährliche Körperverletzung beträgt sechs Monate Haft. Daher hatte schon der Delmenhorster Jugendrichter von einer Strafe im „unteren Bereich“ gesprochen, mit der das Gericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft gefolgt war. Ein (nicht angeklagter) versuchter Totschlag (gesetzlicher Strafrahmen ab knapp vier Jahren Haft aufwärts) hätte dann direkt am Landgericht Oldenburg verhandelt werden müssen.


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