Delmenhorster Kramermarkt Backstage-Einblicke ins Schausteller-Leben

Von Jasmin Johannsen

An seinem Geschäft ließ Symon Veldkamp die Tour-Teilnehmer neben den bekannten Mandeln auch ausgefallene Süßigkeiten probieren. Foto:Jasmin JohannsenAn seinem Geschäft ließ Symon Veldkamp die Tour-Teilnehmer neben den bekannten Mandeln auch ausgefallene Süßigkeiten probieren. Foto:Jasmin Johannsen

Delmenhorst. Einen Blick hinter die Kulissen des Kramermarktes durften am Montag zehn dk-Leser und deren Begleiter werfen. Die Backstage-Tour entlang der blinkenden Buden wurde zuvor unter dk-CARD-Nutzern verlost.

Zweifellos zählt der Kramermarkt zu den Höhepunkten im Delmenhorster Stadtleben: Zweimal im Jahr bummeln tausende Besucherinnen und Besucher über die Graftwiesen und auch in den vergangenen Tagen zogen die bunten Lichter und das rege Treiben wieder Groß und Klein an. Einen etwas anderen Rundgang über den Kramermarkt erlebten allerdings zehn dk-Leser und deren Begleiter. Sie hatten bei einer Verlosungsaktion unter dk-CARD-Nutzern die Tickets zu einer exklusiven Backstage-Tour gewonnen.  

9900 Volksfeste im Jahr

„Das erlebt man nicht alle Tage“, befand eine der Gewinnerinnen schon zu Beginn der knapp zweistündigen Tour. Die Vorfreude auf den Rundgang, das bestätigten auch andere Teilnehmerinnen und Teilnehmer, sei groß gewesen. Albert Coldewey und Symon Veldkamp – beides Mitglieder von Familien, die seit Generationen im Schausteller-Metier arbeiten – übernahmen die Führung entlang der sieben Stationen und machten erst einmal deutlich, welchen Rang die Schaustellerei auch heute noch im Bundesgebiet einnimmt. „In Deutschland gibt es rund 5000 Schausteller, die 11.000 Geschäfte betreiben und 23.000 Mitarbeiter haben“, erklärte Symon Veldkamp. Knapp 150 Millionen Besucherinnen und Besucher würden die 9900 Volksfeste deutschlandweit pro Jahr anlocken. „Zum Vergleich: Die Bundesliga hat im Jahr etwa 13 Millionen“, berichtete Veldkamp. Aber – und auch das sagten die beiden Schausteller – die kleineren Volksfeste würden immer öfter „aussterben“. „Deswegen haben wir auch einen leichten Rückgang in den Besucherzahlen.“

Delmenhorst als Standort beliebt

Dass so eine Entwicklung in Delmenhorst allerdings nicht zu befürchten ist, machten die Betreiber der auf dem Rundgang besuchten Geschäfte deutlich. Sie alle würden immer wieder gerne nach Delmenhorst kommen. Auch deshalb, weil der Kramermarkt aufgrund seiner Größe schon viel familiärer sei, als zum Beispiel der Bremer Freimarkt.

Lars Kellner, der Betreiber der Losbude „Silbermine“, ist sogar in Delmenhorst geboren. „Da war nämlich gerade Kramermarkt“, verriet er den Tour-Teilnehmern. Kellner, der dank seinem Hut wohl so ziemlich jedem Kramermarktgänger bekannt sein dürfte, gab einen Einblick in seinen Arbeitsalltag. „Ich rede ja den ganzen Tag, abends in der Familie bin ich dafür dann ziemlich still“, berichtete er. Mit Heiserkeit habe er dagegen in seiner 20-jährigen Karriere nur „ein- oder zweimal“ zu kämpfen gehabt: „Und da konnte mein Vater mich ersetzten.“ Der Vater, selbst schon Besitzer der „Silbermine“, habe sich als Western-Fan auch die Verzierung der Geschäftsfassade überlegt. „Das ist alles handbemalt“, sagte Kellner sichtlich stolz.

Besonderes Schmankerl

Ein ganz besonderes Schmankerl hatte sich „Breakdancer“-Inhaberin Claudia Vespermann-Dreher ausgedacht. Sie gestatte den Tour-Teilnehmerinnen einen Blick unter das große Karussell. „Weil der Breakdancer leicht schräg steht, ist das möglich“, erklärte Vespermann-Dreher. Zum 69. Mal steht der Breakdancer diesen Herbst auf dem Kramermarkt. Wie viele Schausteller führt auch Vespermann-Dreher ein echtes Familienunternehmen. Mutter, Ehemann, zwei Söhne – sie alle sind in dem Betrieb tätig. Und auch sie kämen immer wieder gerne nach Delmenhorst, bestätigte Vespermann-Dreher. Allerdings müsse man sich als Schausteller – auch wenn es nur für kurze Zeit ist – schnell einleben: „Ich bin immer in der Stadt zuhause, in der ich gerade gastiere.“


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