Gemeindefest in St. Marien Verständigung zwischen den Kulturen geht durch den Magen

Aramäische Spezialitäten erfreuten sich großer Beliebtheit bei den Besuchern des Gemeindefests in St. Marien. Foto: Dirk HammAramäische Spezialitäten erfreuten sich großer Beliebtheit bei den Besuchern des Gemeindefests in St. Marien. Foto: Dirk Hamm

Delmenhorst. Mit einer bunten Vielfalt wartete das Gemeindefest in der katholischen Gemeinde St. Marien am Wochenende auf. Für Pfarrer Guido Wachtel hatte das Fest eine besondere Bedeutung.

Die Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft funktioniert besonders gut, wenn sie durch den Magen geht. Das beweist Jahr für Jahr das Gemeindefest in der katholischen Kirchengemeinde St. Marien. Spezialitäten von den Phillippinen, aus Polen, dem Irak, aus Vietnam oder aus der aramäischen Küche wurden gestern rund um das Gotteshaus an der Louisenstraße angeboten und von den zahlreichen Besuchern gerne probiert. „In unserer Gemeinde leben Christen aus über 50 Nationen“, weiß Pfarrer Guido Wachtel. Die kulturelle Vielfalt sei schon seit jeher ein Charakteristikum der Delmenhorster Katholiken.

"Jeder ist uns wichtig"

Umso wichtiger ist das Miteinander, gleich welcher Herkunft, welcher Hautfarbe oder welchen Geschlechts. Jeder gehört dazu, das sollte laut Pfarrer Wachtel am Samstag und Sonntag das Motto des Gemeindefests zum Ausdruck bringen. „Jeder ist uns wichtig – keiner zu klein und nichtig“ stand in diesem Jahr über den Festivitäten, die am Samstagnachmittag mit einer Kaffeetafel für Senioren im Gemeindehaus begonnen hatten. Im Familiengottesdienst gestern Morgen illustrierte Wachtel diesen Satz mit zwei Geschichten, einer wahren Begebenheit aus den Briefen des Paulus und einer erdichteten.

Kinder mit eingebunden

Die fiktive Geschichte stammt von Rudyard Kipling, „Die kleine Schraube“. In dieser Parabel geht es um eine ganz kleine, unscheinbare Schraube im Rumpf eines großen Schiffes, die sich für völlig unwichtig hält. Sie lockert sich bei der Fahrt im Indischen Ozean und droht, herauszufallen. Als viele andere kleine Schrauben es ihr gleichtun, senden die großen Teile, Rippen und Platten eine Botschaft an die kleine Schraube, sie möge bleiben, denn sie sei genau so wichtig wie alle anderen Teile der Schiffskonstruktion. Bei dieser kindgerecht aufbereiteten Geschichte konnten die kleinen Gottesdienstbesucher mitmachen und symbolisch Schrauben mit ihren Namen an ein hölzernes Boot pinnen.

Ein Jahr des Kennenlernens

Die zweite, biblische Geschichte, die sich um die Aufnahme eines entflohenen Sklaven drehte, sollte laut dem Pfarrer zum Ausdruck bringen, im anderen erst einmal den Mitmenschen und Bruder zu sehen. „Wenn wir das hinbekommen in unserer Gesellschaft, dann wäre viel gewonnen“, sagte er in seiner Predigt.

Für Guido Wachtel markierte das Fest die Vollendung des ersten Jahres nach seiner Einführung beim letztjährigen Gemeindefest. Ein „besonderes Jahr“ sei es für ihn gewesen, sagt der Geistliche, ein Jahr des gegenseitigen Kennenlernens und der Überlegungen, wie die Gemeinde weiter in die Zukunft gehen soll. Als Kernpunkte nennt Wachtel dabei die Öffentlichkeitsarbeit, die Vernetzung innerhalb der Pfarrei, ein Immobilienkonzept sowie die Prävention und ein Schutzkonzept gegen sexualisierte Gewalt.

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