Beratung in Delmenhorst Drogenhilfe sieht finanzielle Zukunft gefährdet

Hätte ohne Drogenberatung seine Alkoholsucht nicht in den Griff bekommen: Andre von Husen (v. re.) berichtet drob-Leiterin Evelyn Popp, der CDU-Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen und dem drob-Psychologen David Ittekkot, warum die Therapie für ihn so wertvoll war. Foto: Frederik GrabbeHätte ohne Drogenberatung seine Alkoholsucht nicht in den Griff bekommen: Andre von Husen (v. re.) berichtet drob-Leiterin Evelyn Popp, der CDU-Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen und dem drob-Psychologen David Ittekkot, warum die Therapie für ihn so wertvoll war. Foto: Frederik Grabbe

Delmenhorst. 1460 Menschen hat die Delmenhorster Drogenberatung (drob) zuletzt im Jahr beraten – und verhalf vielen so aus der persönlichen Krise. Doch das Beratungsangebot, nicht nur in Delmenhorst, ist gefährdet. So sieht es ein bundesweites Drogenhilfe-Bündnis.

Er war hart am Limit, um es salopp zu sagen: Jeden Tag ließ sich Andre von Husen voll laufen. Kurz nach der Arbeit führte der Weg des Delmenhorsters zur nächsten Tankstelle, wo er Wodka und Bier kaufte. Der Rausch war sein täglicher Begleiter. Über Jahre ging das so. Der heute 39-jährige Vater von drei Kindern verlor den Kontakt zu Teilen seiner Familie, die Kontrolle über sein Leben – bis Andre von Husen 2017 eine Entgiftung machte. "In Oldenburg habe ich den Kontakt zur Drogenberatung in Delmenhorst erhalten", sagt er. Von Husen machte eine ambulante Therapie – und scheint sein Griff wieder im Griff zu haben. Er ist sich sicher: "Ohne die Suchthilfe wäre ich noch tiefer gefallen." 

Einer von 1460 Fällen

Von Husen ist nur einer von insgesamt 1460 Fällen, die bei der Anonymen Drogenberatung Delmenhorst (drob) 2018 beraten worden sind. Nicht immer geht es dabei um Sucht, sondern auch um problematisch hohen Konsum von Rauschmitteln. Auch Angehörige lassen sich beraten. "In den allermeisten Fällen ist Alkohol das Problem, dicht gefolgt von Cannabis", sagt Evelyn Popp, Leiterin der drob.

Bündnis sieht Hilfe gefährdet

Doch die Hilfeleistung der Beratungsstelle ist gefährdet. So sieht es zumindest ein bundesweiter Zusammenschluss vieler Träger der Drogenhilfe, darunter auch die Arbeiterwohlfahrt (Awo), die in Delmenhorst Trägerin der drob ist. In einem Brandbrief an die Bundespolitik beklagt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) die Praxis der kommunalen Finanzierung der Suchtberatungsstellen. Eine wirksame Beratung könne nur mit einer "verlässlichen und kostendeckenden Finanzierung" gewährleistet werden, heißt es darin. "Die Suchthilfe kostet nun einmal Geld. Und weil Tarife für die Bezahlung von Mitarbeitern sowie generell die Anforderungen an sie bezüglich ihrer Qualifikationen oder ihrer Abschlüsse steigen, gehen auch die Kosten nach oben", ordnet Popp den Brandbrief ein.

"Alles steht immer wieder neu zur Disposition"

Die drob selbst finanziert sich aus Geldern der Stadt und des Landes. Die Partnerschaft zur Stadt sei seit Jahrzehnten sehr gut, betont Popp. Aber die Gelder aus beiden Töpfen steigen eben nicht mit dem Bedarf der Suchthilfe. Oder mit anderen Worten: Mit dem gleichbleibenden Budget können auf Dauer nicht mehr so viele Angebote in der Suchtberatung gemacht werden. Auch werden die Verträge zur Vorhaltung der drob-Hilfe immer wieder neu ausgehandelt. Popp: "Alles steht immer wieder neu zur Disposition. Damit sind wir immer wieder vom jeweiligen Rat abhängig." 

Verhinderung von Elend

Die Sorgen in der Drogenberatung stehen auch bei der hiesigen CDU-Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen auf dem Zettel, die von einer "prekären Finanzsituation der Beratungsstellen" spricht und sich jetzt bei der drob über ihre Finanzierung informierte. "Ich will bei dem Thema unterstützen. Suchtberatungen sind wichtige Einrichtungen, die erhalten bleiben müssen." Wie diese wirken, das beschreibt in dem Brandbrief das Bündnis der Drogenhilfe-Träger: "Mit ihrer Brückenfunktion zwischen Beratungsstelle und Gesundheitssystem trägt die Suchtberatung nachweislich dazu bei, die Verelendung der Klientinnen und Klienten zu verhindern und so die Folgekosten der Suchterkrankung zu verringern."

Kontakt zur Delmenhorster Drogenberatung

Die Anonyme Drogenberatung (drob) der Awo hat ihren Sitz an der Scheunebergstraße 41 in Delmenhorst. Sie berät zu verschiedensten Formen der Sucht, auch an Angehörige richtet sich das Angebot. Die drob ist erreichbar unter Telefon (0 42 21) 1 40 55  oder per Mail unter info@drob-delmenhorst.de. Mehr Infos im Internet unter www.drob-delmenhorst.de.


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