In zweiter Instanz Delmenhorster legt nach Schlag mit Whiskeyflasche Geständnis ab

Das Landgericht hat ein Urteil gesprochen. Foto: Peter Steffen/dpaDas Landgericht hat ein Urteil gesprochen. Foto: Peter Steffen/dpa

Delmenhorst. Ein spätes Geständnis, aber das Landgericht reduziert die Gefängnisstrafe eines Delmenhorsters nur minimal.

Warum schlug ein 25-Jähriger an einem August-Abend 2017 auf dem Garagenhof einer Blocksiedlung in Delmenhorst einen Mann mit einer Whiskyflasche nieder? In der Amtsgerichts-Verhandlung im vergangenen Februar blieb dessen Motivation noch im Dunkeln – der Angeklagte verteidigte sich schweigend. Jetzt, nachdem der damals zu elf Monaten Haft ohne Bewährung verurteilte Mann Berufung einlegte, schilderte er in zweiter Instanz vor dem Landgericht Oldenburg dann doch den Fall aus seiner Sicht: Er sei von mehreren Männern angegriffen worden, habe aus Notwehr gehandelt. Das Landgericht verringerte seine Strafe um einen Monat.

Platzwunde an der Schläfe

Zeugenaussagen im Amtsgericht Delmenhorst zeichneten folgendes Bild des Vorfalls: Der Angeklagte habe sich durch mehrere Musik hörende und sich laut unterhaltende Nachbarn auf dem Parkplatz gestört gefühlt. Er schrie aus seinem Fenster, sie sollten leiser sein, ging hinunter und schlug ohne Vorwarnung das Opfer, das ihn eigentlich nur habe beruhigen wollen, zu Boden. Der geschlagene Mann erlitt eine drei Zentimeter große Platzwunde an der linken Schläfe.

Der Angeklagte schilderte nun, dass er mit der halbvollen Flasche lediglich auf dem Weg zu einem Freund war. Plötzlich sei er von drei, vier Männern umringt, angepöbelt, berührt und bedroht worden. In Panik habe er zugeschlagen, gab er zu. Er habe noch mit der (heilen) Flasche herumgefuchtelt, um die anderen auf Abstand zu halten und ließ sie dann fallen.

Rechtsanwalt Matthias Koch ging es in der Berufungsverhandlung nicht in erster Linie um die Darstellung seines Mandanten. Der Schlag habe ja tatsächlich stattgefunden, allein wegen mehrfacher einschlägiger Vorstrafen des 25-Jährigen sei eine Freiheitsstrafe unumgänglich. Auch das Schmerzensgeld von 1000 Euro an das Opfer sollte nicht neu diskutiert werden. Hintergrund: Der Mann stand bei der Tat unter Bewährung. Keine vier Monate zuvor war er zuletzt verurteilt worden.

Jeder Monat zählt

Koch ging es vielmehr um eine Reduzierung der Strafe, die sein Mandant durch sein Geständnis und durch sein Verhalten im Gefängnis verdient habe: Der 25-Jährige hat nach seiner Verhaftung – die laufende Bewährung wurde nach dem Schlag mit der Flasche widerrufen – im Knast seinen Realschulabschluss nachgemacht, erfolgreich ein Anti-Agressions-Training und andere Maßnahmen absolviert und sich, so Koch, dort als „Mustergefangener“ präsentiert. Draußen werde er seine Ausbildung fortsetzen können, auch sein Trinkverhalten therapieren lassen: „Jeder Monat im Knast zählt.“ Mit einer Umwandlung in eine Bewährungsstrafe wäre der Angeklagte im Januar entlassen worden.

Das Landgericht Oldenburg ließ sich darauf aber nicht ein. Für das Geständnis reduzierte es zwar die elf Monate Haft auf zehn, eine Bewährung komme aber in diesem Fall nicht mehr in Betracht. Sein Bewährungsversagen beweise eine erhebliche kriminelle Energie beim Angeklagten. Und die absolvierten Maßnahmen habe das Amtsgericht Delmenhorst im erstinstanzlichen Urteil bereits berücksichtigt.


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