Räuberische Erpressung Fünf Männer aus Delmenhorst und Hude vor Gericht

Von Ole Rosenbohm

Symbolfoto: Peter Steffen/dpaSymbolfoto: Peter Steffen/dpa

Delmenhorst/Oldenburg. Räuberische Erpressung, Nötigung, Körperverletzung, Bedrohung mit einer Gasdruckpistole: Die Liste der Anklagenpunkte gegen vier Männer aus Delmenhorst (25, 25, 26 und 28 Jahre alt) und einen 20-jährigen Huder ist tatsächlich lang.

Gemeinsam sollen sie im Februar des Jahres 2018 einen Heranwachsenden in einen Wagen gelockt, ihm unter unter vorgehaltener Waffe und mit Ohrfeigen das Handy abgenommen und versucht haben, Geld aus ihm herauszupressen. Am Dienstag startete der Prozess gegen die fünf Männer vor dem Landgericht Oldenburg. Das Opfer tritt als Nebenkläger auf.

Täter kennen ihr Opfer bereits 

Nach Verlesung der Anklage und den Einlassungen der fünf Männer steht nun fest, dass der 20-Jährige das ihm bekannte Opfer in Delmenhorst mit dem Auto abgeholt hatte. Laut eigener Aussage lockte er ihn mit dem Versprechen, ihm Drogen abzukaufen. Dass das aber eine Falle war, muss der junge Mann gemerkt haben, als an einer Tankstelle plötzlich die beiden 25-Jährigen zustiegen.

Sie verpassten ihm sogleich einige Ohrfeigen, bedrohten ihn mit der Gaspistole und zwangen ihn zur Herausgabe seiner Jacke, in der sich Mobiltelefon sowie eine weitere Gasdruckwaffe befanden. Das Opfer, forderten sie, sollte die 500 Euro zurückzahlen, die er sich bei einem der 25-Jährigen geliehen hatte und danach Wochen oder Monate für seinen Gläubiger nicht mehr zu erreichen war. Die beiden Älteren fuhren derweil in einem weiteren Fahrzeug hinterher.

Bloß: Geld hatte der junge Mann gar nicht dabei. Um aus der Situation herauszukommen, überredete er seine Entführer, einen seiner Bekannten in der Gemeinde Hude aufzusuchen. Der könne ihm dann das Geld geben. Er hoffte offenbar, dieser sei zu dem Zeitpunkt nicht zu Hause und seine Peiniger würden nach dem vergeblichen Besuch von ihm ablassen.

Fahrt zum Elternhaus des Opfers 

Der Bekannte war tatsächlich nicht zu Hause – aber beendet war die Aktion nicht. Laut Anklage forderten die beiden zur Haustür mitgegangenen 25-Jährigen ihr Opfer vielmehr auf, ins Hauseinzubrechen und dort Wertgegenstände herauszuholen.

Aber wieder konnte sich der Nebenkläger herausreden: Im Nachbarhaus wohne ein Polizist, soll er laut Anklage gesagt haben. Weiter ging die Fahrt zurück nach Delmenhorst, jetzt zum Elternhaus des Opfers. Hier sollte er endlich das Geld besorgen, während die Männer in ihren Autos warteten. Komme er nicht in zehn Minuten wieder, würden sie die Tür eintreten, drohten sie. Doch das Opfer rief im Haus den Notruf an. Eine Viertelstunde später – die Angeklagten waren noch immer bei oder in ihren Wagen – schlug ein Sondereinsatzkommando der Polizei zu. 

Im Wesentlichen gaben die fünf Männer gestern bereits das Angeklagte zu, versuchten aber, es in einigen Punkten abschwächen. So stritten sie ab, ihr Opfer zum Einbruch aufgefordert zu haben. Der 20-jährige Fahrer sagte, selber von den Gewalttätigkeiten und erheblichen Bedrohungsszenario überrascht gewesen zu sein.

Von Gewalthandlungen angeblich nichts gewusst

Und die beiden Älteren sagten aus, sie seien hinterhergefahren, ohne genau von den Gewalthandlungen oder Bedrohungen zu wissen. Selbst den Grund für die Entführung hätten sie nicht gekannt.

Aber: Die Waffe, mit der das Opfer bedroht wurde, hatte der 28-Jährige seinen Kumpels an der Tankstelle übergeben.


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