Lage im Landkreis besser Weniger Azubis gehen in Delmenhorst zu Ausbildungsbeginn an den Start

In der Region gehen am 1. August historisch weniger neue Bäckerlehrlinge an den Start. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpaIn der Region gehen am 1. August historisch weniger neue Bäckerlehrlinge an den Start. Symbolfoto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Delmenhorst. Insgesamt 848 Auszubildende gehen ab dem ersten August in Delmenhorst und im Landkreis Oldenburg an den Start. Daten zeigen, dass es dem Landkreis besser gelingt, den Nachwuchs zu binden. Insgesamt müssen sich Betriebe aber auf weniger Bewerber einstellen. Ein historisches Problem hat schon jetzt das Bäckerhandwerk.

In Delmenhorst sind zuletzt leicht weniger Ausbildungsverträge unterschrieben worden, als noch vor einem Jahr. Was die Gewinnung von Nachwuchs angeht, stellt ist der Landkreis Oldenburg deutlich besser aufgestellt. Das geht aus Zahlen der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Handwerkskammer Oldenburg zum neuen Ausbildungsjahr hervor, die dieser Zeitung vorliegen.

Im Landkreis deutlich mehr Auszubildende unter Vertrag genommen

Den Angaben zufolge sank die Zahl der Ausbildungsverträge bei den bei der IHK angeschlossenen Delmenhorster Betrieben im Vergleich zum Vorjahr leicht um vier auf 152 Verträge. Im Handwerk sank sie um ebenfalls um vier auf 129 Verträge. Ganz anders die Lage im Landkreis Oldenburg: 315 junge Menschen wollen ab diesem Jahr in IHK-Betrieben eine Ausbildung beginnen, 14 mehr als 2018. Im Handwerk sind es 258, ein plus von 20. Diese Angaben sind noch nicht endgültig, sagt Wolfgang Jöhnk, Geschäftsbereichsleiter Berufsbildung bei der Handwerkskammer. Er rechnet mit noch mehr Vertragsabschlüssen im Laufe der nächsten Wochen und Monate. Ludger Wester, stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Bildung bei der  IHK, weist auf mögliche Schwankungen bei den Vertragszahlen hin: "Etwa die Hälfte der Betriebe haben ein bis drei Auszubildende. Das heißt, sie bilden nur alle drei Jahre aus und stellen daher nicht jedes Jahr neue Azubis ein."

Historisch wenige Bäcker-Lehrlinge

Den Angaben der Kammern zufolge waren mit Blick auf den gesamten jeweiligen Bezirk kaufmännische sowie gewerblich-technische Berufe nach wie vor konstant hoch gefragt. Ebenso wollen besonders viele Bewerber Kraftfahrzeugmechatroniker, Elektroniker und Anlagenmechaniker werden. Die IHK weist für Delmenhorst ein hohes Interesse an Handelsberufen, auch im Einzelhandel, sowie für die Metalltechnik und das Bauwesen aus.Viele neue Verträge gab es auch im Frisörhandwerk. 

Ein traditionelles Handwerk kommt in diesem Jahr denkbar schlecht weg: "Einen historischen Tiefpunkt erreichen bislang leider die Zahlen der neuen Auszubildenden im Bäckerhandwerk", so Jöhnk. Im gesamten Kammerbezirk zwischen Vechta und Wilhelmshaven wurden nur 14 Ausbildungsverträge unterschrieben. Wester spricht weiter von Besetzungsproblemen in der Lagerlogistik, der Gastronomie und der Lebensmitteltechnik.

Trend sagt deutlich weniger Auszubildende voraus 

Insgesamt ist der Trend – trotz teilweise mehr Ausbildungsverhältnissen – aber eindeutig: Die Zahl der Bewerber geht zurück. Und damit droht auch der Nachwuchs zu schwinden. Das hatte bereits vor einem Jahr eine Umfrage der IHK festgestellt, wonach rund jedes dritte Unternehmen keine Bewerber auf seine Stellen gefunden hat. Das zeigen auch Daten der Agentur für Arbeit. Sie stellt fest, dass es zwar immer mehr Ausbildungsplätze gibt, gleichzeitig schwindet die Zahl der Bewerber, um diese auch zu füllen. 340 offene Stellen sind bis Ende Juli für dieses Ausbildungsjahr bei der Agentur eingegangen, 40 mehr als vor zwei Jahren. Hingegen wurden zuletzt 752 Bewerber gezählt, 90 weniger, als vor zwei Jahren. Und obwohl mehr Betriebe Auszubildende suchen, steigt die Zahl jener Bewerber, die bislang keine Stelle gefunden haben (+7 Prozent auf 274).

Der Handel und Einzelhandel bietet in Delmenhorst nach wie vor nachgefragte Ausbildungsberufe. Foto: Gert Westdörp

IHK sieht bei jungen Menschen "mangelnde Flexibilität"

Angesichts dieser Entwicklung appellieren die Kammern an die jungen Menschen, auch links und rechts von ihren eigentlichen Berufswünschen zu gucken. Wester für die IHK spricht offen von "mangelnder Flexibilität bei der Berufswahl". Jöhnk sagt für die Handwerkskammer: "Jugendliche sollten sich nicht an einem einmal gewählten Beruf festbeißen. Wer sich für den Kfz-Mechatroniker interessiert, könnte vielleicht auch am Beruf des Land- und Baumaschinenmechatronikers Gefallen finden." Gleichzeitig fordern beide Kammern ein Umdenken in Bezug auf die soziale Anerkennung von Ausbildungsberufen. Jöhnk: "Die Gleichwertigkeit der beruflichen mit der akademischen Laufbahn muss nicht nur auf dem Papier sondern auch in den Köpfen der Menschen erfolgen."


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